Calprotectin, Darmentzündungen

Calprotectin bei Darmentzündungen: Unter 200 µg/ g gilt als Therapieziel

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die aktualisierten Leitlinien staffeln Behandlungsziele nach Zeitrahmen und Evidenz und führen ergänzende Befunde getrennt auf.
Symbolbild: Wärmflasche, Handtuch und Kräutertee Illustration mit AI erstellt.

Mit der Aktualisierung der STRIDE-Leitlinien durch die International Organization for the Study of Inflammatory Bowel Disease (IOIBD) werden die therapeutischen Zielsetzungen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen neu geordnet.

Die als STRIDE-III bezeichnete Initiative wurde am 21. Oktober 2026 im Rahmen der UEG Week in Barcelona vorgestellt und zeitgleich in der Fachzeitschrift Lancet Gastroenterology & Hepatology publiziert.

Das Konzept unterscheidet künftig systematisch zwischen handlungsleitenden Zielen, für die ein Nutzen durch randomisierte Studien nachgewiesen ist, ergänzenden Parametern mit geringerer Evidenz sowie patientenzentrierten Faktoren wie Symptomen und Lebensqualität.

Zeitliche Staffelung der therapeutischen Meilensteine

Die Empfehlungen der Initiative strukturieren den Behandlungsverlauf entlang konkreter Zeitfenster. Als kurzfristiges Ziel soll innerhalb von ein bis zwei Monaten ein klinisches Ansprechen erreicht werden. Eine vollständige klinische Remission wird für das Zeitfenster von zwei bis drei Monaten nach Therapiebeginn oder -anpassung definiert.

Ergänzend dazu führen die Leitlinien kurzfristige Zielwerte für spezifische Beschwerden auf: So gilt ein Wert von höchstens 2 auf einer zehnteiligen Skala für Stuhldrang als adjunktives Ziel. Auf der Ebene von Labor- und Entzündungsmarkern sieht das Konzept nach vier bis sechs Monaten eine Normalisierung des C-reaktiven Proteins sowie des fäkalen Calprotectins vor.

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Ein Calprotectin-Wert von unter 200 µg/g markiert dabei das Erreichen des Ziels, während Werte unter 100 µg/g einer tiefergehenden Krankheitskontrolle entsprechen. Der Bereich zwischen 100 und 200 µg/g wird als Grauzone eingestuft.

Endoskopische Vorgaben und die Rolle histologischer Befunde

Als langfristiges Behandlungsziel stufen die Leitlinien die endoskopische Remission ein. Bei Morbus Crohn erfordert diese einen SES-CD von höchstens 2. Bei Colitis ulcerosa gilt ein Mayo-Endoskopie-Score (MES) von 0 als Endpunkt, wobei ein Wert von höchstens 1 als Übergangsergebnis akzeptabel ist.

Eine klare Abgrenzung nimmt die Initiative bei der Gewebeheilung vor. Die histologische Remission bei Colitis ulcerosa sowie die transmurale Remission bei Morbus Crohn werden ausdrücklich nur als adjunktive Ziele geführt.

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Nach Einschätzung der beteiligten Experten existiert kein nachgewiesener Zusatznutzen einer histologischen Remission gegenüber der endoskopischen Abheilung. Folglich sollte ein Wechsel der medikamentösen Therapie nicht allein auf Basis histologischer oder transmuraler Befunde eingeleitet werden, da hierfür eine ausreichende Evidenz aus kontrollierten Studien fehlt.

Intervalle für die Verlaufskontrolle

Für die praktische Überwachung empfehlen die Leitlinien strukturierte Kontrollabstände. Eine engmaschige Überprüfung der Zielwerte sollte demnach alle drei bis vier Monate erfolgen. Bei stabilem Verlauf oder je nach klinischer Notwendigkeit können die Kontrollintervalle auf sechs bis zwölf Monate ausgedehnt werden.

Durch die klare Trennung zwischen verpflichtend anzustrebenden und rein ergänzenden Endpunkten soll das therapeutische Vorgehen im klinischen Alltag gezielter auf nachweisbare Patientenoutcomes ausgerichtet werden.

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