CAR-T-Zelltherapie, RA-Patienten

CAR-T-Zelltherapie: Vier von sechs RA-Patienten erreichen Remission

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Charité-Studie zeigt bei sechs schwer erkrankten Patienten weniger Krankheitsaktivität und Remissionen; eine Vergleichsstudie ist vorgesehen.

Charité testet CAR-T-Zellen gegen schwere rheumatoide Arthritis
Ein modernes, steriles Labor mit einem Forschungsmikroskop und Glasgeräten auf einem Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Immunmodulation bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen entwickelt sich zunehmend in Richtung zellbasierter Therapien, die ursprünglich in der Krebsmedizin entwickelt wurden.

Ein aktuelles Beispiel liefert eine Phase-I-Studie der Charité Berlin, deren Ergebnisse in Nature Medicine veröffentlicht wurden: Die CAR-T-Zelltherapie Mivocabtagene autoleucel wurde bei Patienten mit therapierefraktärer seropositiver rheumatoider Arthritis untersucht und zeigte bei allen Teilnehmenden eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität.

Studiendesign und Patientenkollektiv

An der COMPARE-Studie nahmen sechs Patienten im Alter zwischen 31 und 69 Jahren teil, darunter drei Frauen und drei Männer. Alle litten an schwerer rheumatoider Arthritis und hatten auf mehrere vorangegangene Therapien nicht angesprochen. Für diese Gruppe therapierefraktärer Fälle stellt die CAR-T-Zelltherapie einen experimentellen Ansatz dar, der über die klassische krankheitsmodifizierende Behandlung hinausgeht.

Wirkmechanismus: Gezielte Elimination von B-Zellen

Die eingesetzten CAR-T-Zellen richten sich gegen das Oberflächenprotein CD19 und eliminieren dadurch krankheitsassoziierte B-Zellen, die bei der Entstehung von Autoimmunreaktionen eine zentrale Rolle spielen. Nach der Behandlung sanken die Autoantikörperspiegel, während sich die B-Zellpopulation neu bildete und dabei überwiegend aus naiven, also noch nicht krankheitsassoziierten Zellen bestand.

Bemerkenswert ist, dass die durch frühere Schutzimpfungen aufgebauten Antikörper trotz der weitgehenden B-Zell-Depletion erhalten blieben – ein Hinweis darauf, dass die Therapie gezielt in die krankheitsrelevanten Immunprozesse eingreift, ohne die grundlegende Immunkompetenz vollständig zu zerstören.

Ergebnisse: Deutlicher Rückgang der Krankheitsaktivität

Der Krankheitsaktivitätsindex DAS28-CRP sank bei den behandelten Patienten bis Woche 24 um 49 Prozent. Vier der sechs Patienten erreichten eine Remission, wobei drei von ihnen diesen Zustand ganz ohne begleitende krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARD) oder Glucocorticoide erreichten.

Laut den verfügbaren Angaben hielt die Remission bei einigen Patienten bis zu einem Jahr an, ohne dass weitere RA-Medikamente notwendig waren – ein Ergebnis, das angesichts der Vorgeschichte therapierefraktärer Verläufe als bemerkenswert gilt.

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Sicherheitsprofil

Hinsichtlich der Verträglichkeit berichteten die Studienautoren von einem milden bis moderaten Zytokinfreisetzungssyndrom, einer bekannten Nebenwirkung von CAR-T-Zelltherapien, die typischerweise mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen einhergeht.

Schwere neurologische Komplikationen, wie sie bei CAR-T-Zelltherapien in der Onkologie gelegentlich auftreten, wurden in dieser Studie nicht beobachtet. Das Sicherheitsprofil wird damit als kontrollierbar eingeordnet, wenngleich die geringe Fallzahl von sechs Patienten noch keine abschließende Bewertung erlaubt.

Nächste Schritte: Phase-2-Studie geplant

Die Charité plant eine Phase-2-Studie mit zehn Patienten, in der die CAR-T-Zelltherapie erstmals im direkten Vergleich mit einem bereits zugelassenen Medikament getestet werden soll. Erst dieser Vergleich wird zeigen, ob sich der in der Phase-I-Studie beobachtete Effekt gegenüber etablierten Behandlungsoptionen als überlegen erweist oder ob er sich in einem größeren, kontrollierten Studiendesign relativiert.

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Einordnung für die Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen

Die Ergebnisse aus Berlin reihen sich in eine breitere Entwicklung ein, bei der zellbasierte Immuntherapien zunehmend auch für Autoimmunerkrankungen jenseits der Onkologie erprobt werden. Für Patienten mit therapierefraktärer rheumatoider Arthritis, die auf die verfügbaren Wirkstoffklassen nicht ansprechen, könnte ein solcher Ansatz mittelfristig eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen.

Angesichts der bislang sehr kleinen Studienpopulation und des frühen Entwicklungsstadiums bleibt jedoch abzuwarten, wie sich Wirksamkeit und Sicherheit in größeren, vergleichenden Studien wie der geplanten Phase-2-Untersuchung bestätigen lassen.

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