Bluthochdruck: 20 Millionen Erwachsene betroffen, vier Millionen ahnungslos
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Erkenntnisse zur kardiovaskulären Prävention unterstreichen die Bedeutung nachhaltiger Verhaltensweisen im Alltag. Der Kardiologe Dr. Francesco Lo Monaco von der National Longevity Clinic benennt fünf zentrale, wissenschaftlich belegte Gewohnheiten, mit denen sich die Herzgesundheit in jedem Lebensalter verbessern lässt.
Im Fokus stehen dabei kontinuierliche Bewegung auch nach langen Phasen der Inaktivität, regelmäßiges Krafttraining, die regelmäßige Überprüfung wichtiger Vitalwerte, das Unterbrechen von Sitzphasen sowie der Aufbau dauerhaft haltbarer Alltagsroutinen.
Kontinuität bei Bewegung und gezieltes Krafttraining
Lo Monaco betont, dass beim Wiedereinstieg in körperliche Aktivitäten Beständigkeit wichtiger sei als extreme Intensität; bereits einfache Bewegung im Alltag erfülle diesen Zweck. Nach längerer Untätigkeit oder bei bekannten Vorerkrankungen solle der Start jedoch vorab ärztlich abgeklärt werden. Treten während des Trainings Symptome wie Brustschmerz, starke Atemnot oder Bewusstlosigkeit auf, handle es sich um einen medizinischen Notfall.
Ergänzend empfiehlt der Experte Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche, was unter anderem das Sturzrisiko senkt. Diese Empfehlung deckt sich mit den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Wochentagen anrät.
Laut der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP) überwiegt der Nutzen eines regelmäßigen Krafttrainings mögliche Risiken deutlich.
Wer seine Fitness und Herzgesundheit durch gezielte Bewegung stärken möchte, findet in diesem kostenlosen Ratgeber 17 einfache Übungen, die sich perfekt in den Alltag integrieren lassen. 17 Übungen für maximale Ergebnisse jetzt kostenlos herunterladen
Zwar wurden nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) im Jahr 2025 in Österreich rund 3.300 Menschen nach Unfällen beim Kraftsport im Krankenhaus behandelt, dies bedeute laut ÖGSMP jedoch kein höheres individuelles Risiko, wenn Verletzungen ins Verhältnis zur Gesamtanzahl der Aktiven gesetzt würden. Entscheidend für die Prävention seien saubere Technik, Aufwärmen und eine individuelle Belastungssteuerung.
Ein neues wissenschaftliches Statement fordert zudem, Bewegung künftig wie ein Medikament mit klaren Vorgaben zu Häufigkeit, Dauer und Intensität zu verschreiben. Insbesondere bei zuvor inaktiven Personen seien die kardiovaskulären Gewinne am größten; schon 20 Minuten zügiges Gehen pro Tag könnten das Risiko für Herzkrankheiten deutlich senken.
Schrittzahlen und das Vermeiden von Dauersitzen
Ein weiterer Aspekt ist die Unterbrechung sitzender Phasen durch kurze Bewegungseinheiten, da Sedentarismus als eigenständiger Risikofaktor gilt. Welches Schrittpensum dabei anzustreben ist, differenzieren neuere Untersuchungen: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 zeigt, dass mehr tägliche Schritte die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern, wobei der größte Zuwachs zwischen 5.000 und 7.000 Schritten pro Tag liegt.
Der Schritt von 2.000 auf 5.000 Schritte bringt demnach bereits den Großteil des Schutzes. Eine frühere Analyse aus dem Jahr 2023 belegt, dass der Nutzen bis etwa 8.800 Schritte ansteigt und danach abflacht. Die oft zitierte Vorgabe von 10.000 Schritten geht historisch auf eine japanische Werbekampagne der 1960er-Jahre zurück und basiert nicht auf klinischen Studien.
Kontrolle der Gesundheitswerte und begleitende Lebensstilfaktoren
Neben der körperlichen Aktivität hebt Lo Monaco die Kontrolle der Gesundheitswerte hervor: Blutdruck, Cholesterinspiegel und die Familienanamnese sollten regelmäßig überprüft werden. Ein gesunder Lebensstil sei essenziell, könne im Bedarfsfall jedoch keine medikamentöse Therapie ersetzen.
Eine regelmäßige Kontrolle der wichtigsten Vitalparameter ist die Basis für eine langfristige Vorsorge und ein herzgesundes Leben. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst besser zu verstehen und gezielt für Ihre Gesundheit zu nutzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern
Wie bedeutsam diese Vorsorge ist, verdeutlichen Daten der Deutschen Herzstiftung: Rund 20 Millionen Erwachsene in Deutschland haben einen zu hohen Blutdruck, etwa vier Millionen von ihnen wissen jedoch nichts davon.
Für ein umfassendes Risikomanagement spielt auch das Konsumverhalten eine Rolle. Der Kardiologe Stefan Waller verweist auf fünf Getränkegruppen, die das Herz-Kreislauf-System belasten: Energy Drinks, zuckerhaltige Softdrinks, Fruchtsäfte und Smoothies, Milchshakes sowie kalorienreiche Kaffeespezialitäten.
Energy Drinks bergen durch ihren hohen Zuckergehalt und das Risiko von EKG-Veränderungen Gefahren für Herzrhythmusstörungen, vor allem bei gleichzeitigem Sport- oder Alkoholkonsum. Als gesunde Alternativen empfiehlt Waller schlicht Wasser und ungesüßte Tees.
