BMW in Leipzig: Humanoider Roboter AEON testet Arbeit in der Produktion
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Automobilhersteller BMW testet im Werk Leipzig den humanoiden Roboter AEON im Fertigungsumfeld. Wie aus Branchenberichten hervorgeht, markiert das Vorhaben den ersten Einsatz eines humanoiden Roboters in der industriellen Produktion in Deutschland.
Das Unternehmen verbindet mit dem Vorhaben in Leipzig das Konzept der „Physical AI“, also die direkte Kopplung fortschrittlicher künstlicher Intelligenz mit physischen Maschinen. Als Erfahrungsgrundlage für das aktuelle Vorhaben dient ein entsprechendes Pilotprojekt, das der Konzern im Vorjahr in seinem US-Werk Spartanburg durchgeführt hatte.
Einsatzprofil und technische Merkmale des AEON
Der humanoide Roboter AEON verfügt über eine Körpergröße von 1,65 m sowie ein Gewicht von 60 kg. Zur Fortbewegung nutzt die Maschine ein Rollsystem, mit dem sie Geschwindigkeiten von bis zu 2,5 m/s erreicht.
Im Leipziger Produktionsablauf übernimmt AEON vor allem monotone Handgriffe sowie logistische Aufgaben im internen Materialtransport. Ziel des Vorhabens ist es nach Unternehmensangaben, die menschlichen Mitarbeiter bei ergonomisch belastenden oder wiederkehrenden Arbeitsabläufen zu entlasten, anstatt bestehende Arbeitsplätze zu ersetzen.
Humanoide Systeme im Automobilbau gewinnen an Dynamik
Parallel zu den Entwicklungen bei BMW erforschen auch andere deutsche Hersteller den Nutzen menschenähnlicher Roboter. So erprobt Audi im Ingolstadt Production Lab mobile, zweiarmige Humanoide des Anbieters Agile Robots unter der Modellbezeichnung „Agile One“. Die menschengroßen Einheiten auf Rädern entnehmen Bauteile aus Behältern und sequenzieren diese für die anschließende Endmontage.
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Nach Unternehmensangaben umfasst die Teile-Sequenzierung am Standort Ingolstadt täglich rund 1 Mio. Picks. Gerd Walker, Vorstand für Produktion und Logistik bei Audi, betonte in diesem Zusammenhang, dass dieser Sequenzierungsprozess seit Jahrzehnten kaum automatisierbar gewesen sei und die Roboter rein zur Entlastung bei repetitiven Arbeitsaufgaben gedacht seien.
Der Testlauf bei Audi befindet sich derzeit in einer Erprobungsphase, wobei Kennzahlen wie die genaue Roboteranzahl, Pick-Raten, Fehlerraten, Kosten oder ein fester Zeitplan für einen Rollout nicht bekannt gegeben wurden.
Vorgeschaltet war eine virtuelle Simulation im DELMIA-Virtual-Twin auf Basis von NVIDIA Omniverse, um Taktzeiten, Arbeitssicherheit und Ergonomie abzusichern; das Proof of Concept war am 21. Oktober 2026 auf der NVIDIA GTC Berlin vorgestellt worden.
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Der Entwickler Agile Robots verweist in diesem Kontext auf mehr als 3.500 Mitarbeiter, über 20.000 installierte Robotiklösungen und ein Portfolio von mehr als 650 Patenten.
Industrielle Verbreitung und Sicherheitsvorgaben
Neben den großen Automobilkonzernen treiben auch mittelständische Industrie- und Zulieferbetriebe, beispielsweise im Großraum Stuttgart, die Implementierung kollaborativer Robotik voran, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Präzision in der Teilefertigung zu stabilisieren.
Um kleineren und mittleren Fertigungsbetrieben die Integration von Robotik und industrieller KI zu erleichtern, rief die Fraunhofer-Gesellschaft zudem ein bundesweites Unterstützungsprogramm ins Leben.
Bei der praktischen Implementierung kollaborativer Systeme in menschlichen Arbeitsbereichen sind strenge Sicherheitsnormen maßgeblich. Neben den Standards EN ISO 10218-1:2011 und EN ISO 10218-2:2011 sowie der Spezifikation ISO/TS 15066 stehen vier definierte Risikominderungsmaßnahmen im Fokus: ein sicherheitsgerichteter Halt, Handführung, Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung sowie eine Begrenzung von Kraft und Leistung.
Die eingesetzte Steuerungstechnik muss dabei mindestens das Sicherheitsniveau PLd/Kategorie 3 gemäß EN ISO 13849 oder SIL 2/HFT 1 gemäß EN 62061 gewährleisten, flankiert von einer obligatorischen Risikobeurteilung vor Inbetriebnahme.
