Bluthochdruck in Deutschland: 20 bis 30 Millionen betroffen, viele unerkannt
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlĂ€sslich des Weltschlaganfalltags warnen Gesundheitsexperten und medizinische Fachgesellschaften vor den Gefahren von unerkanntem Bluthochdruck. Da eine arterielle Hypertonie oft ĂŒber Jahre hinweg beschwerdefrei verlĂ€uft, rufen Fachkreise Erwachsene dazu auf, prĂ€ventive Screening-Angebote wahrzunehmen.
Ziel ist es, GefĂ€ĂschĂ€den frĂŒhzeitig zu erkennen und dadurch schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle zu verhindern. Nach Angaben der World Stroke Organisation steht Bluthochdruck mit mehr als der HĂ€lfte aller SchlaganfĂ€lle weltweit in Verbindung.
Hohe Dunkelziffer bei arterieller Hypertonie
Fachleute weisen darauf hin, dass ein erhöhter Blutdruck von den Betroffenen selbst kaum bemerkt werden kann. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga leiden in Deutschland schĂ€tzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen an Bluthochdruck, wobei etwa jeder FĂŒnfte keine Kenntnis von den eigenen erhöhten Werten hat. Als Grenzwert fĂŒr Bluthochdruck gilt in den deutschen Leitlinien ein Wert von ĂŒber 140/90 mmHg bei einer Praxismessung.
Auch internationale SchĂ€tzungen verdeutlichen das AusmaĂ des Problems. FĂŒr England geht der staatliche Gesundheitsdienst NHS von rund 4,1 Millionen Menschen mit unerkanntem Bluthochdruck aus. Mediziner betonen, dass sich die Druckwerte im GefĂ€Ăsystem nicht am individuellen Wohlbefinden ablesen lassen. RegelmĂ€Ăige Kontrollen seien daher das einzige verlĂ€ssliche Mittel, um Risikoprofile rechtzeitig zu identifizieren.
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Leitlinien und strukturierte FrĂŒherkennung
Um FolgeschĂ€den zu vermeiden, raten Experten zu regelmĂ€Ăigen Kontrolluntersuchungen ab dem Erwachsenenalter. So empfiehlt die US Preventive Services Task Force eine systematische Blutdruckmessung ab 18 Jahren. FĂŒr jĂŒngere Erwachsene im Alter von 18 bis 39 Jahren ohne zusĂ€tzliche Risikofaktoren wird ein Rhythmus von drei bis fĂŒnf Jahren empfohlen.
Ab einem Alter von 40 Jahren oder bei Vorliegen individueller Risikofaktoren sollte die Messung hingegen jÀhrlich erfolgen. Zudem wird geraten, mindestens einmal im Erwachsenenalter den Lp(a)-Wert bestimmen zu lassen.
Bei Messungen im hĂ€uslichen Umfeld liegen die Grenzwerte laut Fachgesellschaften meist leicht unter den in der Arztpraxis erhobenen Daten, da der sogenannte Praxiseffekt entfĂ€llt. Treten akute Warnzeichen wie plötzliche LĂ€hmungen, TaubheitsgefĂŒhle oder Sprachstörungen auf, mĂŒsse unverzĂŒglich der Rettungsdienst kontaktiert werden.
LebensstilÀnderungen und ergÀnzende Risikofaktoren
Neben der medikamentösen Einstellung bei manifester Hypertonie heben Mediziner die Bedeutung prĂ€ventiver MaĂnahmen hervor. Die Deutsche Hochdruckliga rĂ€t zur Senkung des GefĂ€Ărisikos zu einer gesunden ErnĂ€hrung, gezieltem Gewichtsabbau sowie regelmĂ€Ăigem körperlichen Training. Empfohlen werden mindestens drei Ausdauereinheiten pro Woche von jeweils 30 bis 45 Minuten Dauer, idealerweise ergĂ€nzt durch Krafttraining.
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DarĂŒber hinaus gewinnen digitale Hilfsmittel in der FrĂŒherkennung an Bedeutung. Die Deutsche Herzstiftung verweist darauf, dass moderne Smartwatches und Fitnesstracker mit Pulswellenmessung oder EKG-Funktion Vorhofflimmern mit hoher ZuverlĂ€ssigkeit detektieren können.
Da Herzrhythmusstörungen hĂ€ufig anfallsartig in Ruhephasen auftreten und bei einer Routineuntersuchung unentdeckt bleiben können, wird insbesondere Personen ab 65 Jahren oder mit bekanntem Bluthochdruck zu regelmĂ€Ăigen Pulskontrollen geraten. Die definitive Diagnose und Behandlungsstrategie obliegt dabei weiterhin der Ă€rztlichen AbklĂ€rung.
