Bluthochdruck-Leitlinien, ISH

Bluthochdruck-Leitlinien: ISH empfiehlt früheren Therapiebeginn nach drei Monaten

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die neuen Empfehlungen setzen auf standardisierte Heimmessungen, niedrigere Behandlungsziele und zusätzliche Optionen bei schwer kontrollierbarem Bluthochdruck.
Ein minimalistischer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit hellem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die International Society of Hypertension (ISH) hat am 24. Oktober 2026 in Dubai ihre überarbeiteten globalen Leitlinien für das Management von Bluthochdruck vorgestellt.

Das Regelwerk, publiziert im Journal of Hypertension und erarbeitet von 13 Autoren sowie 24 Experten aus 23 Ländern, markiert einen strategischen Wandel in der kardiovaskulären Versorgung: Die Fachgesellschaft setzt auf ein früheres therapeutisches Eingreifen, strengere Zielwerte und die breitere Etablierung moderner interventioneller und medikamentöser Verfahren.

Neue Klassifikationen und standardisierte Heimmessung

Eine zentrale Anpassung der Leitlinien betrifft die Risikostratifizierung unterhalb der diagnostischen Schwelle. Während der Grenzwert für die formelle Diagnose einer Hypertonie unverändert bei 140/90 mmHg verbleibt, wurde die bisherige Kategorie des hochnormalen Blutdrucks (130–139/85–89 mmHg aus dem Jahr 2020) neu gefasst. Sie wird nun als erhöhter Blutdruck („Elevated blood pressure“) für Werte von 130–139/80–89 mmHg definiert.

Im Rahmen des Konzepts der optimalen Versorgung („Optimal care“) rückt die standardisierte Heimblutdruckmessung zur primären Methode für Diagnostik und Verlaufskontrolle auf.

Zudem empfehlen die Autoren eine Beschleunigung der Therapiestufen: Sofern Lebensstiländerungen nach drei Monaten nicht den gewünschten Erfolg bringen, soll für die Mehrheit der betroffenen Patienten eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

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Der angestrebte Zielwert von unter 130/80 mmHg gilt nun breiter und schließt, unter individueller Abwägung, auch viele ältere Patienten ein. Um die weltweite Anwendung zu unterstützen, kündigte die ISH neben einem Implementierungsprogramm ab November 2026 auch die digitale Anwendung „ISH OnTheGo“ auf Basis künstlicher Intelligenz an.

Erweiterung um Aldosteronsynthase-Inhibitoren und renale Denervation

Die Leitlinien greifen zudem therapeutische Entwicklungen für therapierefraktäre Verläufe auf. Neu aufgenommen wurden Empfehlungen für Aldosteronsynthase-Inhibitoren sowie die renale Denervation an spezialisierten Expertenzentren.

Hintergrund dieser Ergänzungen ist die erhebliche Versorgungslücke: Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2025 leben weltweit rund 1,4 Milliarden Menschen mit Hypertonie. Zwar befinden sich etwa 630 Millionen Betroffene in Behandlung, doch bei 310 Millionen von ihnen bleibt der Blutdruck unkontrolliert.

Auf dem 37. Kongress GW-ICC 2026 wies Prof. Liu Zhijun vom Beijing Anzhen Hospital darauf hin, dass rund ein Viertel der Patienten mit unkontrolliertem Bluthochdruck erhöhte Aldosteronspiegel aufweist.

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Während das Hormon Gefäße, Herz und Nieren über den Mineralokortikoid- und den GPER-Signalweg schädigt, blockieren Inhibitoren der Aldosteronsynthase wie Baxdrostat das Enzym CYP11B2 und damit beide Pfade.

Herkömmliche Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten weisen oft Limitationen auf: Spironolacton führt mitunter zu antiandrogenen Nebenwirkungen, Eplerenon besitzt eine geringere Wirksamkeit und Finerenon zeigt eine begrenzte Blutdrucksenkung.

Datenlage zu interventionellen und medikamentösen Ansätzen

Die Evidenz für die erweiterten Strategien wird durch aktuelle Analysen gestützt. Eine Netzwerk-Metaanalyse, die 35 randomisierte kontrollierte Studien mit 8.648 Patienten und zwölf Therapieansätzen auswertete, belegte bei resistenter Hypertonie für Spironolacton eine Senkung des systolischen Praxisblutdrucks um 12,43 mmHg.

Die katheterbasierte radiofrequente renale Denervation, bei der Nervenbahnen der Nierenarterien verödet werden, erzielte eine Reduktion des systolischen Praxiswerts um 8,74 mmHg bei moderater Evidenz.

In direkten Vergleichen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen diesen Verfahren, weshalb Spironolacton, Aldosteronsynthase-Inhibitoren und die renale Denervation eine Priorisierung erfahren.

Zusätzliche Daten aus den Programmen SPYRAL und RADIANCE bestätigen für die Denervation eine anhaltende ambulante Drucksenkung von 5 bis 9 mmHg nach sechs Monaten. Gleichzeitig betonen klinische Auswertungen, dass derartige Kathetereingriffe an strenge Kriterien wie den Ausschluss von Nierenarterienstenosen gebunden bleiben und eine gesunde Lebensführung sowie die medikamentöse Basistherapie nicht ersetzen.

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