CaptiveCrunch: Russische Hacker greifen Hotel-WLANs an
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft-Sicherheitsexperten haben eine globale Spionagekampagne aufgedeckt, die sich gezielt gegen Hotel- und Konferenz-WLAN-Netzwerke richtet. Dahinter steckt offenbar die berĂŒchtigte russische Hackergruppe Midnight Blizzard.
Seit Anfang Mai 2026 sind Angreifer in den USA, Indien und Saudi-Arabien aktiv â mit einem klaren Fokus auf GeschĂ€ftsreisende. Die Kampagne mit dem Namen CaptiveCrunch zielt vor allem auf BeschĂ€ftigte aus Finanzdienstleistung, Rechtswesen, Gesundheitsbranche, Energiewirtschaft und Einzelhandel ab. FĂŒr deutsche Unternehmen ist die Bedrohung besonders relevant: Wer auf GeschĂ€ftsreise in Hotel-WLANs einloggt, könnte unwissentlich Daten preisgeben.
Manipulierte Netzwerke als Einfallstor
Die Angreifer ĂŒbernehmen die Kontrolle ĂŒber die AdministrationsoberflĂ€chen von WLAN-Zugangsportalen oder kompromittieren Router. AnschlieĂend verĂ€ndern sie die DNS-Konfiguration: Wer sich einloggen oder im Netz surfen möchte, wird auf betrĂŒgerische Server umgeleitet. Dort warten gefĂ€lschte Microsoft-365-Anmeldeseiten oder fingierte Software-Update-Aufforderungen â eine Methode, die als ClickFix bekannt ist.
Zwei Schadprogramme kommen dabei zum Einsatz: CornFlake, ein Trojaner, der Bildschirmaufnahmen, Tastatureingaben sowie Webcam- und Mikrofonzugriff ermöglicht. Und ChocoShell, ein Datendieb, der Browser-Zugangsdaten abgreift. Beide kommunizieren mit einer Kommandozentrale namens FruitStone.
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Neue Methode umgeht Zwei-Faktor-Authentifizierung
Seit dem 16. Juli beobachten Experten eine deutliche VerschĂ€rfung der Taktik: Die Hacker nutzen den Microsoft-Device-Code-Authentifizierungsfluss, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen. Nutzer werden auf eine Seite gefĂŒhrt, auf der sie einen Code eingeben sollen â ohne es zu ahnen, erteilen sie den Angreifern damit ein gĂŒltiges Sitzungstoken.
ZunĂ€chst hatten Sicherheitsforscher die AktivitĂ€ten der Gruppe APT28 zugeschrieben. Microsoft hat jedoch klargestellt: Verantwortlich ist der Cluster Storm-2945, der zur Gruppe Midnight Blizzard gehört â auch bekannt als APT29 oder Cozy Bear. Dieselbe Gruppe steht hinter dem spektakulĂ€ren SolarWinds-Angriff von 2020.
SchutzmaĂnahmen fĂŒr Unternehmen und Reisende
Die Sicherheitsforscher raten Unternehmen, grundsÀtzlich phishing-resistente MFA-Verfahren durchzusetzen und öffentliche WLAN-Netze als potenziell feindlich zu behandeln. Konkret empfehlen sie GeschÀftsreisenden:
- Immer aktive VPN-Lösungen mit vollstÀndigem Tunnel statt Hotel-WLAN
- Mobilfunk-Hotspots as sichere Alternative
- Deaktivierung der Device-Code-Authentifizierung, sofern betrieblich nicht erforderlich
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Zudem sollten Unternehmen ihre Anmelde-Logs auf unerwartete Authentifizierungsversuche prĂŒfen, regelmĂ€Ăige Firmware-Updates fĂŒr NetzwerkgerĂ€te einspielen und Zero-Trust-Netzwerkrichtlinien implementieren. Die Angreifer setzen nach Erkenntnissen von Microsoft offenbar auch kĂŒnstliche Intelligenz ein â Details dazu bleiben allerdings vage.
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