Burnout, Höchststand

Burnout erreicht Höchststand: 62 Prozent der Fachkräfte fühlen sich ausgebrannt

10.05.2026 - 15:13:53 | boerse-global.de

Eine Umfrage zeigt einen sprunghaften Anstieg der Erschöpfung bei kanadischen Angestellten. Experten warnen vor den Folgen für Unternehmen weltweit.

Burnout erreicht Höchststand: 62 Prozent der Fachkräfte fühlen sich ausgebrannt - Foto: über boerse-global.de
Burnout erreicht Höchststand: 62 Prozent der Fachkräfte fühlen sich ausgebrannt - Foto: über boerse-global.de

Eine aktuelle Umfrage von Robert Half zeigt: 62 Prozent der Fachkräfte in Kanada fühlen sich derzeit ausgebrannt. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 47 Prozent Ende 2024. Fast ein Drittel der Befragten gibt an, dass die Erschöpfung im Vergleich zum Vorjahr spürbar zugenommen hat.

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Das Problem ist kein rein nordamerikanisches. Auch in Europa und Asien warnen Experten vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen chronisch überlasteter Belegschaften. Burnout betrifft längst alle Ebenen – vom Berufseinsteiger bis zum Top-Management.

Die Ursachen: Hohe Belastung und fehlende Perspektiven

Die Gründe für die wachsende Erschöpfung sind vielfältig. Laut der Robert Half Umfrage nennen 40 Prozent der Betroffenen die hohe Arbeitsbelastung als Hauptgrund. Für 27 Prozent spielen fehlende Karriereperspektiven eine belastende Rolle.

Besonders alarmierend ist die Situation in der Führungsebene. Nur fünf Prozent der Manager haben derzeit die nötigen Kapazitäten, um ihre Teams angemessen zu unterstützen. Das deckt sich mit Daten von Deloitte aus dem Jahr 2024: Damals zeigten 71 Prozent der Führungskräfte selbst Anzeichen von Burnout.

Die Folgen für Unternehmen sind messbar. ADP belegt: 29 Prozent der neu eingestellten Führungskräfte verlassen das Unternehmen innerhalb der ersten 18 Monate wieder. Drei Viertel aller freiwilligen Kündigungen stehen in direktem Zusammenhang mit Problemen in der Personalführung. Wenn Vorgesetzte selbst überlastet sind, droht eine Abwärtsspirale aus Fluktuation und weiterer Arbeitsverdichtung.

Wenn die Fassade bröckelt: Hochfunktionale Depression

In akademischen Berufen beobachten Fachleute zudem eine sogenannte hochfunktionale Depression. Der Psychiater Erich Seifritz erklärt: Betroffene nehmen ihre Krankheit oft lange nicht wahr, weil sie trotz innerer Leere nach außen leistungsfähig bleiben. Das erschwert frühzeitige Interventionen. Oft erfolgt die Diagnose erst beim vollständigen Zusammenbruch.

Alltagsmüdigkeit oder echtes Burnout?

Die Psychologin Kasandra Putranto von der Universitas Indonesia betont: Burnout geht weit über physische Erschöpfung hinaus. Während normale Müdigkeit durch Schlaf oder kurze Erholung verschwindet, betrifft Burnout die emotionale und mentale Ebene tiefgreifend.

Typische Symptome sind:
- Anhaltende emotionale Erschöpfung
- Verlust des Interesses an früher freudvollen Tätigkeiten
- Permanentes Grübeln über Arbeitsprobleme
- Schlafstörungen und anhaltende Fatigue
- Produktivitätsabfall, Reizbarkeit und wachsender Zynismus

Die Definition von Burnout umfasst drei Dimensionen: emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung beziehungsweise Zynismus und reduzierte Leistungsfähigkeit. Experten raten, bei diesen Anzeichen professionelle Hilfe zu suchen – etwa in Form von kognitiver Verhaltenstherapie oder psychiatrischer Unterstützung.

Zwischen Achtsamkeit und Strukturwandel

Gegen die Erschöpfung werden verschiedene Strategien diskutiert. Ein neuer Trend: die Rückbesinnung auf analoge Tätigkeiten, sogenannte „Granny-Hobbys“. Der Zukunftswissenschaftler Prof. Ulrich Reinhardt und die Achtsamkeitstrainerin Johanna Bartels erklären: Stricken, Gärtnern oder Puzzlen aktivieren den Parasympathikus, fördern Entspannung und stärken den Selbstwert durch sichtbare Ergebnisse.

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Im Trend liegt auch das Konzept JOMO – Joy of Missing Out. Die bewusste Freude daran, Dinge zu verpassen, gilt als Gegenentwurf zum stresserzeugenden FOMO (Fear of Missing Out).

Im sportlichen Bereich empfiehlt die Expertin Nora Häuptle gezielte Atemtechniken. Eine einfache Übung: vier Sekunden einatmen, acht Sekunden ausatmen. Auch Tauchen zeigt positive Effekte. Laut der europäischen Studie „One Health Underwater“ fühlen sich über 80 Prozent der Taucher durch den Sport fröhlicher und geistig klarer.

Kritik an der „Achtsamkeits-Ideologie“

Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen die starke Fokussierung auf individuelle Achtsamkeit. Die Autorin Kathrin Fischer warnt in ihrem aktuellen Werk: Wenn die Folgen struktureller Probleme allein dem Individuum zur Last gelegt werden, blockiere das notwendigen gesellschaftlichen Wandel. Yoga-Kurse und Meditations-Apps sind wertvolle Hilfsmittel – aber sie können strukturelle Defizite in der Arbeitswelt nicht ersetzen.

Steigende Kosten, knappe Plätze

Die wirtschaftliche Dimension wird durch aktuelle Daten untermauert. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) meldet: 2024 stiegen die ambulanten Kosten für psychische Gesundheit um 6,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg bei Kindern und Jugendlichen.

In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Laut Institut der deutschen Wirtschaft entfallen 17,4 Prozent aller Krankschreibungen auf psychische Störungen. Das Robert Koch-Institut gibt an: 2024 erhielten 40,9 Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine psychische Diagnose.

Das Versorgungssystem stößt an Grenzen. In Baden-Württemberg herrscht trotz rechnerisch guter Versorgung ein regionaler Mangel an Therapieplätzen. Seit dem 1. April belasten Honorarkürzungen die ambulante Psychotherapie zusätzlich. Die Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen meldet eine massive Zunahme der Fallzahlen: Waren es 2007 noch 2.650 ambulante Fälle, stieg die Zahl bis zuletzt auf 16.000.

Neue Standards und betriebliche Initiativen

Im März wurde die aktualisierte S3-Leitlinie zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Sie spricht erstmals altersdifferenzierte Empfehlungen aus und definiert Medikamente wie Sertralin und Escitalopram als Mittel der ersten Wahl. Auch Sport- und Kunsttherapie werden stärker empfohlen.

Auf betrieblicher Ebene entstehen neue Formate. Im Juni startet die vierteilige Serie „Bürofit“ von Fitnesstrainerin Alexandra Grauvogl. Sie umfasst Newsletter zu Ernährung und Stressabbau im Arbeitsalltag.

Die Wissenschaft weitet ihre Forschung aus. Im Sommer beginnt in Frankreich eine neue Langzeitstudie: Sie nutzt biologische Marker, um die Auswirkungen von Naturerlebnissen auf die psychische Gesundheit zu untersuchen.

Die Diskussion um Burnout entwickelt sich von der reinen Individualberatung hin zur systemischen Betrachtung. Ob digitale Hilfsmittel und Trainingsprogramme den Trend brechen können, hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Arbeitsbelastung nachhaltig zu senken und Führungskräfte in ihrer Rolle zu stärken.

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