Blutuntersuchung, Stunden

Blutuntersuchung: 8 bis 12 Stunden Fasten sind oft nicht zwingend nötig

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei den meisten untersuchten Laborwerten waren die Unterschiede zwischen nüchternen und nicht nüchternen Proben gering.
Ein klinisches Labor mit leeren Reagenzgläsern und medizinischen Geräten in hellem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die traditionelle Vorgabe, vor einer Blutuntersuchung über viele Stunden auf Nahrung zu verzichten, steht zunehmend auf dem Prüfstand der klinischen Forschung. Eine im Fachjournal JAMA Internal Medicine vorgestellte Untersuchung legt nahe, dass eine routinemäßige Nüchternphase von 8 bis 12 Stunden für die Mehrheit der gängigen Laboranalysen nicht zwingend erforderlich ist.

Die Auswertung basiert auf 9.755.547 Testergebnissen von 101.148 Erwachsenen, die zwischen Februar 2021 und Dezember 2023 in einem 670-Betten-Universitätskrankenhaus in der Nähe von Seoul erhoben wurden.

Begrenzte Abweichungen bei den meisten Parametern

Von den insgesamt 121 in der Studie untersuchten Laborwerten wiesen lediglich 27 Parameter Unterschiede auf, die über der definierten Fehlertoleranz lagen. Wurden die Messungen bei derselben Person verglichen, reduzierte sich diese Zahl sogar auf 10 Werte.

Betrug die Nüchternzeit weniger als 8 Stunden, zeigten sich vor allem bei drei Werten deutliche Veränderungen: Der Blutzucker lag um 10,8 Prozent höher, die Triglyceride stiegen um 20,1 Prozent und die Lipase um 36,4 Prozent.

Dagegen zeigten grundlegende Profile wie das Blutbild, die Nierenfunktion, die Elektrolyte sowie die meisten Leberenzyme kaum messbare Differenzen zwischen nüchternen und nicht-nüchternen Proben. Zwischen einer Fastendauer von 8 bis 12 Stunden und Zeiträumen von mehr als 12 Stunden stellten die Autoren zudem keine klinisch relevanten Unterschiede fest.

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Ein übermäßig langes Fasten bringe keinen diagnostischen Vorteil, sondern bedeute für die Patienten eine unnötige Belastung. Die beteiligten Forscher plädieren daher dafür, starre Pauschalvorgaben durch testabhängige Fastenzeiten für spezifische Parameter abzulösen. Allerdings merken die Autoren einschränkend an, dass es sich um eine Beobachtungsstudie an einem einzelnen Krankenhaus handelt.

Bestehende Leitlinien und gezielte Vorgaben

Die neuen Befunde stehen im Kontrast zu etablierten Richtlinien. So definiert die Leitlinie WS/T661—2020 zur venösen Blutentnahme für nüchternpflichtige Untersuchungen eine Mindestfastenzeit von 8 Stunden, betrachtet 12 bis 14 Stunden als optimal und setzt die Obergrenze bei maximal 16 Stunden an. Dies betrifft neben Blutzucker und Blutfetten traditionell auch die Leber- und Nierenwerte. Dagegen erfordern das Blutbild, Blutgruppenbestimmungen und Antikörper-Screenings laut derselben Leitlinie ohnehin kein strenges Fasten.

Die Leitlinie empfiehlt üblicherweise, ab 20 Uhr des Vortags keine feste Nahrung mehr aufzunehmen und die Blutentnahme im Zeitfenster von 7 bis 9 Uhr morgens durchzuführen. Während dieser Phase sind bis zu 200 ml Wasser gestattet, während Milch-, zuckerhaltige Getränke oder Kaffee vermieden werden müssen.

Diabetiker sollten Fastenzeiten keinesfalls eigenmächtig verlängern, da akute Hypoglykämiegefahren drohen. Ein Fasten von über 16 Stunden kann zudem Messergebnisse verfälschen, indem es zu schwankendem Blutzucker und fälschlich erhöhten Triglyceriden führt. Fettreiches Essen oder entsprechende Abendmahlzeiten können die Blutfettwerte sogar bis zu 3 Tage beeinflussen.

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Ausnahmen bei spezialisierter Diagnostik

Bei spezifischen Funktionstests bleiben zeitliche Vorgaben weiterhin relevant. Für die Bestimmung des C-Peptids sind standardisiert 8 Stunden Fasten empfohlen, wobei in der Praxis Spannen von 8 bis 10 Stunden üblich sind.

Manche Anbieter verlangen 12 Stunden und für reine Basalwerte 14 bis 16 Stunden. Als Alternative existiert der randomisierte Nicht-Nüchtern-Test (rCP), der 1 bis 5 Stunden nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit erfolgt.

Der Normalbereich liegt hierbei laut Angaben labor- und methodenabhängig zwischen 0,26 und 1,27 nmol/L. Dennoch unterstreichen die aktuellen Erhebungen, dass die pauschale Nüchternheit vor jeder Blutabnahme aus medizinischer Sicht differenzierter gehandhabt werden kann.

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