Bodenbeschaffenheit, BodenqualitÀt

Bodenbeschaffenheit: Wie BodenqualitÀt das Darmmikrobiom prÀgt

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen Verbindungen zwischen Bodenmikroben, ErnĂ€hrungsqualitĂ€t und Gesundheit sowie neue AnsĂ€tze fĂŒr BiodiversitĂ€t und Klimaschutz.

Boden, ErnĂ€hrung und Mikrobiom: Neue Forschung verbindet Ökosysteme
Nahaufnahme von fruchtbarem, dunklem Boden mit organischer Struktur und kleinen Erdschollen bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Analysen und Fachsymposien verdeutlichen zunehmend die biologischen Parallelen zwischen der Beschaffenheit des Bodens und der Gesundheit des menschlichen Mikrobioms. Im Rahmen des Symposiums „Boden und Darm im Zusammenhang“ in Wien wies der Arzt und Biologe Martin Grassberger auf die zentralen Gemeinsamkeiten dieser beiden Systeme hin.

Mikroorganismen agieren demnach sowohl in der Erde als auch im menschlichen Verdauungstrakt in komplexen Netzwerken, die grundlegende Funktionen fĂŒr die VitalitĂ€t des jeweiligen TrĂ€gers ĂŒbernehmen.

Die biologische Basis in Boden und ErnÀhrung

Die Bedeutung des Bodens fĂŒr die menschliche Versorgung wird durch aktuelle Publikationen untermauert. In seinem Werk „Die Welt unter unseren FĂŒĂŸen“ legt Frank Ashwood dar, dass rund 95 % der globalen Lebensmittel direkt vom Boden abhĂ€ngen.

Ein einzelner Teelöffel gesunder Erde kann bis zu 6 Milliarden Mikroorganismen beherbergen. Dennoch sind laut Angaben der Vereinten Nationen bereits 40 % der Böden weltweit geschÀdigt, wobei insbesondere Grasland als gefÀhrdet gilt.

Um die QualitĂ€t der Böden und deren Zersetzungsprozesse besser zu verstehen, untersuchten Forscher der UniversitĂ€t ZĂŒrich und von Agroscope in einer großangelegten Studie aus dem Jahr 2021 die Bodenbeschaffenheit in der Schweiz. Dabei vergruben rund 1.000 BĂŒrger insgesamt 2.000 Baumwollunterhosen und 12.000 Teebeutel.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Plants, People, Planet“ veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Zersetzung in privaten GĂ€rten am schnellsten voranschritt und die Art der Landnutzung der entscheidende Faktor fĂŒr die biologische AktivitĂ€t war.

Einfluss der Landwirtschaft auf die NÀhrstoffqualitÀt

Untersuchungen der Lincoln University in Neuseeland zeigen auf, wie diversifizierte Weidesysteme die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln beeinflussen. Durch eine funktionelle Vielfalt in der Weidehaltung verbesserten sich nicht nur die Tiergesundheit, sondern auch die NĂ€hrstoffprofile von Milch sowie Rind-, Lamm- und Hirschfleisch.

Bei Hirschen wurde ein 27-facher Anstieg antioxidativer Eigenschaften sowie ein 59-facher Anstieg bei Metaboliten zur Stressregulation gemessen. Zudem sanken die Stickstoffverluste bei Schafen um 30 % und bei MilchkĂŒhen um 42 %. Erste Studien am Menschen deuteten zudem auf positive Effekte dieser Produkte auf Stoffwechselmarker hin.

Parallel dazu untersuchte die UniversitĂ€t Hohenheim den BiodiversitĂ€ts-Fußabdruck der universitĂ€ren Verpflegung. Eine in „Communications Sustainability“ veröffentlichte Analyse der Mensa ergab, dass lediglich 10 Rohstoffe fĂŒr 85 % des gesamten Fußabdrucks verantwortlich sind.

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Als Haupttreiber wurden tierische Produkte sowie tropische Rohstoffe wie Kaffee, Kakao und Palmöl identifiziert, da deren Anbaugebiete eine besonders hohe BiodiversitĂ€t aufweisen. Die Herkunft der Lebensmittel erwies sich dabei als maßgebliches Kriterium fĂŒr die ökologische Bilanz.

Gesundheitliche Auswirkungen und mikrobielle Prozesse

Der Zusammenhang zwischen ErnĂ€hrung und EntzĂŒndungsprozessen war Gegenstand von FachbeitrĂ€gen auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Innere Medizin. Professor Bischoff von der UniversitĂ€t Hohenheim verwies auf Studien, nach denen eine mediterrane ErnĂ€hrung das kardiovaskulĂ€re Risiko senken könne.

Eine dreiwöchige „Restore-DiĂ€t“ fĂŒhrte demnach zu einer Erhöhung kurzkettiger FettsĂ€uren (SCFA) und einer Senkung von EntzĂŒndungswerten. Ähnlich entzĂŒndungshemmende Wirkungen zeigten sich bei einer ein- bis zweiwöchigen „African Heritage Diet“, wie eine im Jahr 2025 in „Nature Medicine“ erschienene Untersuchung belegt.

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Auch im Bereich der Grundlagenforschung zu Mikroorganismen gibt es neue Befunde. Forscher der UniversitĂ€t Konstanz entdeckten in Bodenbakterien das Enzym LCPH1, welches in der Lage ist, sowohl den Biokunststoff LCAP als auch Penicillin-Antibiotika zu spalten. Die Struktur des Enzyms weist Ähnlichkeiten mit Beta-Lactamasen auf.

ErgĂ€nzend dazu fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Bremen heraus, dass auch marine Lebewesen und Landtiere wie der Regenwurm ĂŒber Enzyme verfĂŒgen, die natĂŒrliche Polyester (PHA) abbauen können. Insgesamt wurden 195 solcher Enzyme in 66 Tierarten identifiziert.

Ökologische Rahmenbedingungen und Bodenmanagement

Die StabilitĂ€t von Ökosystemen hĂ€ngt maßgeblich von klimatischen Bedingungen ab. Eine internationale Moor-Studie unter Beteiligung der UniversitĂ€t MĂŒnster, veröffentlicht in „Nature Communications“, zeigt, dass tiefe WasserstĂ€nde bei steigenden Temperaturen die CO2-Emissionen massiv verstĂ€rken.

Ein höherer Wasserstand, etwa 20 cm unter der OberflÀche, könne diesen Effekt hingegen reduzieren. Die Forscher betonten die wachsende Bedeutung der WiedervernÀssung von Mooren zum Klimaschutz.

FĂŒr die landwirtschaftliche Praxis werden zudem neue Methoden zur Stickstoffoptimierung geprĂŒft. Die LfL Agrarökologie in Freising testete im Öko-Landessortenversuch mit Wintertriticale verschiedene Biostimulanzien. Diese enthalten stickstoffbindende Bakterien wie Azotobacter und versprechen eine Bindung von 30-40 kg Stickstoff pro Hektar, was die AbhĂ€ngigkeit von externen DĂŒngemitteln verringern könnte.

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