Blutdruckmessung: Arm auf dem Schoß verfälscht Werte um bis zu 10 mmHg
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie regelmäßige Überwachung des Blutdrucks gilt als zentraler Baustein in der langfristigen Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen. Aktuelle Fachberichte und medizinische Ratgeber heben hervor, dass verlässliche Werte nur durch strikt standardisierte Messprotokolle erzielt werden können.
Fehlerhafte Abläufe führen häufig zu systematischen Verfälschungen, die den Unterschied zwischen einem unauffälligen Befund und einer fälschlichen Hypertonie-Diagnose ausmachen können.
Die Bedeutung von Ruhezeit und Körperhaltung
Zentral für präzise Ergebnisse ist eine angemessene Vorbereitung. Fachleute empfehlen vor jeder Messung eine Ruhephase von mindestens fünf Minuten im Sitzen. Während dieser Phase sowie während des Messvorgangs sollte weder gesprochen noch gelesen oder ein Bildschirm genutzt werden.
Auch äußere Einflussfaktoren spielen eine Rolle: Mindestens 30 Minuten vorab sollte auf das Rauchen sowie den Konsum von Kaffee, koffeinhaltigen Getränken oder Sport verzichtet werden. Zudem sollte die Blase entleert sein, da auch dies den Blutdruck beeinflussen kann.
Bei der Sitzhaltung ist ein Stuhl mit Rückenlehne ratsam, wobei beide Füße flach auf dem Boden stehen und nicht überkreuzt werden sollten. Besondere Bedeutung kommt der Armhaltung zu.
Eine systematische Übersichtsarbeit verweist darauf, dass eine Haltung des Messarms unterhalb der Herzhöhe – etwa auf dem Schoß – sowohl den systolischen als auch den diastolischen Wert im Schnitt um 7 bis 10 mmHg künstlich nach oben treibt.
Bei gefäßgeschädigten oder bereits hypertensiven Personen fällt dieser Effekt mitunter noch größer aus. Daher empfehlen unter anderem Hausärzte sowie Richtlinien der niederländischen Herzstiftung Hartstichting, den nackten Arm entspannt auf einem Tisch so zu positionieren, dass sich die Mitte der Manschette exakt auf Herzhöhe befindet.
Korrekter Sitz der Manschette und Gerätekalibrierung
Auch die Handhabung der Manschette entscheidet über die Messgenauigkeit. Die Manschettenunterkante gehört etwa 2,5 cm (maximal 5 cm) über die Ellenbeuge. Sie sollte so angelegt sein, dass noch zwei Finger darunter Platz finden. Bei elektronischen Oberarmgeräten wird meist ein Abstand von 1 bis 2 cm über der Beuge angegeben.
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Eine zu lockere oder zu straffe Manschette verfälscht die Ergebnisse ebenso wie schwache Batterien, die sowohl die Pumpenleistung als auch die Empfindlichkeit der Sensoren senken können. Zudem wird eine jährliche Kalibrierung gegen ein Referenzgerät angeraten.
Beim manuellen Messen wird bis 20 mmHg über das Verschwinden des Pulstons aufgepumpt und der Druck langsam abgelassen. Der erste Korotkow-Ton markiert den systolischen, der fünfte Ton den diastolischen Wert.
Mehrfachmessungen verhindern Fehlinterpretationen
Da der Blutdruck im Tagesverlauf schwankt und der erste Messwert durch Anspannung oder die Kompression der Manschette häufig erhöht ist, raten Kardiologen wie Professor Khalid Al-Nimer von Einzelmessungen ab.
Stattdessen sollten jeweils zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten durchgeführt und deren Mittelwert erfasst werden. Bei einer Differenz von mehr als 5 mmHg zwischen den ersten beiden Werten empfiehlt sich eine dritte Messung, woraufhin der Mittelwert aus den drei Werten gebildet wird.
Für eine exakte Beurteilung verweist Professor Al-Nimer auf ein Schema, bei dem über mindestens drei Tage hinweg jeweils morgens vor der Medikamenteneinnahme und dem Frühstück sowie abends zwei Messungen vorgenommen werden.
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Das Gesamtmittel dieser Protokolle liefert dem behandelnden Arzt eine belastbare Grundlage. Der Kardiologe Jekaterina Paukova weist zudem darauf hin, dass bei der ersten Messung an beiden Armen gemessen werden sollte, um künftig konsequent den Arm mit den höheren Werten für die Selbstkontrolle zu nutzen.
Schwellenwerte für die ärztliche Abklärung
Bereits ein struktureller Messfehler von 5 mmHg kann dazu führen, dass ein Wert falsch eingeordnet wird. Bei wiederholten Heimmessungen erfordert ein Mittelwert von 135 mmHg oder mehr systolisch beziehungsweise 85 mmHg oder mehr diastolisch eine ärztliche Abklärung. In der Klinik gilt in der Regel ein Schwellenwert von 140/90 mmHg als Hypertonie-Kriterium.
Bei systolischen Werten ab 180 mmHg oder diastolischen Werten ab 120 mmHg sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Für gesunde Erwachsene ab 40 Jahren wird mindestens eine jährliche Kontrolle empfohlen, während junge Menschen ohne Risiken alle drei bis fünf Jahre messen sollten.
