Bolotana, Sardinien

Bolotana auf Sardinien: 13,8 Prozent der 70-jÀhrigen Frauen erreichen 100

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 10:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eurostat-Daten zeigen große regionale AbstĂ€nde; Forschung und Gesundheitsexperten betonen Lebensstil und PrĂ€vention statt unbewiesener Longevity-Mittel.

Lebenserwartung in Europa: Regionale Unterschiede und Wege zu mehr gesunden Jahren
Sonnige, bergige Landschaft auf Sardinien mit alten Steinterrassen und OlivenbÀumen in der goldenen Abendsonne. Illustration mit AI erstellt.

Die Lebenserwartung in Europa weist erhebliche regionale Unterschiede auf. WĂ€hrend Teile der EuropĂ€ischen Union Spitzenwerte bei der Lebensdauer erreichen, hinken andere Regionen deutlich hinterher. Zugleich rĂŒcken Erkenntnisse der Longevity-Forschung und der Einfluss von ErnĂ€hrung, Bewegung und PrĂ€vention zunehmend in den Mittelpunkt wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Debatten.

Deutliche KlĂŒfte zwischen den europĂ€ischen Regionen

Nach Daten der Statistikbehörde Eurostat fĂŒr das Jahr 2024 lag die durchschnittliche Lebenserwartung in der EuropĂ€ischen Union bei 81,5 Jahren, was einem Zuwachs von 0,1 Jahren gegenĂŒber dem Vorjahr entspricht.

Hinter diesem Gesamtwert verbergen sich jedoch ausgeprÀgte regionale Unterschiede. Den höchsten Wert verzeichnete die spanische Region Comunidad de Madrid mit 85,7 Jahren, wÀhrend das bulgarische Severozapaden mit 73,9 Jahren den niedrigsten Wert aufwies.

Zudem bestehen deutliche Differenzen zwischen den Geschlechtern. Laut Eurostat lebten Frauen in der EU im Jahr 2024 im Schnitt 5,2 Jahre lÀnger als MÀnner. WÀhrend diese Geschlechterkluft in Lettland fast zehn Jahre betrug, fiel sie in den Niederlanden, in Schweden und in Irland am geringsten aus.

Auch östliche EU-Staaten wie Polen fallen bei der Lebenserwartung und den gesunden Lebensjahren hinter Westeuropa zurĂŒck. Laut dem Gesundheitsexperten Robert Mordaka gehen in Polen rund 60 Prozent der TodesfĂ€lle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zurĂŒck.

Fallbeispiel Bolotana: ErnÀhrung und Bewegung im Bergdorf

Welche Faktoren ein langes Leben begĂŒnstigen, untersuchte die University of Illinois Chicago im Zeitraum von 2021 bis 2025 am Beispiel des sardischen Bergdorfs Bolotana in der Provinz Nuoro. Der Ort gilt als neuer Longevity-Hotspot. FĂŒr die GeburtsjahrgĂ€nge 1900 bis 1925 wurden dort 38 bestĂ€tigte HundertjĂ€hrige dokumentiert. Mitautor S. Jay Olshansky bezeichnete Bolotana als möglicherweise Ă€lteste weibliche Bevölkerung der Welt.

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Die verbleibende Lebenserwartung von 70-JĂ€hrigen lag dort bei 16 Jahren fĂŒr MĂ€nner und fast 21 Jahren fĂŒr Frauen. Demnach betrĂ€gt die Wahrscheinlichkeit, dass 70-jĂ€hrige Frauen in Bolotana das 100. Lebensjahr erreichen, 13,8 Prozent, bei MĂ€nnern 4,9 Prozent.

Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 5,1 Prozent der 70-jĂ€hrigen Frauen, in Italien bei 3,5 Prozent und in den USA bei 3,6 Prozent. Als mitverantwortliche Faktoren gelten neben der Genetik vor allem die Lebensweise, darunter der Konsum von lokalem Olivenöl, die tĂ€gliche Bewegung auf den steilen Straßen des Ortes sowie enge familiĂ€re Bindungen.

PrÀvention statt Nachsorge im Gesundheitssystem

Trotz hoher Ausgaben gelingt es vielen Staaten nicht automatisch, mehr gesunde Lebensjahre zu sichern. Das Digitalwerk der AOK Baden-WĂŒrttemberg und der Bosch Health Campus kritisierten auf einem Parlamentarischen Abend in Berlin, dass Deutschland jĂ€hrlich rund 500 Milliarden Euro in sein System investiert, bei den gesunden Lebensjahren aber unter dem europĂ€ischen Schnitt bleibt.

In einem Positionspapier forderten die Organisationen, den Erfolg kĂŒnftig an gesunden Lebensjahren zu messen. Mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland wiesen Studien zufolge eine problematische oder inadĂ€quate Gesundheitskompetenz auf. Auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann forderte auf dem BILD-Vorsorgegipfel einen Mindsetwechsel.

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WĂ€hrend Polen laut Berichten nicht einmal 2 Prozent seines Gesundheitsbudgets fĂŒr PrĂ€vention aufwendet, liegt der EU-Durchschnitt bei rund 6 Prozent. Dabei kann Adipositas Studien zufolge die Lebenserwartung um bis zu rund 15 Jahre verkĂŒrzen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate körperliche AktivitĂ€t pro Woche.

Skepsis gegenĂŒber Trend-PrĂ€paraten

WĂ€hrend Lebensstilfaktoren wissenschaftlich unstrittig sind, halten viele vermarktete Longevity-Mittel einer ÜberprĂŒfung nicht stand. Der Stoff NMN, eine Vorstufe von NAD+, zeigte zwar im Tierversuch positive Stoffwechseleffekte, beim Menschen fehlt jedoch eine belastbare Datenbasis aus Langzeitstudien.

In der EU ist NMN als Novel Food nicht als NahrungsergĂ€nzungsmittel zugelassen, VerbraucherschĂŒtzer sprechen Warnungen aus. FĂŒr Substanzen wie Spermidin, Resveratrol oder Taurin existieren ebenfalls keine Nachweise fĂŒr eine altersbremsende Wirkung beim Menschen. Fachleute verweisen stattdessen auf gesicherte Basismaßnahmen: ausreichenden Schlaf, regelmĂ€ĂŸige Bewegung und eine bewusste ErnĂ€hrung.

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