CA771, Behandlung

CA77.1: FĂŒnf Monate Behandlung senken EntzĂŒndung und Fibrose bei MĂ€usen

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 20:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der CMA-Aktivator verringerte bei MÀusen seneszente Zellen und Fibrose; Wirkung und Sicherheit beim Menschen sind noch ungeklÀrt.

CMA-Forschung: CA77.1 senkt bei alten MĂ€usen EntzĂŒndungszeichen
Mikroskopische Aufnahme von organischen Gewebestrukturen, die zellulÀre Alterungsprozesse abstrakt darstellen. Illustration mit AI erstellt.

Mit zunehmendem Alter hĂ€ufen sich im menschlichen Körper seneszente Zellen an. Diese sogenannten Zombie-Zellen teilen sich nicht mehr, verbleiben jedoch im Gewebe und sondern entzĂŒndungsfördernde Botenstoffe ab.

Wie ein Forschungsteam des Albert Einstein College of Medicine in einer im Fachjournal Nature Aging publizierten Forschungsarbeit (DOI: 10.1038/s43587-026-01240-w) darlegt, spielt ein spezifischer zellulÀrer Reinigungsprozess eine zentrale Doppelrolle bei diesem PhÀnomen: die chaperon-vermittelte Autophagie, kurz CMA.

LĂ€sst dieser Abbauweg im Alter nach, betrifft dies sowohl die seneszenten Zellen selbst als auch die fĂŒr ihre Beseitigung zustĂ€ndigen Immunzellen. Dies fĂŒhrt zu einer Kettenreaktion, die chronische EntzĂŒndungen und GewebeschĂ€den verstĂ€rkt.

Gestörter Abbau fördert zellulÀre SchÀden und hemmt Makrophagen

Die chaperon-vermittelte Autophagie baut gezielt einzelne Proteine in den Lysosomen ab, darunter auch funktionsfĂ€hige Proteine, und reguliert dadurch organspezifische Zellprozesse. Dies erlĂ€utern Susmita Kaushik und Ana Maria Cuervo in einer Übersichtsarbeit im Fachjournal Nature Reviews Molecular Cell Biology. Die AktivitĂ€t dieses Systems nimmt jedoch mit fortschreitendem Alter in den meisten Geweben ab.

Die Untersuchungen des Albert Einstein College of Medicine verknĂŒpfen diesen altersbedingten RĂŒckgang mit einem zweifachen Defekt. Einerseits setzen seneszente Zellen bei verminderter CMA vermehrt schĂ€dliche Stoffe frei. Andererseits sind Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, durch den Mangel an funktionierender CMA beeintrĂ€chtigt: Sie können seneszente Zellen schlechter erkennen und abtransportieren.

In Versuchen des Instituts wiesen MĂ€use mit CMA-defizienten Makrophagen an Wundstellen mehr seneszente Zellen auf und heilten langsamer ab. Eine Studie von 2026 untermauert laut Kaushik und Cuervo diesen Zusammenhang zwischen dem RĂŒckgang der Makrophagen-CMA und der verringerten Beseitigung seneszenter Zellen.

Experimentelle AnsÀtze zur Aktivierung von CMA

Um den Prozess therapeutisch zu beeinflussen, untersuchten die Forscher des Albert Einstein College of Medicine den Wirkstoff CA77.1, der als Aktivator der chaperon-vermittelten Autophagie fungiert. Bei alten MĂ€usen fĂŒhrte eine fĂŒnfmonatige tĂ€gliche orale Behandlung mit CA77.1 dazu, dass die Zahl seneszenter Zellen in mehreren Organen sank. Zudem verringerten sich Anzeichen von EntzĂŒndungen und Fibrose.

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Auch bei Lungenerkrankungen zeigte der Ansatz Wirkung. In Gewebeproben von Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) stellten die Wissenschaftler eine deutlich reduzierte CMA fest. Wurde bei MĂ€usen frĂŒhzeitig nach einer LungenschĂ€digung eine Behandlung mit CA77.1 begonnen, gingen Merkmale von Fibrose, Seneszenz und EntzĂŒndung zurĂŒck.

Breiteres therapeutisches Potenzial und offene Fragen

Die Bedeutung der CMA reicht ĂŒber EntzĂŒndungsprozesse hinaus. In ihrer Übersichtsarbeit beschreiben Kaushik und Cuervo Funktionen des Signalwegs im Stoffwechsel, im Immunsystem, im Gehirn sowie bei altersbedingten Krankheiten.

Dass eine gesteigerte Autophagie mit Langlebigkeit einhergehen kann, zeigt sich auch genetisch: Snell-ZwergmĂ€use, die eine verringerte Wachstumshormonsignalisierung aufweisen, leben 40–50 % lĂ€nger als normale MĂ€use und zeigen eine erhöhte hepatische CMA.

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Neben genetischen AnsĂ€tzen wird die Aktivierung durch chemische Verbindungen wie CA-MolekĂŒle als Option erforscht. Umgekehrt könnte eine gezielte Hemmung der CMA bei Tumoren nĂŒtzlich sein, die fĂŒr ihr Überleben von diesem Prozess abhĂ€ngen.

Trotz der positiven Ergebnisse aus den Modellversuchen des Albert Einstein College of Medicine bleibt die Übertragbarkeit auf den Menschen Gegenstand weiterer PrĂŒfungen. Zwar lieferte humanes Lungengewebe erste Hinweise auf eine mögliche Relevanz, die tatsĂ€chliche Wirkung und die Sicherheit entsprechender therapeutischer Eingriffe beim Menschen sind jedoch bislang ungeklĂ€rt.

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