Bluthochdruck-Medikament: Nifedipin-Engpass bis Herbst 2026
27.05.2026 - 16:39:31 | boerse-global.deDas Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat fĂŒr das blutdrucksenkende Medikament Nifedipin 10 mg retard einen offiziellen, versorgungsrelevanten Engpass festgestellt. Um die Behandlung zu sichern, greifen die Behörden zu einer Notlösung: Importe auslĂ€ndischer Ware.
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Import aus Georgien als BrĂŒckenlösung
Die zustĂ€ndige Behörde hat dem Hersteller Denk Pharma eine befristete Ausnahmegenehmigung nach dem Arzneimittelgesetz erteilt. Seit dem 8. Mai 2026 darf das Unternehmen Nifedi-Denk 10 Retard in auslĂ€ndischer Verpackung auf dem deutschen Markt vertreiben â ursprĂŒnglich fĂŒr den georgischen Markt bestimmt. Die Genehmigung lĂ€uft am 30. September 2026 aus.
Ab dem 1. Juni 2026 wird das PrĂ€parat unter der Pharmazentralnummer (PZN) 20817625 im deutschen Apothekenbestand gefĂŒhrt. Wichtig fĂŒr Apotheker und Patienten: Die Ă€uĂere Verpackung und die Beipackzettel sind auf Englisch, Französisch und Portugiesisch. Die Tabletten selbst sind jedoch identisch zum deutschen Referenzprodukt â sie stammen aus derselben ProduktionsstĂ€tte und entsprechen denselben QualitĂ€tsstandards.
Bereits im April hatte das BfArM eine Ă€hnliche Regelung fĂŒr die höhere Dosierung von 20 mg getroffen. Diese Importgenehmigung gilt sogar bis April 2027. Seit Mitte Mai sind diese PrĂ€parate in deutschen Apotheken verfĂŒgbar.
Warum gerade die 10-mg-Dosis so wichtig ist
Der Engpass trifft eine besonders empfindliche Patientengruppe. Die 10-mg-Retardformulierung wird vor allem fĂŒr die schrittweise Dosisanpassung benötigt â etwa bei Patienten mit geringem Körpergewicht oder solchen, die empfindlich auf Kalziumantagonisten reagieren. Auch Menschen mit schweren Durchblutungsstörungen im Gehirn sind auf diese sanfte Blutdrucksenkung angewiesen.
Der Wirkmechanismus von Nifedipin ist gut erforscht: Es hemmt den Kalziumeinstrom in die glatten Muskelzellen der BlutgefĂ€Ăe. Die Retard-Formulierung gibt den Wirkstoff ĂŒber mehrere Stunden ab und sorgt so fĂŒr stabile Wirkstoffspiegel â anders als die kurz wirkenden PrĂ€parate, die zu abrupten Blutdruckschwankungen fĂŒhren können.
Europaweites Problem
Die LieferengpÀsse bei Nifedipin sind kein rein deutsches PhÀnomen. Eine Umfrage des EuropÀischen Krankenhausapotheker-Verbands (EAHP) aus dem Jahr 2025 zeigte, dass fast 89 Prozent der Krankenhausapotheker von erheblichen BeeintrÀchtigungen der Patientenversorgung durch MedikamentenengpÀsse berichteten.
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Neben dem 10-mg-PrÀparat sind auch andere Nifedipin-Produkte betroffen:
- Nifedipin AL T 20 retard (PackungsgröĂen 30, 50 und 100)
- Nifedipin Denk 20 mg retard (30 und 50)
- Nifedipin STADA uno 40 mg (100)
Selbst in Schottland griffen die Behörden zu NotmaĂnahmen. Dort erlieĂen sie Ende 2025 ein âSerious Shortage Protocol" fĂŒr bestimmte Nifedipin-Marken, das bis Anfang 2026 verlĂ€ngert wurde.
Was Apotheken und Patienten beachten mĂŒssen
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat am 26. Mai klare Handlungsempfehlungen gegeben. Da die Originalverpackung der Importware nicht auf Deutsch ist, sollen Apotheker Patienten die deutsche Version der Packungsbeilage aushĂ€ndigen â meist als elektronischer Link oder als gedruckter Beileger vom Hersteller.
Ărzte und Apotheker werden gebeten, Patienten wĂ€hrend der umstellung auf Importprodukte besonders im Blick zu behalten. Obwohl die Tabletten bioĂ€quivalent sind, kann die fremdsprachige Verpackung vor allem bei Ă€lteren Patienten zu Verwirrung fĂŒhren. VerdachtsfĂ€lle auf Nebenwirkungen oder QualitĂ€tsmĂ€ngel sollten ĂŒber die ĂŒblichen Meldewege an die AMK gemeldet werden.
Ausblick: Wann normalisiert sich die Lage?
Die aktuellen NotmaĂnahmen sind als temporĂ€re BrĂŒcke gedacht. Die VerlĂ€ngerung der Importgenehmigung bis Ende September deutet darauf hin, dass mit einer RĂŒckkehr zur normalen Versorgung frĂŒhestens im Herbst 2026 zu rechnen ist.
Die Ursachen sind strukturell: Die Konzentration der Wirkstoffproduktion auf wenige Standorte weltweit und logistische EngpĂ€sse machen die Lieferketten anfĂ€llig. BranchenverbĂ€nde fordern daher schon lĂ€nger robustere Strategien â etwa höhere Pflichtlager und die Diversifizierung der Produktionsstandorte. Bis diese strukturellen Ănderungen greifen, werden Patienten und Ărzte weiter auf die flexible Handhabung durch das BfArM und den schnellen Einsatz von Importen angewiesen sein.
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