Burnout-Krise, Arbeitnehmer

Burnout-Krise: 46 Prozent der Arbeitnehmer in Lateinamerika betroffen

26.06.2026 - 02:31:27 | boerse-global.de

Studie zeigt alarmierende Burnout-Raten in Lateinamerika. Brasilien verzeichnet 823 Prozent mehr Krankschreibungen, Mexiko liegt weltweit auf Platz drei.

Burnout-Krise in Lateinamerika: 46 Prozent der Beschäftigten betroffen
Burnout-Krise - Eine erschöpfte Person sitzt mit dem Kopf in den Händen an einem Schreibtisch, umgeben von Papieren und einem leuchtenden Bildschirm. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Studie zeigt: 46 Prozent der Beschäftigten hatten im vergangenen Jahr Burnout-Symptome. Besonders Brasilien und Mexiko stehen im Fokus – mit drastischen Folgen für Justiz, Sozialkassen und Unternehmen.

Erschöpfung auf Rekordniveau

Der Dienstleister Buk befragte 5.760 Mitarbeiter in Lateinamerika. Das Ergebnis: Bei 14 Prozent traten die Anzeichen von Burnout häufig oder dauerhaft auf. Die Konsequenz für Unternehmen ist massiv. In einem gesunden Arbeitsumfeld wollen nur 19 Prozent der Beschäftigten den Job wechseln. Bei Personen mit häufigen Burnout-Symptomen sind es dagegen 40 Prozent.

Mexiko steht besonders schlecht da. Laut Erhebungen des Versicherers AXA belegt das Land weltweit Platz drei bei Burnout-Fällen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 dürfte den Druck auf die Belegschaften weiter erhöhen.

Brasilien: 823 Prozent mehr Krankschreibungen

In Brasilien hat die Krise die Gerichte erreicht. Das Ministerium für soziale Sicherheit registrierte einen Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten aufgrund von Burnout um 823 Prozent. Allein 2025 gab es rund 546.000 Krankschreibungen wegen mentaler oder verhaltensbezogener Störungen.

Die Justiz ist überlastet. Eine Erhebung von Predictus zählt für den Zeitraum Januar 2016 bis April 2026 insgesamt 22.815 arbeitsrechtliche Verfahren wegen Burnout. Der Bundesstaat São Paulo führt mit 27,67 Prozent, gefolgt von Rio de Janeiro mit 10,88 Prozent. Die Streitwerte? Fast 10 Milliarden Real.

Die Fluktuation sprengt alle Grenzen. Rund 51,3 Prozent der formell Beschäftigten verließen innerhalb von zwölf Monaten ihren Arbeitsplatz. Die Kosten für die Wirtschaft: 77 Milliarden Real pro Jahr – das entspricht 0,66 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Nicht nur die Arbeit macht krank

Entgegen der Annahme, dass Überlastung im Job der Hauptgrund ist, zeigt eine Studie von ABEFIN und dem Institut Axxus: Die finanzielle Situation ist der größte Treiber. Unter 1.000 befragten Brasilianern mit diagnostizierten mentalen Störungen gaben 81,9 Prozent finanzielle Probleme als Mitursache an. Für 34,6 Prozent ist Geld der primäre Auslöser – die Arbeit folgt mit 20,5 Prozent erst an zweiter Stelle.

Hinzu kommt die digitale Erschöpfung. Eine Studie aus Spanien belegt: 83 Prozent der Fachkräfte leiden unter digitaler Müdigkeit. Die Generation Z ist mit 60 Prozent besonders stark betroffen.

In Argentinien planen 33 Prozent der Arbeitnehmer für 2026 einen Jobwechsel. Die Hauptgründe: zu niedriges Gehalt (50 Prozent), fehlende Entwicklungsmöglichkeiten (36 Prozent) und mangelnde Work-Life-Balance (27 Prozent).

Gesetzgeber reagieren – Unternehmen zögern

Die Politik handelt. Im mexikanischen Kongress wurden in der laufenden Legislaturperiode zwölf Initiativen zur Stärkung der psychischen Gesundheit eingebracht. Sie fordern unter anderem bezahlte Freistellungen für psychologische Behandlungen, die Pflicht zur Bereitstellung psychologischer Betreuung und ein Verbot übermäßiger Arbeitsbelastung. Ein Gesetz zur digitalen Abmeldung hat die Abgeordnetenkammer bereits verabschiedet – der Senat prüft es noch.

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In Brasilien verschärfte die Aktualisierung der Norm NR-01 die regulatorischen Anforderungen. Unternehmen müssen psychosoziale Risiken wie Stress, Burnout und Belästigung jetzt aktiv steuern. Doch schätzungsweise 70 Prozent der Firmen haben die Änderungen noch nicht umgesetzt.

Dabei lohnt sich der Aufwand. Daten der Yale University zeigen: Programme zur Unterstützung der mentalen Gesundheit können die Produktivität um bis zu 25 Prozent steigern.

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