BMW-Sicherheit, KI-Systeme

BMW-Sicherheit: KI-Systeme verhindern Unfälle in 0,1 Sekunden

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BMW integriert neue Assistenzfunktionen in künftige Modelle: Sensorfusion, aktive Türsicherung und Ausweichlenkung sollen Unfälle reduzieren.

BMW: KI-Sicherheit kombiniert Bremsen und Ausweichen
Nahaufnahme einer hochmodernen Sensor-Einheit an einer Fahrzeugfront in einem technischen Prüfzentrum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle technische Analyse hat neue Details zur Sicherheitsstrategie von BMW bei der Kollisionsvermeidung veröffentlicht. Im Zentrum der Entwicklung stehen sogenannte End-to-End-KI-Modelle und eine umfassende Multi-Sensor-Fusion, die es Fahrzeugen ermöglichen, in kritischen Situationen gleichzeitig zu bremsen und auszuweichen. Diese technologische Kopplung zielt darauf ab, Unfälle auch dann zu verhindern, wenn der reine Bremsweg nicht mehr ausreicht.

Technologische Basis und Reaktionszeiten

Das als Automatic Emergency Steering (AES) bezeichnete System stützt sich auf die Datenverarbeitung von Kameras, Radar und Lidar. Durch die Integration dieser Sensoren in einer Multi-Sensor-Fusion und die Steuerung über KI-Modelle erreicht die Technik eine Reaktionszeit von 0,1 Sekunden.

Nach Herstellerangaben entspricht diese Zeitspanne einem Bremsweg von etwa 3 bis 4 Metern, was in Gefahrensituationen den entscheidenden Unterschied ausmachen kann.

In der praktischen Anwendung wird das System eng mit dem Notbremsassistenten (AEB) koordiniert. Dabei genießt die automatische Vollbremsung grundsätzlich Priorität. Erst wenn das System erkennt, dass der verfügbare Platz für ein reines Bremsmanöver unzureichend ist, greift die Ausweichlenkung ein.

Branchenbeobachter verweisen in diesem Zusammenhang auf ähnliche Systeme bei NIO, die in einem Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 150 km/h aktiv sind und fünf spezifische Szenarien abdecken.

Sicherheitsfunktionen der Neuen Klasse

Mit der Einführung der sogenannten Neuen Klasse, die mit dem BMW iX3 debütiert, wird der Münchner Automobilhersteller erweiterte Sicherheitsfunktionen serienmäßig integrieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer. So verfügt der kommende iX3 über eine aktive Türverzögerung als Standardausrüstung. Ein Seitenradar erkennt herannahende Radfahrer und verhindert das Öffnen der Tür, bis die Gefahr vorüber ist.

Hintergrund dieser Entwicklung sind unter anderem Unfallstatistiken aus Metropolen wie Berlin, wo im Jahr 2024 insgesamt 392 sogenannte Dooring-Unfälle registriert wurden. Dies entsprach 8 % aller Fahrradunfälle in der Stadt.

Anzeige

BMW setzt in der Neuen Klasse auf KI-Systeme, die in 0,1 Sekunden reagieren – und damit Unfälle verhindern können, bevor sie passieren. Erfahren Sie, welche Sicherheitsfunktionen serienmäßig kommen und wie Sie sich als Autofahrer optimal schützen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Zusätzlich zur Türüberwachung umfasst das Paket der neuen Modellgeneration einen Notbremsassistenten mit Ausweichlenkung, der explizit auch auf Tiere reagiert. Eine aktive Park-Distance-Control mit Seitenbremsung sowie eine Startüberwachung sollen zudem Kollisionen durch Pedalverwechslungen verhindern, wobei das System bei Abständen unter einem Meter und Geschwindigkeiten bis 2 km/h eingreift.

Datenanalyse und Rechenleistung

Die Relevanz aktiver Sicherheitssysteme belegen aktuelle Zahlen aus dem europäischen Markt. Im vergangenen Monat wurden bei BMW-Fahrzeugen in Europa 243.977 aktive Lenk- und Brems-Eingriffe verzeichnet. Diese erfolgten auf einer Gesamtfahrleistung von 1,6 Milliarden Kilometern, wobei das System insgesamt 8 Millionen Warnungen ausgab.

Um diese Datenmengen in Echtzeit verarbeiten zu können, setzt BMW auf einen neuen Zentralcomputer, der intern als Superbrain bezeichnet wird. Dieser wassergekühlte Rechner verfügt über eine zwanzigfach höhere Rechenleistung als bisherige Systeme.

Das Unternehmen strebt für die neuen Modelle, zu denen nach dem iX3 auch der i3 sowie neue Versionen des X5 und des 7ers gehören sollen, eine Bewertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Test für das Jahr 2026 an.

Ein weiterer Bestandteil der Philosophie ist der sogenannte Symbiotic Drive. Das System versucht, die Absicht des Fahrers durch die Analyse des Lenkinputs, der Blickrichtung und des Schulterblicks zu interpretieren, um nur bei tatsächlichem Bedarf einzugreifen. Kritiker verweisen jedoch auf noch ungeklärte Haftungsfragen bei Unfällen, da sich die Systeme teilweise nicht deaktivieren lassen.

Regulatorik und wirtschaftliche Auswirkungen

Anzeige

Dooring-Unfälle sind in Städten wie Berlin ein ernstes Problem – 392 Fälle allein 2024. Die neue aktive Türverzögerung von BMW soll das verhindern. Unser Leitfaden erklärt, wie diese Technik funktioniert und was sie für Ihre Sicherheit bedeutet. Sicherheits-Leitfaden jetzt sichern

Auch auf regulatorischer Ebene gibt es Neuerungen. Am 25. August 2026 erfolgte eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes mit einem neuen Kapitel zu autonomen Fahrzeugen. Zudem wurde der nationale Standard GB 44721-2026 veröffentlicht, der ab dem 1. Juli 2027 Gültigkeit erlangen wird.

Analysen des IIHS zeigen unterdessen ein differenziertes Bild zur Wirtschaftlichkeit von Crash-Vermeidungssystemen. Während die Kollisions-Häufigkeit um 10 % und die Haftpflicht-Häufigkeit um 40 % sanken, stieg die Schadensschwere bei dennoch eintretenden Kollisionen um 10 %. Dies ist vor allem auf die seit 2020 um 40 % gestiegenen Reparaturkosten zurückzuführen. Insgesamt führen die Systeme jedoch zu einer Senkung der Gesamtverluste um 5 % bei Kollisionsschäden und um 30 % bei Haftpflichtfällen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70018858 |