Burn-out bei Studierenden: 41 Prozent fühlen sich häufig gestresst
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 02:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zunehmende Fälle von psychischer Erschöpfung und Burn-out unter Jugendlichen, Auszubildenden und Studierenden rücken die Notwendigkeit wirksamer Erholungsstrategien in den Fokus. Fachleute und Betroffene weisen darauf hin, dass Überlastung oft schleichend beginnt und Erholung nicht erst bei akuter Handlungsunfähigkeit einsetzen darf.
Da Burn-out im medizinischen Sinne keine eigenständige Diagnose darstellt, sondern dem Erscheinungsbild einer Erschöpfungsdepression zugeordnet wird, kommt der frühzeitigen Wahrnehmung von Warnsignalen eine entscheidende Rolle zu.
Frühwarnzeichen und schleichende Überlastung
Dass Erschöpfung bereits zu Beginn des Berufslebens gravierende Ausmaße annehmen kann, verdeutlichen konkrete Fallbeispiele. Die 24-jährige Maike, gelernte Sport- und Fitnesskauffrau im Vertrieb für Flugzeugteile, erlitt im Alter von 22 Jahren eine Erschöpfungsdepression.
Vorangegangen waren körperliche und psychische Signale wie starke Kopfschmerzen, abendliche Übelkeit, Appetitlosigkeit, Lidzucken und Tinnitus, bevor sich Entfremdungserlebnisse einstellten. Als Auslöser erwies sich unter anderem ein zweitägiges Audit nach nur kurzer Einarbeitungszeit.
Nach einer mehrmonatigen Krankschreibung, einer stufenweisen Wiedereingliederung und einer Arbeitszeitreduktion auf sechs Stunden kehrten Symptome wie Lidzucken, Panikattacken und Kopfschmerzen zurück, was erneute Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte.
Klinische Experten weisen darauf hin, dass Burn-out langanhaltend ist und häufig von Magenbeschwerden, Nervenschmerzen oder Schlafproblemen begleitet wird. Ein deutliches Alarmsignal liege vor, wenn sich selbst nach stressigen Phasen keine Erholung mehr einstelle und Betroffene unter innerer Abstumpfung oder Sinnlosigkeit litten.
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Laut der Deutschen Depressionshilfe weisen Beschwerden, die länger als zwei Wochen anhalten und den Alltag spürbar beeinträchtigen, auf eine Depression hin.
Belastungsdruck in Ausbildung und Schule
Die Problematik beginnt oft lange vor dem eigentlichen Berufseinstieg. Einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge fühlen sich 41 Prozent der Studierenden häufig gestresst, während 35 Prozent eine hohe bis sehr hohe emotionale Erschöpfung aufweisen. Typische Risikophasen bilden Klausur- und Abgabezeiten sowie Übergänge wie der Studienbeginn oder der Wechsel vom Bachelor- in das Masterstudium.
Dennoch greifen viele Betroffene spät zu Unterstützung: Bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks OstNiedersachsen in Lüneburg nehmen beispielsweise nur rund 600 von etwa 10.000 Studierenden das kostenfreie und vertrauliche Angebot wahr.
Auch an Schulen verstärkt sich der Leistungsdruck. Eine Untersuchung der Universität Freiburg zeigt, dass Burn-out-Symptome insbesondere rund um den Übertritt in die Sekundarschule zunehmen. Eltern und Fachkräfte berichten über psychosomatische Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen bereits in den oberen Klassen der Primarstufe.
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Strukturierte Pausen und gesunder Schlaf
Um einer Chronifizierung von Überlastung vorzubeugen, betonen Fachleute die Bedeutung eines bewussten Pausenmanagements. Der Psychologe Jan Dettmers von der FernUniversität Hagen hebt hervor, dass die menschliche Konzentration nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden kann; nach acht Arbeitsstunden steige die Fehlerquote exponentiell an und Arbeitsunfälle nähmen zu.
Dettmers empfiehlt, Phasen von 45 bis 60 Minuten fokussierter Arbeit mit echten Pausen abzuwechseln. Kurze Unterbrechungen seien oft notwendige Regenerationsmomente.
Ergänzend bildet ausreichender Schlaf das Fundament für psychische Stabilität. Eine bevölkerungsrepräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands zeigt jedoch erhebliche Defizite auf: Rund 69 Prozent der Befragten schlafen weniger als sieben Stunden pro Nacht, und 58 Prozent berichteten über Schlafprobleme in den vorangegangenen drei Monaten.
Als wesentliche Ursache nannten 63 Prozent Stress und psychische Belastungen. Experten unterstreichen daher, dass eine nachhaltige Erholungskultur sowohl individuelle Alltagsroutinen als auch gesündere Rahmenbedingungen in Ausbildung und Arbeitswelt erfordert.
