Burnout-Epidemie: 68% der Frauen funktionieren trotz Erschöpfung
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 13:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Burnout-Diagnosen steigen, Betroffene berichten von Erschöpfung und Überforderung. Experten fordern gezielte Gegenmaßnahmen.
Gefährdungsbeurteilung als Pflicht
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, psychische Belastungen zu erfassen. Das Arbeitsschutzgesetz von 2013 bildet die rechtliche Grundlage. Das Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte dazu Ende Juni ein Handbuch mit konkreten Kriterien.
Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) empfiehlt klare Gestaltungsziele: ausreichend Handlungsspielraum, regulierte Arbeitsmengen, verständliche Aufgaben und soziale Unterstützung. Führungskräfte sollen psychologische Sicherheit fördern – ein Konzept, das die BAuA 2025 in einer Publikation weiter ausführte.
Ein zentraler Faktor ist die Gesundheitskompetenz. Mitte Juli betonten Fachleute in einem Impulspapier: Wer Gesundheitsinformationen findet, versteht und anwendet, kann besser mit Belastungen umgehen. Das Kohärenzgefühl – das Gefühl, das Leben sei verstehbar, handhabbar und sinnvoll – spiele dabei eine Schlüsselrolle.
Wenn Frauen trotz Erschöpfung funktionieren
Der Österreichische Frauengesundheitsreport 2026 zeigt alarmierende Zahlen. Für die Studie wurden 1.000 Frauen befragt. 57 Prozent gaben an, morgens nicht erholt aufzuwachen. 68 Prozent funktionieren trotz Erschöpfung weiter.
Die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit ist ein wesentlicher Stressfaktor. 68 Prozent der Frauen tragen diese Verantwortung nachts allein. 90 Prozent fühlen sich unter Druck, stets gepflegt zu wirken. Mediziner bagatellisieren die Symptome oft – eine zusätzliche Belastung.
Masking: Die unsichtbare Erschöpfung
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) beschreibt ein weiteres Phänomen: „Masking“ oder „Camouflaging“. Neurodivergente Menschen mit ADHS oder Autismus ahmen soziale Regeln nach und unterdrücken Reizüberforderungen. Ziel ist es, gesellschaftlich unauffällig zu bleiben.
68 Prozent der Frauen funktionieren trotz Erschöpfung weiter – der Österreichische Frauengesundheitsreport 2026 zeigt alarmierende Zahlen. Erfahren Sie, wie Sie frühzeitig Burnout-Symptome erkennen und mit einfachen Übungen Ihr Kohärenzgefühl stärken. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Dieser dauerhafte Kompensationsaufwand führt zu massiver Erschöpfung. Mediziner ordnen das Verhalten nicht als Krankheit ein, sondern als Strategie. Für Betroffene bedeutet das: Sie leiden, aber bekommen keine Hilfe.
Leistungsdruck bereits in der Schule
Schulpsychologe Basil Eckert beobachtet steigende Fallzahlen von Überforderung. Bereits Grundschüler reagieren mit psychosomatischen Beschwerden: Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen. Die Reaktionen sind geschlechtsspezifisch.
Mädchen internalisieren Belastungen – das äußert sich in Depressionen oder Essstörungen. Jungen zeigen externalisierendes Verhalten wie Aggressionen. Die pädagogische Forschung setzt auf Selbstregulation als Schlüsselkompetenz.
Susanne Mierau veröffentlichte 2026 eine Studie zu Co-Regulation und Selbstregulation in der frühkindlichen Entwicklung. Bereits 2024 forderte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, diese Kompetenzen als pädagogische Leitlinie zu verankern.
Sinners Mentalstärke – Helmers Kritik
Im Spitzensport wird der Umgang mit Erwartungsdruck besonders sichtbar. Beim Wimbledon-Turnier im Juli verteidigte Jannik Sinner seinen Titel gegen Alexander Zverev. Seine mentale Einstellung beeindruckte: „Es ist kein Versagen, wenn man ein Grand-Slam-Turnier nicht gewinnt. Selbst eine Niederlage kann ein großartiger Tag sein.“
Masking bei Neurodivergenz führt zu unsichtbarer Erschöpfung – das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beschreibt das Phänomen. Wer ständig soziale Regeln nachahmt und Reizüberforderungen unterdrückt, braucht gezielte Strategien. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Belastungen reduzieren und echte Hilfe finden. Ratgeber gegen unsichtbare Erschöpfung sichern
Sein Trainerteam lobte Sinners Fähigkeit, nach Rückschlägen schnell Stabilität zu finden. Ein Kontrastprogramm bot die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay kritisierte Ex-Nationalspieler Thomas Helmer Mitte Juli die Einstellung des Teams: mangelnder Wille, gestörte Haltung zum Widerstand gegen Niederlagen.
Die psychologische Betreuung bleibt eine branchenübergreifende Herausforderung. Ob im Büro, im Klassenzimmer oder auf dem Tennisplatz – die Frage ist nicht, ob Druck entsteht, sondern wie wir damit umgehen.
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