Bluthochdruck, SchlaganfÀlle

Bluthochdruck: SchlaganfÀlle bei 20- bis 54-JÀhrigen steigen um 83 Prozent

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hypertonie erhöht das Risiko fĂŒr Schlaganfall und Demenz; regelmĂ€ĂŸige Blutdruckkontrollen und konsequente Behandlung sind zentral.

Bluthochdruck: Risiken, steigende SchlaganfĂ€lle bei JĂŒngeren und PrĂ€vention
Ein minimalistischer, leerer Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege bei gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein unbehandelter oder unzureichend eingestellter Bluthochdruck zieht schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich. Wie der Mediziner Christian KoppelstĂ€tter hervorhebt, steigert eine arterielle Hypertonie maßgeblich das Risiko fĂŒr Herzinfarkte, SchlaganfĂ€lle und Demenzerkrankungen.

KoppelstĂ€tter stuft Bluthochdruck zudem als den wichtigsten Risikofaktor fĂŒr einen Schlaganfall ein. Weltweit lassen sich nach seinen Angaben rund 17 Prozent aller TodesfĂ€lle auf erhöhten Blutdruck zurĂŒckfĂŒhren.

Hohe Dunkelziffer und mangelnde Einstellung

Die Erkrankung bleibt in der Praxis oft unbemerkt oder wird unzureichend therapiert. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland etwa 20 bis 30 Millionen Menschen mit Hypertonie, wÀhrend sich die weltweite Zahl der Betroffenen seit 1990 verdoppelt hat. Rund 20 Prozent der Betroffenen wissen Experten zufolge gar nichts von ihrer Erkrankung.

Eine österreichische Messaktion aus dem Jahr 2017 verdeutlichte diese Problematik: 40 Prozent der getesteten Personen waren zuvor unbekannte Hypertoniker. Gleichzeitig wiesen 60 Prozent der bereits diagnostizierten und therapierten Patienten Werte außerhalb des therapeutischen Zielbereichs auf.

Unbehandelter Bluthochdruck verursacht SchĂ€tzungen zufolge fast die HĂ€lfte aller SchlaganfĂ€lle und Herzinfarkte sowie rund ein Drittel der chronischen Nierenerkrankungen. Eine dauerhafte, unbehandelte Hypertonie verkĂŒrzt die Lebenserwartung eines 30-JĂ€hrigen im Vergleich zu normotonen Personen um fĂŒnf Jahre.

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Steigende Fallzahlen und Demenzrisiko nach vaskulÀren Ereignissen

Auch jĂŒngere Altersgruppen geraten zunehmend in den Fokus. Eine in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Erhebung zur Region Greater Cincinnati und Nord-Kentucky dokumentierte ĂŒber sechs ZeitrĂ€ume von 1993/94 bis 2020 insgesamt 2.076 erstmalige SchlaganfĂ€lle bei 20- bis 54-JĂ€hrigen.

In dieser Gruppe stieg die Inzidenzrate von 33,9 auf 62,2 FĂ€lle je 100.000 Personenjahre, was einem Zuwachs von rund 83 Prozent entspricht. Bei Ă€lteren Erwachsenen sank die Rate hingegen von 618,8 auf 453,0. Der Anstieg bei den JĂŒngeren betraf vor allem ischĂ€mische SchlaganfĂ€lle (Anstieg von 23,8 auf 47,3 je 100.000 Personenjahre).

Zeitgleich kletterte der Anteil von Bluthochdruck bei den jĂŒngeren Betroffenen von 47,3 Prozent auf 60,3 Prozent und jener von Diabetes von 19,1 Prozent auf 25,5 Prozent. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Resultate keinen weltweiten Trend abbilden und die Studie ohne Kontrollgruppe fĂŒr Risikofaktoren keine Kausalaussagen zulĂ€sst.

Eng verknĂŒpft mit vaskulĂ€ren SchĂ€den ist der kognitive Verfall. Eine weitere, zwei Jahrzehnte umfassende Untersuchung aus Ontario, ebenfalls im Fachjournal Neurology erschienen, begleitete 113.081 Menschen nach einer erstmaligen transitorischen ischĂ€mischen Attacke (TIA) im Durchschnittsalter von 70 Jahren.

Über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von sieben Jahren entwickelten 19 Prozent der TIA-Patienten eine Demenz. GegenĂŒber Personen ohne Schlaganfall oder TIA lag das Demenzrisiko damit um 34 Prozent höher, im ersten Jahr nach dem Ereignis sogar um 75 Prozent.

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PrĂ€vention und Empfehlungen fĂŒr den Alltag

Zur Vermeidung vaskulĂ€rer Folgeerkrankungen betonen Fachleute eine konsequente Überwachung. Hypertonie liegt bei Messwerten ab 140/90 mmHg in der Praxis oder ab 135/85 mmHg bei der Heimmessung vor, wĂ€hrend Werte unter 120/80 mmHg als optimal gelten.

Christian KoppelstĂ€tter rĂ€t bei hĂ€uslichen Messungen zu einem Mittelwert aus zwei Bestimmungen von höchstens 135/85 mmHg sowie zu strikter Therapietreue. FĂŒr die Heimmessung wird empfohlen, zunĂ€chst fĂŒnf Minuten ruhig zu sitzen, zwei Messungen im Abstand von einer Minute vorzunehmen und die Resultate ĂŒber sieben Tage zu protokollieren.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Gesundheit von Frauen: Nach EinschĂ€tzung der Deutschen Hochdruckliga steigt der Blutdruck bei mehr als der HĂ€lfte der Frauen rund um die Menopause deutlich an; in den ersten Jahren danach entwickeln ĂŒber 50 Prozent eine Hypertonie.

Frauen ab 45 Jahren wird daher mindestens eine jĂ€hrliche Kontrolle nahegelegt. Kardiologen verweisen neben medikamentösen Therapien auf Lebensstilfaktoren wie regelmĂ€ĂŸige Bewegung, ausgewogene ErnĂ€hrung, ausreichenden Schlaf und Stressreduktion.

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