Bluttests, Fasten

Bluttests und Fasten: Blutzucker steigt um 10,8, Triglyzeride um 20,1 Prozent

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein flexibler Sensor erfasst zwei Zytokine im Schweiß; eine Großauswertung zeigt, welche Blutwerte kürzere Fastenzeiten beeinflussen.

Schweißsensoren und Bluttests: Neue Erkenntnisse zu Entzündungsmarkern
Ein minimalistischer Labortisch mit einer leeren Petrischale und wissenschaftlichen Glasgeräten in hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Diagnostik entwickelt sich sowohl bei innovativen Messmethoden als auch bei etablierten Laborstandards weiter. Während Forschende der Freien Universität Bozen an flexiblen Schweißsensoren arbeiten, um Entzündungsmarker künftig nicht-invasiv zu überwachen, untersuchte eine Studie des Seoul Asan Hospital die wissenschaftliche Basis traditioneller Vorbereitungsregeln bei Blutuntersuchungen. Beide Entwicklungen zeigen auf, wie biochemische Marker im Körper präziser und gezielter erfasst werden können.

Nicht-invasive Entzündungsüberwachung per Schweißsensor

Am Sensing Technologies Laboratory der Freien Universität Bozen unter der Leitung von Professorin Luisa Petti wurde ein flexibler Sensor entwickelt, der Entzündungsmarker direkt im Schweiß nachweisen kann. Das System erfasst gleichzeitig die beiden Zytokine Interleukin-6 (IL-6) und TNF-alpha. Veränderungen der Konzentration dieser Zytokine können mit Erkrankungen wie Sepsis, Krebs, COVID-19 oder Parkinson zusammenhängen.

Die technische Grundlage bildet eine Dissertation von Moritz Ploner, deren Projekt vom Medizintechnikunternehmen Empatica mitfinanziert wird. Der Sensor nutzt Kohlenstoffelektroden auf einem flexiblen Kunststoff-Trägermaterial, was laut der Universität Bozen eine kostengünstige und skalierbare Produktion ermöglicht.

Die Elektrodenoberflächen sind mit Goldnanopartikeln und Aptameren funktionalisiert. Ein integriertes Mikrofluidiksystem leitet den Schweiß von der Hautoberfläche zur Analyseeinheit. Um die Probenahme verlässlich zu gestalten, regt das Verfahren der Iontophorese über einen schwachen, nicht wahrnehmbaren Stromfluss die lokale Schweißbildung an.

Im Jahr 2024 gelang im Labor zunächst der Nachweis von IL-6 in künstlichem Schweiß im Bereich von 0,2–20 Pikogramm/ml bei geringer Kreuzreaktion mit TNF-alpha. Im Jahr 2026 wurde die Plattform mit realen Schweißproben von 20 Personen getestet.

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Beide Zytokine ließen sich bei unterschiedlichen pH-Werten sowie wechselnder ionischer Zusammensetzung nachweisen. Für diese Entwicklung erhielt das Projekt 2026 den ersten Preis in der Kategorie Naturwissenschaften beim Euregio Young Researcher Award der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

Als nächste Schritte plant das Forschungsteam die Integration von Sensor, Mikrofluidik und tragbarer Elektronik in ein handliches Gerät. Zudem soll die Plattform künftig weitere Biomarker wie Moleküle und Hormone erfassen.

Methodische Grenzen der Zytokinmessung im Schweiß

Trotz der Fortschritte bei der Sensorentwicklung ist der klinische Einsatz derzeit noch begrenzt. Eine systematische Übersichtsarbeit, die 13 Humanstudien zu C-reaktivem Protein (CRP), IL-6 und TNF-alpha auswertete, hält den Nachweis zwar für analytisch machbar.

Allerdings seien die bisherigen Untersuchungen klein und methodisch heterogen. Bei IL-6 zeigten sich lediglich moderate Zusammenhänge zwischen den Werten im Schweiß und jenen im Blut. Da zudem verlässliche Daten zur diagnostischen Aussagekraft fehlen, eignet sich die Methode derzeit noch nicht als Diagnoseinstrument für Sepsis oder Krebs.

Große Datenauswertung hinterfragt Nüchternheitsregeln bei Bluttests

Parallel zu neuen Sensortechnologien stehen auch bestehende Verfahren auf dem Prüfstand. Eine am 28. September 2026 im Fachjournal JAMA Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung des Seoul Asan Hospital analysierte 9.755.547 Laborergebnisse von 101.148 Patienten über 121 verschiedene Bluttests hinweg. Hintergrund war die gängige Praxis, vor Blutentnahmen mindestens acht Stunden lang zu fasten.

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Die Auswertung zeigte differenzierte Ergebnisse: Bei einer Nüchternzeit von unter acht Stunden stiegen im Vergleich zu längeren Fastenzeiten der Blutzucker durchschnittlich um 10,8 Prozent, Triglyzeride um 20,1 Prozent, Lipase um 36,4 Prozent und das Leberenzym Gamma-Glutamyltransferase (G-GTP) um 14,8 Prozent.

Dagegen blieben allgemeine Blutbilder, Elektrolyte, Nierenfunktionswerte, die Mehrheit der Leberenzyme sowie Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin weitgehend unbeeinflusst.

Zwischen acht und zwölf Stunden Nüchternheit erwiesen sich die Werte weitgehend als vergleichbar. Über die Schwelle von zwölf Stunden hinaus traten bei den untersuchten Parametern keine weiteren statistisch bedeutsamen Unterschiede auf. Für routinemäßige Kontrolluntersuchungen stufen die Forschenden des Seoul Asan Hospital eine Nüchternzeit von acht Stunden jedoch weiterhin als sinnvoll ein.

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