BrĂŒssel, US-Konzerne

BrĂŒssel gegen US-Konzerne: Neues Paket fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t

12.06.2026 - 07:30:23 | boerse-global.de

Die EU-Kommission stellt ein Gesetzespaket vor, um die Dominanz amerikanischer Digitalkonzerne zu brechen und die eigene Technologie-Infrastruktur zu stÀrken.

EU-Paket fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t: Weniger AbhĂ€ngigkeit von US-Konzernen
BrĂŒssel - A glowing digital map of Europe with data networks and circuit patterns, symbolizing digital sovereignty and independence. 12.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Mehr als 80 Prozent aller digitalen Produkte in der EU stammen derzeit von Anbietern außerhalb der Union. Ein neues Gesetzespaket soll das Ă€ndern.

Die EuropĂ€ische Kommission stellte am 3. Juni 2026 das „EuropĂ€ische Paket fĂŒr technologische SouverĂ€nitĂ€t“ vor. Es umfasst den Chips Act 2.0 und den Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA). Ziel ist eine autonome digitale Infrastruktur und der Schutz sensibler Daten vor auslĂ€ndischen Zugriffen.

Neues Stufenmodell fĂŒr Cloud-Dienste

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Das CADA-Gesetz fĂŒhrt ein vierstufiges SouverĂ€nitĂ€tsmodell fĂŒr Cloud-Dienste ein. Es definiert Sicherheitsstufen fĂŒr die Beschaffung von Cloud-Leistungen im öffentlichen Sektor. Entscheidende Kriterien: Datenverarbeitung innerhalb der EU, UnabhĂ€ngigkeit von Rechtsordnungen aus Drittstaaten und europĂ€ische EigentĂŒmerstrukturen.

Die höchsten Stufen schließen US-Anbieter faktisch aus. Grund ist der US-Cloud-Act, der amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Firmen erlaubt – selbst wenn diese in Europa gespeichert sind. Drei große US-Hyperscaler kontrollieren derzeit ĂŒber 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes. Der Anteil europĂ€ischer Anbieter sank von 29 Prozent im Jahr 2017 auf nur noch 15 Prozent im Jahr 2022.

Chips und Rechenzentren: Milliarden fĂŒr die Infrastruktur

Der Chips Act 2.0 soll den Bau eigener Halbleiterfabriken beschleunigen. Baugenehmigungen mĂŒssen kĂŒnftig innerhalb von zwölf Monaten erteilt werden. Geplant ist zudem die erste EU-eigene Foundry fĂŒr Chips unter 3 Nanometern. Die Pilotproduktion wird zwischen 2030 und 2033 erwartet.

Der globale Halbleitermarkt soll bis 2030 auf 1,37 Billionen Euro wachsen. Die EU produziert aktuell nur rund zehn Prozent der weltweiten Chips. Parallel dazu soll die RechenzentrumskapazitĂ€t in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifacht werden. Der Strombedarf europĂ€ischer Rechenzentren steigt von zehn Gigawatt auf voraussichtlich 35 Gigawatt bis 2030.

Ein Open-Source-Programm ist ebenfalls Teil der Strategie: Zwei Milliarden Euro sind ĂŒber sieben Jahre fĂŒr die digitale öffentliche Infrastruktur vorgesehen.

Unternehmen fordern mehr digitale UnabhÀngigkeit

Eine Studie mit 149 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und Spanien zeigt: 89 Prozent der Firmen legen Wert auf digitale SouverÀnitÀt. Mehr als die HÀlfte der Befragten sorgt sich wegen des US-Cloud-Acts. 56 Prozent berichten von einer hohen AbhÀngigkeit von nicht-europÀischen Anbietern bei Basisdiensten wie E-Mail.

Auch die öffentliche Verwaltung ist betroffen. Im April traf eine Phishing-Kampagne Signal-Nutzer in der deutschen Bundesregierung. Das Bundesministerium fĂŒr Digitales forderte daraufhin am 10. Juni 2026 einheitliche Sicherheitsstandards fĂŒr alle Ressorts.

Der Cybersafety Monitor 2026, eine reprĂ€sentative Studie vom Januar 2026, untermauert die Dringlichkeit: Elf Prozent der Internetnutzer wurden Opfer von CyberkriminalitĂ€t – ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber sieben Prozent im Vorjahr. Online-Betrug beim Einkaufen und unbefugter Zugriff auf Konten sind die hĂ€ufigsten Delikte.

Was Verbraucher selbst tun können

Neben den großen Infrastrukturprojekten rĂŒcken auch praktische Schritte fĂŒr den Einzelnen in den Fokus. Experten empfehlen den Umstieg auf datenschutzfreundliche Suchmaschinen und Browser, die Nutzung verschlĂŒsselter Messenger wie Signal oder Threema sowie die Verlagerung persönlicher Daten auf souverĂ€ne Cloud-Anbieter.

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Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt eine Sicherheitshierarchie fĂŒr Online-Konten: Passwort-Manager und Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) sind der Standard. Passkeys und Hardware-SicherheitsschlĂŒssel gelten als stĂ€rkster Schutz gegen unbefugten Zugriff.

Ethikrat lehnt Social-Media-Verbot fĂŒr MinderjĂ€hrige ab

Der Deutsche Ethikrat hat sich am 11. Juni 2026 gegen ein generelles Social-Media-Verbot fĂŒr MinderjĂ€hrige ausgesprochen. Ein solches Verbot, wie es in Australien seit Dezember 2025 existiert, sei leicht zu umgehen. Stattdessen plĂ€diert der Rat fĂŒr ein differenziertes Schutzkonzept auf Basis des Digital Services Act.

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