Bluthochdruck: Renale Denervierung senkt Schlaganfallrisiko laut Studie um 82 Prozent
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie interventionelle Behandlung von Bluthochdruck gewinnt im klinischen Alltag zunehmend an Bedeutung. Am 13. Oktober 2026 wurden am Ospedale di Pordenone durch den Gesundheitsbetrieb Azienda sanitaria Friuli Occidentale (Asfo) die ersten zwei renalen Denervierungs-Eingriffe in der Region Friaul-Julisch Venetien komplikationslos durchgeführt.
Das Verfahren wurde durch Stefano Cortesi aus der interventionellen Hämodynamik unter Koordination von Andrea Pascotto sowie der Kardiologie unter Leitung von Daniela Pavan umgesetzt, während die Patientenselektion durch die Nephrologie erfolgte. Der Eingriff fand endovaskulär in tiefer Sedierung mittels Punktion der Femoralarterie und Einsatz eines Radiofrequenz-Ablationskatheters statt.
Nach Angaben der Asfo machen kardiovaskuläre Erkrankungen rund 50 Prozent der Todesfälle in Industrieländern aus. Patienten mit Blutdruckwerten von über 140/90 mm Hg tragen demnach ein um über 40 Prozent höheres Risiko für frühzeitigen Schlaganfall, Myokardinfarkt und Niereninsuffizienz als Responder.
Mechanismus und Effekte auf das Renin-System
Das Verfahren der renalen Denervation (RDN) zielt darauf ab, überaktive Nervenbahnen entlang der Nierenarterien zu veröden. Eine Untersuchung von Kang et al. im Fachjournal Hypertension Research dokumentierte bei 19 Patienten die Plasmarenin-Konzentration (PRC) vor sowie innerhalb von 24 Stunden nach einer Radiofrequenz-RDN mit dem Symplicity-Spyral-System.
Bei jedem Patienten sank die PRC; der Median verringerte sich von 57,0 auf 12,7 pg/mL, was einem durchschnittlichen Rückgang von 64 Prozent entspricht. Auch der Aldosteronspiegel ging deutlich zurück, wobei das Ausmaß des Renin-Abfalls mit der Anzahl der Ablationen assoziiert war.
Allerdings betonten die Autoren Limitationen: Renin unterliegt dem Einfluss von Natrium, Volumen sowie Begleitmedikamenten, und es zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der PRC-Reduktion und dem späteren Blutdruckabfall.
Wer sich mit der Behandlung von Bluthochdruck befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber ergänzende natürliche Ansätze zur Senkung der Werte. 8 natürliche Maßnahmen gegen Bluthochdruck jetzt entdecken
Eine im September 2026 veröffentlichte Studie der Universität Liverpool im Fachjournal Diabetes, Obesity and Metabolism untersuchte 1:1 gematchte Kohorten von jeweils 1.795 Patienten über einen Nachbeobachtungszeitraum von drei Jahren.
Im Vergleich zu einer vierfachen medikamentösen Therapie war die RDN mit einer Reduktion des Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) um 54 Prozent und für Schlaganfälle um 82 Prozent verbunden. Für Geräte nach 2016 lag die Hazard Ratio bezüglich chronischer Nierenerkrankungen bei 0,18 (95% CI 0,12–0,29).
Leitlinien und Stellenwert der Diagnostik
Die International Society of Hypertension (ISH) empfiehlt in ihren aktuellen Leitlinien zwei Versorgungsstufen: ein essenzielles Blutdruckziel von 140/90 mm Hg und ein optimales Ziel von unter 130/80 mm Hg. Die RDN wird darin für ausgewählte Fälle in Expertenzentren verortet. Zudem wird Non-Adhärenz als modifizierbarer Risikofaktor eingestuft.
Ein Expertenkonsens des American College of Cardiology (ACC) definiert therapieresistente Hypertonie als unkontrollierten Blutdruck ab 130/80 mm Hg trotz mindestens dreier Antihypertensiva inklusive eines Diuretikums oder als kontrollierten Druck unter mindestens vier Präparaten. Vor einer Diagnose muss eine Pseudoresistenz ausgeschlossen werden.
Hinter einer scheinbaren Therapieresistenz verbergen sich häufig spezifische endokrine Ursachen. Christian Koppelstätter, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, verweist darauf, dass fünf bis zehn Prozent aller Hochdruckpatienten und 20 bis 30 Prozent der Betroffenen mit therapieresistenter Hypertonie eine erhöhte Aldosteronproduktion aufweisen.
Kardiologen wie Gernot Pichler von der Klinik Floridsdorf in Wien weisen jedoch darauf hin, dass nur zwei Prozent der Betroffenen darauf getestet werden. Neue medikamentöse Ansätze wie der Aldosteronsynthase-Inhibitor Baxdrostat zeigten in der BrigHTN-Studie mit 275 Patienten in einer Dosis von 2 mg eine signifikante placebokorrigierte Senkung des systolischen Blutdrucks um 11 mmHg.
Eine präzise Einordnung der eigenen Werte ist die Basis jeder erfolgreichen Therapie gegen Bluthochdruck. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte besser zu verstehen und wichtige Vitalstoff-Parameter richtig zu deuten. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern
Grenzen und Begleitmaßnahmen
Klinische Zentren betonen übereinstimmend, dass die renale Denervierung eine Lebensstiländerung oder medikamentöse Basistherapie nicht vollständig ersetzt.
Vor dem minimalinvasiven Eingriff, bei dem das Infektionsrisiko durch die Kathetereinführung unter einem Prozent liegt, ist der Ausschluss sekundärer Hypertonieursachen, die genaue Prüfung der Nierenfunktion und Gefäßanatomie sowie ein Screening auf Begleiterkrankungen erforderlich. Anpassungen der Dauermedikation dürfen nach dem Eingriff nur unter kontinuierlicher ärztlicher Kontrolle erfolgen.
