Brasiliens Rechnungshöfe: 6,5 Milliarden Real Unstimmigkeiten aufgedeckt
30.06.2026 - 02:21:28 | boerse-global.de
Sowohl das Tribunal de Contas dos Municípios (TCM) als auch die Tribunais de Contas do Estado (TCE) untersuchen die Verwendung von Fördermitteln und die bauliche Umsetzung von Schulprojekten. Im Fokus stehen Investitionssummen im dreistelligen Millionenbereich.
Zehn Bauvorhaben im Bundesstaat Bahia unter der Lupe
Der Rechnungshof der Gemeinden in Bahia (TCM-BA) hat eine gezielte Kontrolle von zehn Bauvorhaben im Bildungsbereich angekündigt. Die Projekte umfassen frühkindliche Erziehung, Grundschulausbildung und den Ausbau sportlicher Infrastruktur an Schulen. Das Gesamtvolumen: rund 27,6 Millionen Real.
Die Finanzierung setzt sich aus 17,3 Millionen Real Bundesmitteln und rund 10,2 Millionen Real aus kommunalen Budgets zusammen. Betroffen sind Baumaßnahmen in Alagoinhas, Caém, Carinhanha, Itagi und Queimadas. Bei Fertigstellung könnten rechnerisch bis zu 2.948 neue Schulplätze im Zweischichtbetrieb entstehen – oder 1.474 Plätze im Ganztagsbetrieb. Die Initiative stützt sich auf Erhebungen aus dem Jahr 2025, in denen bereits 63 wieder aufgenommene oder abgeschlossene Bauvorhaben identifiziert wurden.
Unregelmäßigkeiten in Milliardenhöhe in Rio de Janeiro
Parallel dazu weitet das Tribunal de Contas do Estado do Rio de Janeiro (TCE-RJ) seine Kontrollen auf öffentliche Investitionen bei Finanzinstitutionen aus. Hintergrund sind Unstimmigkeiten in den Abrechnungen für 2025 – in einer Gesamtsumme von rund 6,5 Milliarden Real.
Im Rahmen einer außerordentlichen Prüfung untersuchen die Kontrolleure insbesondere Investitionen des Pensionsfonds Rioprevidência und des Wasserversorgers Cedae. Im Fokus stehen unter anderem Wertpapiere des Banco Master im Wert von 3 Milliarden Real, für die laut Prüfbericht keine ausreichenden Garantien vorlagen. Weitere Untersuchungen betreffen Transaktionen mit Instituten wie Mirae Asset, Banco Genial und Banco Digimais. Der Banco Genial gab an, lediglich als Depotbank zu fungieren – das TCE-RJ hält dennoch an der vertieften Prüfung fest.
Die aktuellen Prüfungen des TCE-RJ zeigen Unstimmigkeiten in Milliardenhöhe – für Investoren in Brasilien ein klares Signal, die eigene Due-Diligence zu schärfen. Unser Leitfaden hilft Ihnen, Risiken bei öffentlichen Ausschreibungen und Pensionsfonds-Investments systematisch zu erkennen. Jetzt kostenlosen Compliance-Leitfaden anfordern
Fiskalische Disziplin: Kommunen unter Druck
Auch in anderen Regionen greifen die Kontrollbehörden bei Verstößen gegen das Haushaltsverantwortungsgesetz (LRF) ein. In Pernambuco empfahl das TCE-PE Ende Juni die Annahme der Jahresrechnung 2024 der Gemeinde Feira Nova nur unter Vorbehalt. Die Prüfer kritisierten: In den letzten acht Monaten der Amtszeit des Bürgermeisters flossen rund 2,37 Millionen Real in künstlerische Veranstaltungen. Gleichzeitig standen Verbindlichkeiten von 2,11 Millionen Real ohne finanzielle Deckung.
Im Personalmanagement hat die Justiz in João Pessoa eine einstweilige Verfügung erlassen. Neue befristete Anstellungen im Bildungssektor sind untersagt. Auch Verlängerungen von Verträgen über 24 Monate sind verboten. Hintergrund: In der Stadt stehen 2.402 befristet Beschäftigten nur 2.060 Festangestellte gegenüber. Ein erheblicher Teil der befristeten Verträge besteht seit über zehn Jahren.
Neue Investitionen trotz strenger Prüfauflagen
Besonders intransparente Investitionen in Pensionsfonds wie Rioprevidência stehen im Fokus der Rechnungshöfe. Wer hier als Investor nicht rechtzeitig gegensteuert, riskiert Millionenverluste. Unser Report zeigt, wie Sie Finanzberichte öffentlicher Institutionen prüfen und Warnsignale frühzeitig deuten. Risiken bei Pensionsfonds-Investments vermeiden
Trotz der Kontrollen werden neue Programme initiiert. In São Caetano wurden Ende Juni Investitionen von über 200 Millionen Real für den Stadtteil Fundação angekündigt – davon 52 Millionen Real für einen Schulneubau. Im Bundesstaat Paraná wurde ein Vertrag über 2,1 Millionen Real für Reinigungs- und Sicherungsmaßnahmen am Instituto de Educação Caetano Munhoz da Rocha unterzeichnet. Die Arbeiten beginnen Mitte Juli und bereiten die Restaurierung nach einem Brand im April vor.
Im Bereich der kulturellen Bildung eröffnete die Region Cariri Ende Juni die erste brasilianische Schule für Cordel-Literatur und Xylographie. Das Kooperationsprojekt zwischen der Universität UFCA und dem Kulturministerium sieht Bildungsmaßnahmen bis Mai 2027 vor – um traditionelle Techniken und literarische Formen der Region zu fördern.
