Brustkrebs-Studie AFT-70 NAVIGATE: Giredestrant soll Übertherapie vermeiden
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von frühem Brustkrebs steht vor einem Wandel hin zu präziseren, an den individuellen Krankheitsverlauf angepassten Konzepten. Im Zentrum aktueller wissenschaftlicher Vorhaben steht die Frage, wie sich die Intensität medikamentöser Therapien gezielt anhand von Spuren verbliebener Tumorzellen steuern lässt.
Mit dem Start der randomisierten Phase-III-Studie AFT-70 NAVIGATE untersuchen die Forschungsgruppe Alliance Foundation Trials und das Diagnostikunternehmen Natera eine Behandlungsstrategie, die sich an der sogenannten minimalen Residualerkrankung orientiert.
Groß angelegte Untersuchung bei Hormonrezeptor-positivem Tumorprofil
Die globale und randomisierte Studie AFT-70 NAVIGATE widmet sich Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium. Laut Berichten vom 5. Oktober 2026 leitet und sponsert Alliance Foundation Trials die klinische Erprobung. Die Unternehmen Natera und Genentech treten dabei als Kooperationspartner auf und beteiligen sich an der Finanzierung des Vorhabens.
Für die Studie werden mehr als 2.000 Patientinnen mit den Tumorstadien II bis III erwartet. Die Rekrutierung und Betreuung soll an rund 200 US-amerikanischen sowie internationalen Studienzentren erfolgen. Das Ziel besteht darin, die Notwendigkeit intensiver Kombinationstherapien für Patientinnen ohne nachweisbare Krankheitsreste neu zu bewerten.
Differenzierte Behandlungsarme nach molekularem Befund
Im Fokus des Studienprotokolls von Alliance Foundation Trials und Natera stehen Patientinnen, die nach Abschluss der Standardtherapie im Testverfahren Signatera-MRD ein negatives Ergebnis aufweisen. Nach diesem unauffälligen Befund erfolgt eine Aufteilung in zwei unterschiedliche Therapieansätze:
Für viele Patientinnen mit frühem Brustkrebs rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Braucht es wirklich die volle Therapieintensität — oder lässt sich die Behandlung gezielt an den individuellen Befund anpassen? Genau hier setzt eine neue Phase-III-Studie an, die die Therapie an verbliebenen Tumorzellen ausrichtet. Unser kostenloser Leitfaden ordnet ein, was das für Sie bedeutet. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur MRD-gesteuerten Brustkrebstherapie anfordern
- Im Kontrollarm erhalten die Teilnehmerinnen von Beginn an eine endokrine Therapie in Kombination mit einem CDK4/6-Hemmer.
- Im Prüfarm wird zunächst ausschließlich der Wirkstoff Giredestrant verabreicht; eine Behandlung mit einem CDK4/6-Hemmer setzt erst dann ein, falls im weiteren Verlauf ein positives MRD-Testergebnis auftritt.
Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Nichtunterlegenheit beim 4-Jahres-Fernrezidiv-freien Überleben festgelegt. Das Konzept zielt darauf ab, Patientinnen ohne nachweisbare Spuren des Tumors vorübergehend vor den Belastungen zusätzlicher Wirkstoffe zu bewahren, ohne deren langfristige Überlebenschancen zu schmälern.
Molekulare Diagnostik und bisherige Wirkstoffdaten
Die präzise Steuerung der Behandlungsentscheidungen stützt sich auf hochsensible Testverfahren. Für das Verfahren Signatera Genome meldet Natera eine analytische Sensitivität von unter 1 ppm. Diese Genauigkeit soll gewährleisten, dass molekulare Rückstände des Tumors auch in extrem geringen Konzentrationen im Blutstrom erkannt werden.
Die Sorge, trotz Behandlung einen Rückfall zu erleiden, begleitet viele Betroffene — und macht die Entscheidung für oder gegen eine intensivere Therapie schwer. Ein neuer Studienansatz will die Behandlung künftig an feinsten Tumorzellspuren ausrichten und so Belastungen vermeiden, ohne den Schutz zu verlieren. Unser Leitfaden hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen. Fragenkatalog für Ihr Arztgespräch jetzt sichern
Der im Prüfarm eingesetzte Wirkstoff Giredestrant bringt bereits klinische Vordaten mit. Nach Angaben von Genentech zeigte die Substanz in der Phase-III-Studie lidERA eine statistisch signifikante Verbesserung des invasiv krankheitsfreien Überlebens im Vergleich zur standardmäßigen endokrinen Monotherapie.
Die Phase-III-Studie AFT-70 NAVIGATE prüft nun, wie sich dieser Wirkstoff in einem diagnostisch gesteuerten Umfeld zur Vermeidung von Übertherapien bewährt.
