Cannabis-Wirkstoff VER-01: Schmerzlinderung schlägt Opioide
02.06.2026 - 21:33:36 | boerse-global.dePharma-Innovationen, multimodale Konzepte und strenge Gerichtsurteile verändern die Behandlung chronischer Schmerzen grundlegend.
Cannabis-Wirkstoff übertrumpft Opioide
Ein Meilenstein in der Schmerzmedizin zeichnet sich ab. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem cannabisbasierten Extrakt VER-01 des Unternehmens Vertanical den Status einer bahnbrechenden Therapie verliehen. Grundlage ist eine Phase-3-Studie mit 384 Patienten, die bemerkenswerte Ergebnisse lieferte.
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Das Präparat erreichte eine Schmerzreduktion von 2,50 Punkten – herkömmliche Opioide kamen nur auf 2,16. Besonders eindrucksvoll: Die Nebenwirkungen fielen deutlich geringer aus. Patienten litten viermal seltener unter Verstopfung als unter Opioid-Therapie. Die erste europäische Zulassung unter dem Namen Exilby wird bereits für Juni 2026 erwartet. In den USA soll das Mittel voraussichtlich 2028 auf den Markt kommen.
Multimodale Therapie: Der ganze Mensch im Fokus
Immer mehr Kliniken setzen auf multimodale Schmerzkonzepte, die medizinische, physiotherapeutische und psychologische Ansätze vereinen. Experten der Paracelsus-Klinik Bremen und des St. Elisabeth-Hospitals Meerbusch-Lank betonen die Bedeutung des sogenannten „Schmerzgedächtnisses". Dieses lässt sich durch aktivierende Therapien umprogrammieren.
Das Cellitinnen-Krankenhaus St. Antonius in Köln arbeitet mit individuellen Medikationsplänen im stationären Rahmen. Auf den Schmerz- und Palliativtagen in Frankfurt stellte Psychotherapeut Markus Schwabbaur ein zehnstufiges Modell vor, das auf Selbstwirksamkeit setzt. Atemübungen, Entspannungstechniken und Achtsamkeit stehen im Zentrum. Der Bundeskongress Physiotherapie in Augsburg wird sich am 9. und 10. Oktober 2026 vertiefend mit diesen Ansätzen befassen.
Neben klinischen Ansätzen können auch gezielte Übungen für Zuhause helfen, das Schmerzgedächtnis positiv zu beeinflussen und die Muskulatur zu stärken. Prof. Dr. Wessinghage verrät 17 Übungen, die in nur 3 Minuten täglich sofortige Linderung bringen können. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 17 Wunderübungen sichern
Endometriose: Alarmierender Anstieg der Diagnosen
Besonders bei Frauen steigen chronische Schmerzerkrankungen rasant. Im Saarland hat sich die Zahl der Endometriose-Diagnosen seit 2005 um über 70 Prozent erhöht. Die Barmer-Krankenkasse verzeichnet einen Anstieg von 734 auf 1.260 betroffene Frauen pro 100.000 Versicherte. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen.
Die Endometriose-Vereinigung Deutschlands fordert mehr Forschung und schnellere Diagnoseverfahren. Am heutigen Dienstag, dem 2. Juni 2026, fand ein bundesweiter Aktionstag statt. Experten wie Prof. Dr. Frank Petzke und Vera Lux wiesen auf bestehende Versorgungslücken hin. Die Deutsche Schmerzgesellschaft schaltete eine Hotline für Betroffene. Ein weiterer Fachvortrag im St. Elisabeth-Hospital ist für den 8. Juli geplant.
Strengere Maßstäbe für Schmerz-Renten
Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen hat die Hürden für Erwerbsminderungsrenten bei chronischen Schmerzen erneut bekräftigt. In einem aktuellen Urteil (Az. L 8 R 219/24) wies das Gericht die Klage eines Betroffenen ab. Die Richter stellten klar: Subjektive Schmerzangaben allein reichen nicht aus.
Der Kläger hätte trotz seiner chronischen Beschwerden noch mindestens sechs Stunden täglich leichte Tätigkeiten ausüben können, so das Gericht. Entscheidend seien konsistente medizinische Befunde und dokumentierte Therapieversuche. Fehle der Nachweis standardisierter Behandlungen, könne dies zur Ablehnung führen. Das Urteil unterstreicht: Wer eine Rente wegen Schmerzen beantragt, muss lückenlos dokumentierte Behandlungsbemühungen vorweisen können.
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