Braunes Fettgewebe: Nature-Studie findet 58 Prozent weniger Typ-2-Diabetes
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung liefert umfassende Einblicke in die gesundheitliche Bedeutung von braunem Fettgewebe beim Menschen.
Ein Forschungsteam um Paul Cohen von der Rockefeller University analysierte dafür Daten von 101.243 Personen und stellte fest, dass das Vorhandensein von aktivem braunem Fettgewebe mit einem um 58 % geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Auch für chronische Herzerkrankungen ermittelten die Wissenschaftler um 47 % niedrigere Werte.
Umfangreiche Datengrundlage aus PET-Untersuchungen
Als Basis der Erhebung dienten Positronen-Emissions-Tomographie-Scans von Krebspatienten, die zwischen 2018 und 2024 am Memorial Sloan Kettering Cancer Center angefertigt wurden. Bei 8.897 der insgesamt 101.243 untersuchten Patienten – was einem Anteil von knapp 9 % entspricht – ließ sich aktives braunes Fettgewebe nachweisen.
Während weißes Fettgewebe primär als Energiespeicher fungiert, zeichnet sich braunes Fettgewebe durch die Fähigkeit aus, Energie direkt in Wärme umzuwandeln. Die Forscher nutzten statistische Verfahren wie Propensity-Score-Matching und Multivarianz-Korrekturen, um den Einfluss von Begleitfaktoren zu bereinigen und das gesundheitliche Profil der Betroffenen präzise zu vergleichen.
Assoziationen mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die statistische Auswertung ergab, dass insgesamt 98 Erkrankungen signifikant mit dem Vorhandensein von braunem Fettgewebe assoziiert waren. Von diesen 98 Diagnosen traten 92 bei Personen mit nachweisbarem braunem Fett seltener auf. Der Zusammenhang zeigte sich am deutlichsten bei Typ-2-Diabetes, chronischer ischämischer Herzkrankheit sowie Hypertonie.
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Konkret wiesen Patienten mit aktivem Gewebe bei Typ-2-Diabetes eine weniger als halbe Odds im Vergleich zu Personen ohne den Befund auf. Bei der chronischen ischämischen Herzkrankheit lag die Odds ebenfalls bei etwa der Hälfte.
Neben kardiometabolischen Diagnosen zeigten sich auch Unterschiede im Bereich der psychischen Gesundheit: Für Angststörungen ermittelten die Forscher eine um circa ein Fünftel niedrigere Odds, bei Depressionen fiel der Wert um etwa ein Drittel niedriger aus.
Wirkmechanismus über den Blutdrucksenker Losartan
Einen weiteren Schwerpunkt der wissenschaftlichen Analyse bildete der Einfluss von Medikamenten auf das Gewebe. Unter den Anwendern des Blutdrucksenkers Losartan wiesen 2,4 % braunes Fett auf, verglichen mit 1,9 % bei Personen ohne dieses Medikament. Den Ergebnissen zufolge läuft diese Wirkung nicht über den klassischen Blutdruck-Rezeptor, sondern wird über den Rezeptor PPAR-gamma vermittelt.
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Über PPAR-gamma steigert Losartan die Expression des Entkopplungsproteins UCP1 und f??ert die Thermogenese im braunen Fettgewebe. In begleitenden Laborversuchen an Mäusen führte eine zehntägige Gabe von Losartan zu einem messbar gesteigerten Energieverbrauch.
Einordnung der Beobachtungsdaten
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die Autoren die methodischen Grenzen der Untersuchung: Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, lässt sich aus den Ergebnissen kein direkter ursächlicher Zusammenhang ableiten.
Ob das braune Fettgewebe selbst vor Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt oder ob es als Marker für andere protektive Mechanismen im Körper dient, müssen weiterführende klinische Studien klären. Die Erkenntnisse liefern jedoch wichtige Ansatzpunkte für künftige Therapien zur Prävention von Typ-2-Diabetes und assoziierten Gefäßerkrankungen.
