CaptiveCrunch: 7 Millionen Phishing-Angriffe in vier Wochen
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 00:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Innerhalb der letzten vier Wochen haben Sicherheitsexperten eine massive Zunahme von Cyberangriffen registriert, bei denen insgesamt 7 Millionen Phishing-Versuche verzeichnet wurden. Im Zentrum der als âCaptiveCrunchâ identifizierten Kampagne stehen kritische Schwachstellen im Sicherheitsmechanismus Google Play Protect sowie die gezielte Ausnutzung von WLAN-Verbindungen in sensiblen Umgebungen. Die Angriffe zielen primĂ€r auf mobile EndgerĂ€te ab und betreffen strategisch wichtige Branchen.
Gezielte Kompromittierung in Hotels und Konferenzzentren
Hinter der Kampagne steht laut aktuellen Erkenntnissen die Gruppe Storm-2945, die als Unterabteilung der dem russischen AuslandsaufklĂ€rungsdienst SVR zugerechneten Akteure Midnight Blizzard agiert. Erste AktivitĂ€ten der Kampagne lassen sich bis in den Mai 2026 zurĂŒckverfolgen. Die Angreifer konzentrieren sich dabei auf die Kompromittierung von WLAN-Gateways in Hotels und Konferenzzentren, um den Datenverkehr der Nutzer zu kontrollieren.
Durch die Manipulation von DNS- und HTTP-Anfragen leiten die Cyberkriminellen den Datenstrom um und setzen Techniken wie Adversary-in-the-Middle (AitM) sowie ClickFix ein. Seit dem 16. Juli wird zudem verstÀrkt auf das sogenannte Device-Code-Phishing gesetzt. Berichten zufolge zeigt Googles Sicherheitsdienst Play Protect deutliche SchwÀchen bei der Abwehr dieser spezifischen Angriffsmuster, was die Erfolgsquote der Kampagne massiv erhöht hat.
Einsatz spezialisierter Malware zur Ăberwachung und Datendiebstahl
Die im Rahmen von âCaptiveCrunchâ verteilte Schadsoftware ist hochgradig spezialisiert. Ăber die manipulierten WLAN-Netzwerke wird unter anderem die Malware CornFlake verbreitet. Dabei handelt es sich um einen in der Programmiersprache Go geschriebenen Remote-Access-Trojaner (Go-RAT), der den Angreifern weitreichende Befugnisse einrĂ€umt. CornFlake ermöglicht neben Keylogging auch die umfassende Audio- und VideoĂŒberwachung der betroffenen GerĂ€te.
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ErgÀnzend dazu kommt mit ChocoShell ein PowerShell-basierter Infostealer zum Einsatz. Dieser ist darauf ausgelegt, sensible Informationen wie Cookies, SSO-Token und gespeicherte WLAN-Zugangsdaten zu entwenden. Die Kombination dieser Werkzeuge erlaubt es den Akteuren, dauerhaften Zugriff auf Unternehmensnetzwerke zu erlangen. Die Angriffe richten sich insbesondere gegen Organisationen aus den Sektoren Finanzwesen, Recht, Gesundheit, Energie und Einzelhandel.
Wachsender Einfluss kĂŒnstlicher Intelligenz
Ein signifikanter Trend innerhalb der aktuellen Angriffswelle ist der Einsatz moderner Technologien zur Skalierung der Attacken. Branchenanalysen zufolge sind bereits 86 Prozent der registrierten Phishing-Angriffe KI-gestĂŒtzt. Dies ermöglicht den Angreifern eine prĂ€zisere Personalisierung und eine höhere Geschwindigkeit bei der DurchfĂŒhrung der Kampagnen.
Parallel zu den SicherheitsmĂ€ngeln bei Play Protect wurden weitere Anpassungen im Google-Ăkosystem bekannt. Mit der Version 26.28.33 der Google Play Services blockiert das Unternehmen nun NFC-Zahlungen auf importierten chinesischen GerĂ€ten, was den Druck auf Nutzer solcher Hardware erhöht.
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Empfehlungen zur Absicherung von Unternehmensinfrastrukturen
Angesichts der massiven Angriffswelle und der genutzten Einfallstore haben Branchenvertreter wie Microsoft dringende Sicherheitsempfehlungen ausgesprochen. Experten raten dazu, die Nutzung öffentlicher WLAN-Netze konsequent zu vermeiden und stattdessen auf private Hotspots zurĂŒckzugreifen.
DarĂŒber hinaus wird Unternehmen empfohlen, den sogenannten Device-Code-Flow innerhalb der Conditional-Access-Richtlinien zu deaktivieren, da dieser ein zentrales element der aktuellen Phishing-Methodik darstellt. Zur weiteren HĂ€rtung der Konten sollte eine Multi-Faktor-Authentisierung (MFA) auf Basis von Passkeys implementiert werden.
WÀhrend Sicherheitsdienstleister wie ReliaQuest die AktivitÀten bereits im Juli meldeten und zunÀchst der Gruppe APT28 zuordneten, verweist Microsoft auf Storm-2945 als verantwortliche Einheit. Dies unterstreicht die KomplexitÀt der Attribution in diesem hochprofessionellen Angriffsszenario.
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