Bluttest, RNA-Markern

Bluttest mit 34 RNA-Markern: Alzheimer fünf Jahre vorher erkannt

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 21:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Forscher identifizieren 34 zirkuläre RNAs, die Alzheimer fünf Jahre vor Ausbruch mit hoher Genauigkeit vorhersagen.

Alzheimer-Früherkennung: Neue RNA-Bluttests übertreffen Protein-Marker
Nahaufnahme eines Reagenzglases mit roter Flüssigkeit, umgeben von verschwommenen, leuchtenden RNA-Strängen und DNA-Helices. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Statt auf Protein-Marker setzt die Forschung auf stabile RNA-Moleküle – und übertrifft damit etablierte Verfahren deutlich.

34 circRNAs verraten das Risiko

Forscher der Washington University haben eine Signatur aus 34 zirkulären RNAs (circRNAs) identifiziert. Die Moleküle sind extrem stabil und spiegeln die aktuelle Hirnaktivität wider. In einer am 1. Juli in Nature Medicine veröffentlichten Studie mit über 1.200 Probanden sagten die Marker den Ausbruch von Alzheimer-Symptomen fünf Jahre im Voraus vorher.

Die statistische Genauigkeit (AUC-Wert) lag bei 0,870. Zum Vergleich: Der etablierte Protein-Marker pTau217 erreicht nur 0,676. Fachleute diskutieren sogar Vorhersagen über deutlich längere Zeiträume.

Erste Plattform kommt auf den Markt

Bereits einen Tag später brachte Circular Genomics die Plattform CircPATH auf den Markt. Die Technologie basiert auf der Validierung von rund 2.400 Individuen aus verschiedenen Studienkohorten. Der Clou: CircPATH nutzt Standard-PCR-Verfahren. Das vereinfacht die Integration in den klinischen Alltag enorm.

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Kombination steigert die Treffsicherheit

Protein-Biomarker wie pTau217 bleiben trotz der RNA-Fortschritte relevant. Bluttests erreichen damit aktuell über 90 Prozent Genauigkeit. Die Kombination beider Methoden liefert aber noch bessere Ergebnisse: circRNA-Marker plus pTau217 erzielten einen AUC-Wert von 0,967.

Auch andere RNA-Ansätze sind in der Pipeline. Forscher der Icahn School of Medicine at Mount Sinai veröffentlichten am 22. Juni in Nature Communications Ergebnisse zu RNA-Biomarkern in hirnabgeleiteten Nanopartikeln. Diese sogenannten SECmeres unterschieden zuverlässig zwischen Alzheimer-Patienten und gesunden Kontrollen.

Ein team des Seoul National University Bundang Hospital kombinierte genomische und transkriptomische Daten. Teilnehmer mit hohen kombinierten Risiko-Werten erkrankten bis zu 3,39-fach häufiger – ein deutlicher Fortschritt gegenüber reinen Gen-Tests.

Neue Therapien brauchen frühe Diagnosen

Die Diagnostik-Revolution kommt zur rechten Zeit. Seit Juni stehen in Deutschland die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab für geschätzt 120.000 Patienten bereit. Die neuen Medikamente wirken am besten in frühen Krankheitsstadien – genau dort, wo die RNA-Tests ansetzen.

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Die Fachkonferenz AAIC 2026 vom 12. bis 15. Juli in London zeigt die strategische Bedeutung: Roche präsentiert Langzeitdaten zu Trontinemab und Details zur Phase-III-Studie PrevenTRON, die sich der präklinischen Phase widmet. Biogen steht vor dem Übergang in Phase III für den Tau-Silencer Diranersen. Novo Nordisk liefert neue Daten zu Semaglutid bei neurodegenerativen Erkrankungen.

Großangelegte Analysen deuten zudem auf präventive Effekte von SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten hin. Die Validierung dieser Ansätze und die Standardisierung der PCR-basierten RNA-Tests sind die nächsten großen Schritte.

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