Carhartt-Datenleck: ShinyHunters veröffentlicht 12,9 Mio. Konten
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Cybersicherheitslandschaft verzeichnet einen massiven Datenabfluss beim US-amerikanischen Bekleidungshersteller Carhartt. Die Hackergruppe ShinyHunters hat einen Datensatz veröffentlicht, der nach verifizierten Angaben Informationen von 12.933.413 Kundenkonten enthält. Damit korrigierte sich die ursprünglich von der Gruppe verbreitete Zahl deutlich nach unten; zunächst hatten die Akteure behauptet, im Besitz von Daten von rund 24,8 Millionen Konten zu sein.
Analyse der betroffenen Datensätze
Die endgültige Zahl der betroffenen Konten wurde durch den Dienst Have I Been Pwned (HIBP) bestätigt. Eine detaillierte Untersuchung der zunächst von ShinyHunters genannten 24.876.077 E-Mail-Adressen legte offen, dass ein erheblicher Teil der Daten nicht authentisch war.
Expertenanalysen zufolge waren etwa 45 % dieser Liste synthetisch generiert, wobei der TPC-DS-Benchmark zur Identifizierung genutzt wurde. Die tatsächliche Anzahl der echten E-Mail-Adressen in der ursprünglichen Veröffentlichung lag demnach bei etwa 13,6 Millionen.
Auffällig ist zudem der Überschneidungsgrad mit bereits bekannten Datenpannen: 83 % der in dem Carhartt-Leak enthaltenen E-Mail-Adressen waren bereits zuvor in den Datenbanken von HIBP gelistet. Dies deutet darauf hin, dass ein Großteil der betroffenen Nutzer bereits in der Vergangenheit Opfer von Sicherheitsverletzungen bei anderen Plattformen geworden ist.
Umfang der entwendeten Informationen
Die von der Hackergruppe auf ihrer Leak-Seite bereitgestellten Informationen umfassen eine breite Palette an personenbezogenen Daten. Dazu gehören Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie postalische Anschriften von Kunden. Berichten zufolge sind neben Kundeninformationen auch Mitarbeiterdaten und verschiedene Metadaten Teil des Pakets.
Angesichts von Millionen gehackter Konten pro Quartal in Deutschland ist der Schutz der eigenen digitalen Identität wichtiger denn je. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen, wie Sie mit modernen Methoden wie Passkeys Ihre Konten gegen Datenklau absichern. Passkeys-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen
Für die betroffenen Nutzer gibt es jedoch eine teilweise Entwarnung im Hinblick auf die Passwortsicherheit: Analysen des Datenlecks ergaben, dass keine Passwörter in den veröffentlichten Datensätzen enthalten waren. Dennoch stellen die abgeflossenen Kontaktinformationen ein erhebliches Risiko für gezielte Phishing-Angriffe oder Identitätsdiebstahl dar.
Hintergrund und Lösegeldforderung
Der Veröffentlichung der Daten ging ein Erpressungsversuch voraus. ShinyHunters hatte von Carhartt ein Lösegeld in Höhe von 3,3 Millionen US-Dollar gefordert. Da diese Forderung offenbar nicht erfüllt wurde, stellten die Angreifer die Informationen öffentlich zur Verfügung.
Wer sich vor den zunehmenden Gefahren durch Hacker und Datenmissbrauch schützen möchte, benötigt eine klare Sicherheitsstrategie für seine Geräte. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, welche fünf einfachen Maßnahmen Experten für den täglichen Schutz empfehlen. 5 Schutzmaßnahmen jetzt entdecken
Die Echtheit der Daten konnte durch HIBP-Analysen verifiziert werden, wobei den Sicherheitsanalysten insbesondere Anomalien bei bestimmten Domains wie .edu und .org auffielen, die auf die künstliche Aufblähung des Datensatzes hindeuteten.
Der Vorfall bei Carhartt folgt zeitlich auf einen gescheiterten Angriffsversuch derselben Gruppe auf das Sicherheitsunternehmen ReliaQuest. Branchenexperten beobachten die Aktivitäten von ShinyHunters bereits seit längerem, da die Gruppe immer wieder durch großflächige Datendiebstähle und anschließende Lösegeldforderungen bei namhaften Unternehmen in Erscheinung tritt.
Juristen raten betroffenen Kunden und Mitarbeitern, in den kommenden Monaten besonders aufmerksam gegenüber unaufgeforderten Kontaktaufnahmen zu sein und ihre Konten auf verdächtige Aktivitäten zu prüfen. Da Klarnamen und Adressen im Umlauf sind, könnten Kriminelle diese für glaubwürdig erscheinende Betrugsversuche nutzen.
Mehr zum Thema bei The Register: „Carhartt data breach affects 12.9M, half of what ShinyHunters claimed“
