Bluthochdruck, Ringmonitore

Bluthochdruck: Ringmonitore erstmals in Leitlinien aufgenommen

27.05.2026 - 08:30:19 | boerse-global.de

Erstmals integrieren Leitlinien einen blutdruckmessenden Ring. Der Wearable-Markt reagiert mit neuen Geräten, während Oberarmmanschetten Standard bleiben.

Bluthochdruck: Ringmonitore erstmals in Leitlinien aufgenommen - Foto: über boerse-global.de
Bluthochdruck: Ringmonitore erstmals in Leitlinien aufgenommen - Foto: über boerse-global.de

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, doch nun zeichnet sich eine technologische Wende ab. Erstmals haben medizinische Fachgesellschaften offiziell blutdruckmessende Ringe in ihre Behandlungsleitlinien aufgenommen. Der Markt für Wearables reagiert mit einer Welle neuer Geräte, die das Gesundheitsmonitoring revolutionieren könnten.

Klassiker bleiben die Messlatte

Wer zu Hause verlässliche Werte braucht, greift weiterhin zur Oberarmmanschette. Das zeigt ein aktueller Marktcheck vom 13. Mai 2026, bei dem insgesamt 86 Blutdruckmessgeräte unter die Lupe genommen wurden – 40 Handgelenk- und 46 Oberarmmodelle. Das Ergebnis bestätigt eine medizinische Binsenweisheit: Oberarmgeräte liefern die zuverlässigeren Messungen.

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Als Testsieger in dieser Kategorie setzte sich das Omron X3 Comfort durch. Bei den Handgelenkgeräten liegt das Sanitas SBC 22 vorn. Wer Wert auf moderne Konnektivität legt, findet im Withings BPM Vision einen smarten Begleiter mit nahtloser Smartphone-Anbindung. Für die Millionen Deutschen, die täglich ihren Blutdruck im Blick behalten müssen, bleiben diese traditionellen Geräte der Goldstandard.

Revolution am Finger: Der Ring als Arztersatz?

Ein Meilenstein zeichnet sich in Südkorea ab. Die dortige Hypertonie-Gesellschaft hat im Mai 2026 erstmals einen manschettenlosen Ringmonitor in ihre offiziellen Leitlinien aufgenommen. Das CART BP pro von Sky Labs misst den Blutdruck am Finger – mittels Photoplethysmographie (PPG) und künstlicher Intelligenz.

Die Technik erreicht den internationalen Standard ISO 81060-2:2018 mit einer mittleren Abweichung von unter 5 mmHg. Seit Juni 2024 wird das Gerät bereits vom südkoreanischen Gesundheitssystem erstattet. Über 250.000 Verschreibungen in 1.920 Kliniken belegen das wachsende Vertrauen in KI-gestützte, nicht-invasive Messmethoden. Ein Modell, das auch für Deutschland richtungsweisend sein könnte.

Smartwatches auf dem Vormarsch

Der Wearable-Markt reagiert auf die Hypertonie-Krise mit einer Flut neuer Gesundheitsfunktionen. Gleich mehrere Hersteller haben Ende Mai 2026 ihre neuesten Modelle vorgestellt.

Huawei bringt die Watch Fit 5 Pro für rund 299 Euro auf den Markt. Die Uhr erhielt in Tests die Note 2,2 („gut") und bietet ein CE-zertifiziertes EKG sowie eine Pulswellenanalyse zur Bestimmung der Arteriensteifigkeit. Besonders präzise sei die Herzfrequenzmessung beim Sport, so die Tester. Kleinere Lücken gibt es allerdings bei der kontinuierlichen Alltagsmessung.

Honor setzt mit der Watch 6 Plus auf extreme Ausdauer. Ein 1.000-mAh-Akku ermöglicht bis zu 35 Tage Laufzeit im Energiesparmodus. Die Uhr misst Puls und Sauerstoffsättigung, bietet aber keine medizinisch zertifizierte Blutdruckmessung – nur eine Risikobewertung. Der Verkaufsstart in China ist für den 29. Mai geplant, ein internationaler Termin steht noch aus.

Google erweitert derweil seine Fitbit-Reihe um den Fitbit Air – ein bildschirmloser Tracker für rund 90 bis 100 Euro. Mit einem Gewicht von nur 5 bis 12 Gramm fokussiert er aufs Wesentliche: Herzfrequenz und Vorhofflimmer-Erkennung. GPS und EKG fehlen. Dafür gibt es einen KI-gestützten Gesundheitscoach in der Google-Health-App – gegen monatliche Gebühr.

Genauigkeit trifft Bequemlichkeit

Der aktuelle Markt zeigt einen klaren Zielkonflikt: Wer klinisch genaue Werte braucht, kommt an der Oberarmmanschette nicht vorbei. Doch die Schere zwischen medizinischer Präzision und Alltagstauglichkeit schließt sich zusehends.

Die Garmin Venu 4 etwa liefert beim Laufen fast identische Herzfrequenzwerte wie ein professioneller Polar-H10-Brustgurt – die Abweichung beträgt maximal einen Schlag pro Minute. Auch die Vivoactive 5 überzeugt mit einer ausgewogenen Mischung aus Fitness-Tracking und Akkulaufzeit.

Künstliche Intelligenz spielt in allen neuen Geräten eine zentrale Rolle. Sie soll Rohdaten in verständliche Handlungsempfehlungen übersetzen. Kritiker warnen jedoch vor ungeklärten Rechtsfragen und Datenschutzrisiken bei den Nutzungsbedingungen dieser digitalen Gesundheitsplattformen.

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Ausblick: Manschettenlose Zukunft?

Der Weg ist vorgezeichnet: Die Aufnahme des Sky-Labs-Rings in offizielle Leitlinien dürfte als Blaupause für weitere Hersteller dienen. Der Markt für bildschirmlose Wearables wächst Forschern zufolge um rund 14,7 Prozent. Unternehmen wie Whoop streben bereits nach FDA-Zulassung für EKG- und Blutdruckfunktionen, der Oura Ring 4 bereitet sich auf eine große Expansion vor.

Für die 20 Millionen Betroffenen in Deutschland bedeutet das: Die Kombination aus klassischer Oberarmmessung für präzise Werte und Wearable für die kontinuierliche Beobachtung bleibt vorerst die beste Strategie. Doch die Ära des alltäglichen, manschettenlosen Monitorings hat begonnen.

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