Burnout-Epidemie: 72% der Therapeuten zeigen Erschöpfungssymptome
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Besonders betroffen: Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Unternehmensführung und Jugendliche. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm.
Therapeuten und Pflegekräfte am Limit
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2026 zeigt: 72,3 Prozent der Therapeuten zeigen Anzeichen von Burnout. 89,3 Prozent klagen über körperliche Erschöpfung, 86,8 Prozent über emotionale Ermüdung. Hauptgrund: Die Klienten selbst sind emotional immer belasteter – das beobachten 74,8 Prozent der Therapeuten.
Auch im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) hat sich die Lage verschärft. Laut einer Erhebung der ACCP stieg der Anteil der CSR-Mitarbeiter mit Burnout von 39 Prozent (2025) auf 64 Prozent (2026). Ursachen sind steigende Anforderungen bei der Erfolgsmessung und der Rechtfertigung von Geschäftsmodellen. Interessant: 93 Prozent der CSR-Teams nutzen inzwischen Künstliche Intelligenz – 2024 waren es nur 53 Prozent.
Gerichtsurteil in Griechenland: Burnout als Arbeitsunfall
Die Überlastung im Gesundheitswesen hat in Griechenland ein juristisches Nachspiel. Ein Gericht sprach der Pathologin Eleni Ioannidou 20.000 Euro Entschädigung zu. Begründung: Mangelhafte Arbeitsbedingungen am Krankenhaus Rethymno hätten zu Burnout und ihrem Rücktritt geführt.
In Ghana berichtete der Medical and Dental Council im Frühjahr 2026 ebenfalls von zunehmendem Burnout und Substanzmissbrauch unter Medizinern. Die Behörde richtete spezielle Gremien zur Bewertung der psychischen Gesundheit ein.
Milliardenschäden für die Wirtschaft
Die volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen erreichen neue Höchststände. Die OECD beziffert die jährlichen Schäden in Europa für 2026 auf mehrere Milliarden Euro.
Estland liefert konkrete Zahlen: Dort verdreifachten sich die Kosten für krankheitsbedingte Fehlzeiten aufgrund von Burnout 2024 auf 844.870 Euro – im Vorjahr waren es 365.691 Euro. Die am stärksten betroffene Altersgruppe liegt zwischen 30 und 39 Jahren.
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In Deutschland ergab eine Studie der Techniker Krankenkasse für 2025: 66 Prozent der Bevölkerung sind häufig gestresst – ein Anstieg von 16 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Der DAK-Report 2025 wies eine durchschnittliche Dauer von 33 Fehltagen bei psychischen Erkrankungen aus.
Präsentismus: 95 Prozent arbeiten trotz Krankheit
Trotz hoher Krankheitszahlen zeigt eine Umfrage des Instituts Civey eine erschreckende Tendenz: 95,2 Prozent der Befragten gaben an, bereits trotz Krankheit gearbeitet zu haben. 64,7 Prozent fürchten berufliche Nachteile durch Fehlzeiten.
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz plant strengere Regeln für Krankschreibungen – darunter eine Nachweispflicht ab dem ersten Tag. Fachleute für Psychotherapie warnen dagegen vor den Folgen aktueller Budgetierungen und dem Wegfall der Mindesthonorargarantie. Die Folge: längere Wartezeiten für Patienten. Bereits 2024 wurde bei 40,9 Prozent der Erwachsenen eine psychische Störung definiert, so das Robert Koch-Institut.
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Jugendliche im Dauerstress
Auch der Bildungssektor ist stark betroffen. Eine Untersuchung unter Studierenden ergab: 81 Prozent leiden unter akademischem Druck, 60 Prozent sind verschuldet. Grund sind steigende Lebenshaltungskosten.
Bei Jugendlichen rückt der Einfluss sozialer Medien in den Fokus. Die JIMplus-Studie 2026 zeigt: 76 Prozent nutzen regelmäßig soziale Netzwerke. 72 Prozent fühlen sich abgelenkt, über die Hälfte verliert dadurch Zeit für notwendige Erholung. Sozialarbeiter berichten von zunehmenden belastenden Inhalten wie Desinformation und Cybermobbing – bereits im Grundschulalter.
Frankreich reagiert drastisch: Ab dem 1. September 2026 gilt ein Nutzungsverbot für soziale Medien für Jugendliche unter 15 Jahren.
Freizeitkrankheit: Wenn die Erholung krank macht
Ein Phänomen erschwert die Regeneration vieler Erwerbstätiger zusätzlich: die sogenannte Leisure Sickness. Eine IU-Studie aus dem Jahr 2025 belegt: 72 Prozent der Befragten kennen das Phänomen, bei dem Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen oder Erschöpfung mit Beginn der Ruhephase auftreten. Rund 20 Prozent erleben dies regelmäßig.
Die physiologische Ursache: ein plötzlicher Abfall des Cortisolspiegels nach langanhaltender Stressphase. Erholungsforscher betonen, dass für eine gelungene Regeneration vor allem Abstand, Selbstbestimmung und soziale Verbundenheit entscheidend sind.
Fachverbände für Lehrkräfte unterstreichen die Bedeutung unterrichtsfreier Zeiten als notwendige Regenerationsphase. Sie raten Eltern, schulische Leistungen als Momentaufnahme zu betrachten, um den Druck auf Kinder zu reduzieren. Experten empfehlen zur Prävention unter anderem Mikropausen im Arbeitsalltag sowie klare Rituale zum Feierabend.
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