CAR-T-Therapie bei soliden Tumoren: MPZL1 in 2.200 Proben untersucht
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zelluläre Immuntherapie gilt als einer der wichtigsten Ansätze in der modernen Onkologie, stieß bei soliden Tumoren bislang jedoch auf erhebliche Hürden. Während CAR-T-Zellen bei bestimmten Krebserkrankungen des Blutes bereits etabliert sind, fehlte es bei soliden Gewebetumoren lange an geeigneten Zielmolekülen, die verlässlich auf den Krebszellen vorkommen und gesundes Gewebe verschonen.
Aktuelle Forschungsergebnisse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Heidelberg weisen nun auf einen vielversprechenden Ansatzpunkt hin: Das Gen MPZL1 könnte als übergreifende Zielstruktur für künftige Zelltherapien dienen.
Untersuchung an mehr als 2.000 Tumorproben
Wie aus Berichten von Anfang Oktober 2026 über eine in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienene Originalarbeit (Jiménez-Vázquez, Berthel et al., Band 17, Artikel 9695, DOI: 10.1038/s41467-026-77465-5) hervorgeht, identifizierte ein Team um Prof. Dr. Darjus Tschaharganeh das Gen MPZL1 als potenzielles Angriffsziel.
Tschaharganeh forscht am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg und an der Medizinischen Fakultät Heidelberg und war zuvor am DKFZ tätig.
Das Gen MPZL1 liegt auf einem Chromosomenabschnitt, der bei soliden Tumoren besonders häufig vervielfältigt ist. Infolgedessen präsentieren bösartige Zellen außergewöhnlich große Mengen des MPZL1-Proteins auf ihrer Oberfläche.
Gesundes Gewebe weist diese Dichte hingegen in deutlich geringerem Maße auf. Die Forschungsgruppe wies dieses Verteilungsmuster anhand einer Analyse von 2.200 Tumorproben verschiedenster Krebsarten im Vergleich zu gesundem Referenzgewebe nach.
Solide Tumoren galten für CAR-T-Zellen lange als kaum erreichbar, weil ein Zielmolekül fehlte, das auf Krebszellen dicht und auf gesundem Gewebe selten vorkommt. Eine aktuelle Arbeit beschreibt das Gen MPZL1 als mögliche übergreifende Zielstruktur — belegt an 2.200 Tumorproben und in zwei Mausmodellen. Kostenlosen Leitfaden zur MPZL1-Einordnung anfordern
Wirksamkeit im Labor und in Tiermodellen
In präklinischen Laborexperimenten richteten die Forschenden speziell modifizierte CAR-T-Zellen gegen das Protein aus. Die MPZL1-spezifischen Abwehrzellen attackierten und zerstörten daraufhin im Labor erfolgreich Krebszellen mehrerer schwer behandelbarer Krebsarten, darunter Leberkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Glioblastome. Wurde das Zielprotein MPZL1 nicht exprimiert, blieb ein solcher Angriff nahezu vollständig aus.
Die therapeutische Wirkung zeigte sich auch in Versuchen an lebenden Organismen: In zwei krebstragenden Mausmodellen führte eine einmalige Gabe der MPZL1-spezifischen CAR-T-Zellen zu einer starken Rückbildung der MPZL1-positiven Tumoren. Zudem konnten die Zellen in MPZL1-positives Tumorgewebe von Patienten vordringen und dort Anzeichen einer Immunaktivierung auslösen, während diese Reaktion in gesundem Patientengewebe spürbar geringer ausfiel.
Offene Fragen zu Sicherheit und klinischer Anwendung
Trotz dieser Ergebnisse steht das Verfahren am Anfang der Translationskette. Ein Nachweis über die tatsächliche Wirksamkeit und die biologische Sicherheit beim Menschen liegt bislang nicht vor.
Bevor MPZL1-spezifische CAR-T-Zellen den Weg in klinische Prüfphasen finden, steht die Sicherheitsfrage: Die bisher konstruierten Zellen erkennen nur die menschliche Variante des Zielproteins, nicht die der Maus — Toxizitäten lassen sich im Tiermodell also nur eingeschränkt vorhersagen. Unser Leitfaden bündelt die offenen Punkte als abarbeitbare Checkliste. Checkliste offener Sicherheitsfragen jetzt sichern
Das Nebenwirkungsprofil bedarf weiterer Untersuchungen, da die gegenwärtig konstruierten CAR-T-Zellen ausschließlich die menschliche Variante des Zielproteins MPZL1 erkennen, nicht jedoch das entsprechende Pendant bei Mäusen. Dadurch lassen sich potenzielle Toxizitäten im Tiermodell nur eingeschränkt vorhersagen. Ob sich der Ansatz in klinischen Studien am Patienten bewährt, müssen nachfolgende Prüfphasen zeigen.
