Bluthochdruck und Nieren: NKF empfiehlt Urintest für alle Betroffenen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie National Kidney Foundation (NKF) hebt in einem KDOQI-Kommentar zur AHA/ACC-Blutdruckleitlinie 2025 die Bedeutung einer nierenorientierten Versorgung hervor. Wie aus Veröffentlichungen der Organisation hervorgeht, stehen dabei eine präzise Blutdruckmessung sowie frühzeitige Nierentests im Mittelpunkt einer individuellen Patientenversorgung.
Fachleute betonen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenleiden eng miteinander verknüpft sind, was ein abgestimmtes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen erfordert.
Diagnostische Lücken bei chronischen Nierenerkrankungen
Ein zentraler Punkt der fachlichen Empfehlungen betrifft die Früherkennung möglicher Organschäden. Der KDOQI-Kommentar empfiehlt einen uACR-Urintest für alle Patientinnen und Patienten mit Hypertonie. Allerdings besteht in der aktuellen Versorgungspraxis eine deutliche diagnostische Unterversorgung: Laut dem Kommentar erhalten bislang weniger als 10 % der Patienten mit alleiniger Hypertonie diesen Test.
Die epidemiologischen Hintergründe verdeutlichen die Tragweite dieser diagnostischen Lücke. Chronische Nierenerkrankungen (CKD) betreffen laut dem Kommentar der NKF 1 von 7 US-Erwachsenen. Von den Betroffenen wissen demnach 90 % nichts von ihrer Erkrankung. Zudem erhalten weniger als 20 % der Betroffenen kombinierte eGFR- und uACR-Tests, was eine rechtzeitige Feststellung und Intervention im klinischen Alltag erheblich erschwert.
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Zielwerte, Messtechnik und Risikobewertung
Hinsichtlich der therapeutischen Zielgrößen nennt der KDOQI-Kommentar einen Blutdruckzielwert von unter 130/80 mmHg in Verbindung mit einer individualisierten Therapie. Um verlässliche Ausgangswerte für therapeutische Entscheidungen zu gewährleisten, betont die Organisation methodische Standards bei der Erhebung.
Für die korrekte Blutdruckmessung seien insbesondere die passende Manschettengröße, die korrekte Positionierung des Patienten, ausreichende Ruhe vor der Messung sowie die Wiederholung der Messung entscheidend.
Darüber hinaus findet die Nierenfunktion zunehmend Eingang in moderne Risikomodelle. Der neue PREVENT-Risikorechner integriert die Nierenfunktion direkt in die Risikoeinstufung, was eine ganzheitlichere kardiovaskuläre Einschätzung ermöglicht.
Gleichzeitig weist der Kommentar der NKF darauf hin, dass bei fortgeschrittener Nierenerkrankung bislang nur eine begrenzte Evidenz für standardisierte Behandlungsansätze vorliegt, was maßgeschneiderte Entscheidungen im Einzelfall notwendig macht.
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Multidisziplinäre Zusammenarbeit in der Praxis
Um die Versorgungslücken zu schließen, empfiehlt die NKF ein koordiniertes Vorgehen mehrerer medizinischer Fachgruppen. Vorgesehen ist ein multidisziplinärer Ansatz, an dem Nephrologen, Kardiologen, Apotheker sowie Hausärzte beteiligt sind.
Neben der fachübergreifenden Abstimmung liegt ein besonderer Schwerpunkt auf einem gerechten Zugang zu diagnostischen Tests, insbesondere für ausgewiesene Risikogruppen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Folgeschäden frühzeitig erkannt und Behandlungsstrategien rechtzeitig an das individuelle Risikoprofil angepasst werden.
