Calcium, Vitamin

Calcium und Vitamin D: WHI-Studie zeigt 17 Prozent mehr Nierensteine

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kombination kann die Knochendichte fördern, doch Studien zeigen mögliche Risiken durch Nierensteine und hohe Vitamin-D-Dosen.
Nahaufnahme von mineralischen Ablagerungen auf einer GesteinsoberflĂ€che mit natĂŒrlicher Textur. Illustration mit AI erstellt.

Die gemeinsame Einnahme von Calcium und Vitamin D gehört zu den verbreitetsten Empfehlungen zur StĂ€rkung der Knochen. Wissenschaftliche Untersuchungen und Fachpublikationen differenzieren dieses Bild jedoch zunehmend. WĂ€hrend die PrĂ€parate bei bestimmten Indikationen die Knochendichte verbessern können, rĂŒcken mögliche gesundheitliche Risiken durch eine unsachgemĂ€ĂŸe oder ĂŒbermĂ€ĂŸige Supplementierung stĂ€rker in den Fokus der Forschung.

Erhöhte Risiken fĂŒr Nierensteine und GefĂ€ĂŸe

Ein wesentlicher Diskussionspunkt betrifft die Belastung der Nieren. In der groß angelegten, randomisierten klinischen Studie der Women's Health Initiative (WHI) zeigte sich, dass eine gleichzeitige Supplementierung von Calcium und Vitamin D das Risiko fĂŒr Harn- und Nierensteine um 17 Prozent erhöhte.

An der Untersuchung nahmen 36.282 postmenopausale Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren aus 40 WHI-Zentren teil. Über einen durchschnittlichen Zeitraum von sieben Jahren erhielten 18.176 Probandinnen zweimal tĂ€glich 500 mg Calciumcarbonat sowie 200 IE Vitamin D3 – insgesamt also tĂ€glich 1000 mg Calcium und 400 IE Vitamin D3. Die Kontrollgruppe mit 18.106 Frauen erhielt ein Placebo.

In der Interventionsgruppe traten bei 449 Frauen Nierensteine auf, verglichen mit 381 FÀllen in der Placebo-Gruppe. Dieser Risikoanstieg erwies sich als unabhÀngig von demografischen, anthropogenen oder diÀtetischen Faktoren.

Zudem deuten kardiovaskulĂ€re Befunde auf mögliche Begleiterscheinungen hin. Ein Umbrella Review aus dem Jahr 2019, das 13 Studien zusammenfasste, sowie eine weitere Untersuchung aus demselben Jahr wiesen darauf hin, dass die kombinierte Aufnahme von Calcium und Vitamin D unter UmstĂ€nden mit einem leicht erhöhten Schlaganfallrisiko verknĂŒpft sein könnte. Fachleute verweisen hierbei jedoch auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen.

Grenzwerte und Gefahren durch HochdosisprÀparate

Bei der Zufuhr gelten definierte Sicherheitsgrenzen. FĂŒr Calcium gilt eine tĂ€gliche Höchstmenge von 2.500 mg aus Nahrung und NahrungsergĂ€nzungsmitteln kombiniert als sicher, wobei die beste Aufnahme im Körper bei Dosierungen von höchstens 500 mg pro Einzelgabe erfolgt.

FĂŒr Vitamin D liegt die international definierte obere tolerierbare Gesamtaufnahme fĂŒr Erwachsene bei 100 ”g pro Tag aus allen Quellen. Dieser Wert markiert eine reine Sicherheitsgrenze und stellt keine Ziel- oder Vorbeugungsdosis dar.

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Wird Vitamin D ĂŒberdosiert, kann dies eine HyperkalzĂ€mie auslösen, die sich durch Übelkeit, SchwĂ€che, starken Durst, hĂ€ufiges Wasserlassen und Nierenprobleme Ă€ußert. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass ab einer tĂ€glichen Aufnahme von 4000 IE Vitamin D das Risiko fĂŒr HyperkalzĂ€mie und einen beeintrĂ€chtigten Knochenstoffwechsel steigt.

Eine Studie aus dem Jahr 2019 belegte zudem, dass Probanden bei einer dreijÀhrigen Gabe von 4000 oder 10.000 IE tÀglich eine geringere Knochendichte aufwiesen als bei einer Zufuhr von 400 IE pro Tag.

Die spanische Arzneimittelbehörde AEMPS betonte bezĂŒglich schwerer HyperkalzĂ€mien durch Calcifediol- oder Colecalciferol-Produkte in der Information Note MUH (FV) 03/2026, dass Verordnende, Abgebende sowie Anwender das Dosierungsschema in der Produktinformation und Packungsbeilage vorab genau prĂŒfen mĂŒssen.

FachĂ€rzte fĂŒr Endokrinologie merken zudem an, dass frei verkĂ€ufliche Wochendepot-PrĂ€parate mit bis zu 10.000 IE keinen nachgewiesenen Nutzen zur Mangelvorbeugung besitzen. Medizinische Leitlinien favorisieren die tĂ€gliche Einnahme, da Vitamin-D-Einzeldosen ab 10.000 IE langfristig mit einer höheren Zahl von StĂŒrzen und KnochenbrĂŒchen assoziiert sind.

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Einnahmebedingungen und individueller Bedarf

GrundsĂ€tzlich unterstĂŒtzen Calcium und Vitamin D den Erhalt der Knochengesundheit, da Vitamin D die Calciumaufnahme im Verdauungstrakt erleichtert. Diese Kombination kann bei Ă€lteren Menschen und postmenopausalen Frauen die Knochenmineraldichte erhöhen.

Dennoch hinterfragen Fachberichte frĂŒhere pauschale Empfehlungen zur Sturm- und FrakturprĂ€vention, sofern keine Osteoporose oder ein nachgewiesener Mangel vorliegt; der Nutzen fĂŒr gesunde Personen ist fraglich. Experten raten stattdessen zu einer individuell abgestimmten Balance aus ErnĂ€hrung, Sonnenlicht und gezielten Gaben.

FĂŒr eine optimale Verwertung spielt zudem die Einnahmeform eine Rolle: Calciumcarbonat sollte zu den Mahlzeiten konsumiert werden, wĂ€hrend Calciumcitrat unabhĂ€ngig vom Essen eingenommen werden kann. Da Vitamin D fettlöslich ist, empfiehlt sich die Einnahme zusammen mit einer fettreicheren Mahlzeit.

Eine Übersichtsarbeit von 2017 deutete darĂŒber hinaus auf potenzielle Vorteile hin, wenn Vitamin D gemeinsam mit Vitamin K2 fĂŒr Knochen und GefĂ€ĂŸe substituiert wird, wenngleich weitere Daten ausstehen und eine solche Kombination nicht fĂŒr alle Menschen erforderlich ist.

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