Bosch und Schaeffler: Deutsche Industrie setzt auf humanoide Roboter
27.05.2026 - 10:17:33 | boerse-global.deDie deutsche Industrie setzt auf humanoide Roboter: Gleich zwei Traditionskonzerne schließen strategische Partnerschaften mit dem britischen Startup Humanoid und läuten damit eine neue Ära der Fabrikautomation ein.
Bosch wird zum Roboter-Produzenten
Der Technologiekonzern Bosch fungiert künftig als Auftragsfertiger für den HMND 01 – einen humanoiden Roboter des britischen Unternehmens Humanoid. Die am 26. Mai 2026 besiegelte Partnerschaft umfasst Design, Produktion und Lieferketten-Management für den europäischen Markt. Bereits im März 2026 hatte ein Pilotprojekt im badischen Bühl stattgefunden, bei dem HMND-01-Roboter eigenständig Kartons sortierten und handhabten.
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Die technische Zusammenarbeit soll weiter vertieft werden: Bosch plant, eigene Aktuatoren, Sensoren und Antriebssysteme in künftige Versionen des HMND 01 zu integrieren. Der Roboter ist in zwei Varianten erhältlich – einer zweibeinigen Version (1,78 Meter, 90 Kilogramm, 1,5 Meter pro Sekunde, drei Stunden Akkulaufzeit) und einer rollenden Variante für schwere Logistikaufgaben (2,21 Meter, 300 Kilogramm, bis zu 2,0 Meter pro Sekunde, vier Stunden Betriebsdauer). Beide Modelle nutzen die KI-Plattform KinetIQ und tragen bis zu 15 Kilogramm Nutzlast.
Schaeffler plant Tausend Roboter-Flotte bis 2032
Während Bosch in die Fertigung einsteigt, positioniert sich der Automobilzulieferer Schaeffler als Großabnehmer. Das Unternehmen kündigte am 26. Mai 2026 an, ab Ende des Jahres zunächst rollende Humanoid-Einheiten in seinen deutschen Werken einzusetzen. Das Ziel: Mehr als 1.000 Maschinen bis 2032.
Die Partnerschaft ist wechselseitig angelegt: Schaeffler bezieht die Roboter für die eigene Produktion, liefert im Gegenzug aber auch Aktuatoren an Humanoid. Dieser „Cross-Supply“-Deal zeigt einen klaren Trend: Deutsche Autozulieferer lenken ihre Kompetenzen zunehmend in die Robotik um, um sich gegen die Schwäche des klassischen Automobilgeschäfts zu wappnen.
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Chinesische Konkurrenz vor Ort
Parallel dazu baut der chinesische Robotik-Konzern Estun seine Präsenz in Deutschland aus. In Schwäbisch Gmünd hat das Unternehmen – mit 3.500 Mitarbeitern der größte chinesische Roboterhersteller – im Oktober 2025 eine Niederlassung eröffnet. Estun mietet dort Flächen, die Bosch aufgegeben hat. Während Bosch zwischen 2027 und 2030 rund 1.150 Stellen am Standort abbaut, startet Estun mit neun Mitarbeitern und plant innerhalb von 18 bis 24 Monaten 24 Beschäftigte – langfristig sollen es 60 bis 100 sein.
Internationaler Wettlauf um die Robotik-Vorherrschaft
Die deutschen Entwicklungen fallen in eine phase globaler Hochrüstung. Am 25. Mai 2026 kündigte der südkoreanische Hyundai-Konzern die Gründung spezialisierter Einheiten für seine „Software-Defined Factory“-Strategie an. Das Ziel: 30.000 humanoide Roboter pro Jahr bis 2028, davon 25.000 für die eigenen Hyundai- und Kia-Werke. Der von Boston Dynamics entwickelte Atlas-Roboter soll ab 2028 im US-Werk Georgia Metaplant zunächst Teile sortieren, ab 2030 dann vollständig in die Montage integriert werden.
Die Zuverlässigkeit solcher Systeme belegt ein Test des US-Unternehmens Figure AI: Zwischen dem 14. und 22. Mai 2026 sortierten drei Figure-03-Roboter im Schichtbetrieb knapp 250.000 Pakete – ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Die Sortiergeschwindigkeit von rund 1.248 Paketen pro Stunde erreicht laut Branchenbeobachtern fast menschliches Niveau.
Marktprognose: Der Wendepunkt kommt 2032
Laut einer Studie von Interact Analysis vom 25. Mai 2026 wird der Markt für humanoide Roboter seinen kommerziellen Wendepunkt im Jahr 2032 erreichen. Bis 2035 sollen weltweit über 700.000 Einheiten ausgeliefert werden, bei einem Marktvolumen von rund 15 Milliarden Euro. China und die USA werden voraussichtlich mehr als 85 Prozent der Nachfrage stellen – China allein über 65 Prozent.
Die Partnerschaft zwischen Bosch und Humanoid ist ein klarer Versuch, ein europäisches Fertigungszentrum aufzubauen, das mit den asiatischen und amerikanischen Volumenstrategien mithalten kann.
Neue Finanzierungsmodelle für die Fabrik der Zukunft
Das norwegische Robotik-Unternehmen 1X bereitet gemeinsam mit EQT die Auslieferung von bis zu 10.000 Neo-Robotern in den nächsten fünf Jahren vor. Der Einstiegspreis liegt bei 20.000 Euro, alternativ ist ein Leasing-Modell für 499 Euro pro Monat verfügbar. Pilotprogramme starten noch 2026 in den USA.
In Deutschland bleibt die Integration der Maschinen in bestehende Automobil- und Elektronik-Lieferketten der zentrale Fokus. Während der Arbeitsplatzabbau bei Bosch in Schwäbisch Gmünd für lokale Spannungen sorgt, deutet das gleichzeitige Engagement neuer Akteure wie Estun und der Ausbau der Robotik-Fertigung auf einen tiefgreifenden Strukturwandel hin. Ob Deutschland seinen Status als führender Hightech-Standort behaupten kann, entscheidet sich am Erfolg des HMND-01-Hochlaufs in den kommenden Jahren.
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