Bluthochdruck: Bei bis zu 30 Prozent steckt zu viel Aldosteron dahinter
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei einem beträchtlichen Teil der Menschen mit schwer einstellbarem Blutdruck bleibt die eigentliche Ursache der Erkrankung unbemerkt im Verborgenen. Nach Angaben von Christian Koppelstätter, dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, liegt bei 5 bis 10 Prozent aller Bluthochdruckpatienten eine übermäßige Aldosteronproduktion vor.
In der Gruppe der Personen mit therapieresistenter Hypertonie steigt dieser Anteil sogar auf 20 bis 30 Prozent. Dennoch wird dieser hormonelle Faktor in der klinischen Praxis bislang nur selten gezielt abgeklärt.
Große Diagnostiklücke trotz eindeutiger Leitlinien
Die Diskrepanz zwischen Häufigkeit und Diagnostik verdeutlicht der Wiener Kardiologe Gernot Pichler von der Klinik Floridsdorf: Bislang werden lediglich 2 Prozent der Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck auf eine erhöhte Aldosteronproduktion untersucht. Dabei empfehlen aktuelle Leitlinien inzwischen, bei jedem Hypertonie-Patienten zumindest einmal im Leben die Werte für Aldosteron und Renin zu bestimmen.
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Dieser Schritt gelte ganz besonders für Erkrankte unter 40 Jahren sowie für Patienten, deren Werte trotz der Einnahme mehrerer Medikamente nicht ausreichend sinken.
Das Nebennierenhormon Aldosteron treibt nicht nur die Natriumretention voran, sondern begünstigt auch Gefäßentzündungen sowie Fibrose in Herz und Nieren. Um die Ursachen genauer einzugrenzen, stehen verbesserte Analysemethoden zur Verfügung.
Ein Verfahren namens Aldo+, das auf Massenspektrometrie basiert, erfasst neben Aldosteron weitere Blutdruckhormone. Die Kosten für diese Untersuchung belaufen sich privat auf 180 Euro. Während gesetzliche Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, decken private Krankenversicherungen in ihren Haupttarifen rund 80 Prozent ab.
Strengere Zielwerte und neue Medikamentenklassen
Klinische Leitlinien zielen zunehmend auf eine striktere Blutdrucksenkung ab. Nach der Klassifikation der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gilt ein Wert von unter 120 zu unter 70 mmHg als optimal, während Werte von 120 bis 139 zu 70 bis 89 mmHg als erhöht eingestuft werden. Ein manifester Bluthochdruck beginnt ab 140 zu 90 mmHg.
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Als allgemeiner Zielwert wird verbreitet ein Wert von unter 130 zu 80 mmHg angestrebt. Die Internationale Gesellschaft für Hypertonie (ISH) fasste Ende Oktober 2026 ihre weltweiten Empfehlungen neu und ersetzte die frühere Kategorie des hoch-normalen Blutdrucks durch die Einstufung als erhöhter Blutdruck, die diastolische Werte bereits ab 80 mmHg einschließt.
Auch therapeutisch eröffnen sich über die etablierte Gabe von Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) wie Spironolacton oder Eplerenon hinaus neue Wege. Zunehmend rücken selektive Aldosteron-Synthase-Hemmer in den Fokus der Fachwelt.
So zeigte der Wirkstoff Lorundrostat des Unternehmens Mineralys Therapeutics in klinischen Studien wie Explore-CKD und Launch-HTN signifikante Senkungen des systolischen Blutdrucks sowie eine deutliche Reduktion der Albuminurie bei Patienten mit Nierenerkrankungen.
Ein weiterer Vertreter dieser Wirkstoffklasse, Baxdrostat von AstraZeneca, erhielt im Mai 2026 die Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Neben diesen pharmakologischen Innovationen führen internationale Behandlungspfade bei fortbestehender Therapieresistenz auch interventionelle Verfahren wie die renale Denervierung auf.
