CARTIHEAL AGILI-C: Fünfjahresdaten zeigen bessere Werte als Standardverfahren
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Gelenkschäden und beginnendem Gelenkverschleiß steht vor einem therapeutischen Wandel. Der Medizintechnikkonzern Smith & Nephew PLC mit Sitz in Watford, England, weitet die Verfügbarkeit seines Implantats CARTIHEAL AGILI-C auf den europäischen Markt aus.
Zu den ersten Vertriebsregionen zählen Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Spanien, Irland und das Vereinigte Königreich; weitere Länder sollen folgen.
Das Verfahren zielt auf die Reparatur von Knorpelgewebe sowie die Wiederherstellung des darunterliegenden Knochens ab und adressiert damit Defekte, die bislang häufig zu anhaltenden Bewegungseinschränkungen führten.
Korallenbasiertes Gerüst für die regenerative Gelenkchirurgie
Das Implantat basiert auf Aragonit, einem Kalziumkarbonat-Polymorph, das aus marinen Korallen gewonnen und mit Hyaluronat kombiniert wird. Konstruiert ist das Medizinprodukt als biphasisches Gerüst, das sowohl Knorpelstrukturen reparieren als auch Knochensubstanz regenerieren und Schmerzen lindern soll.
Mit einer Druckfestigkeit von 10 bis 30 MPa entspricht das Gerüst in seinen mechanischen Eigenschaften annähernd der nativen Spongiosa des Knochens. Nach Herstellerangaben ist das Produkt als gebrauchsfertige Sofortlösung („off-the-shelf“) konzipiert und wird in einem einzeitigen Eingriff entweder rein arthroskopisch oder über einen mini-offenen Zugang eingesetzt.
Das System verfügt über eine FDA-PMA-Zulassung und ist für Knorpel- und Knochendefektflächen von bis zu 7 cm² indiziert. Während die Markteinführung in den USA bereits im Jahr 2024 stattfand, wurde für den europäischen Raum bislang kein offizieller Listenpreis kommuniziert.
Fünfjahresdaten belegen Überlegenheit gegenüber Standardverfahren
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Grundlage für den breiteren Einsatz sind klinische Langzeitergebnisse, die in einer multizentrischen, randomisierten kontrollierten Studie unter Leitung von Altschuler et al. im Fachjournal American Journal of Sports Medicine (AJSM 2026) dokumentiert wurden.
An der Untersuchung nahmen 26 Zentren aus acht Ländern teil. In einem Randomisierungsverhältnis von 2:1 wurden 167 Patienten mit dem Aragonit-Implantat und 84 Patienten mittels konventionellem Debridement beziehungsweise Mikrofrakturierung versorgt.
Die Erhebungen über einen Zeitraum von fünf Jahren zeigten deutliche Unterschiede im Kniefunktions- und Arthrosescore (KOOS):
- Der durchschnittliche 5-Jahres-KOOS lag in der Implantatgruppe bei 81,0 Punkten gegenüber 59,1 Punkten in der Kontrollgruppe, was einer Differenz von 22,6 Punkten entspricht (95%-Konfidenzintervall: 16,6–28,7).
- Der Anteil der Therapieresponder, definiert als Verbesserung um mindestens 30 Punkte, betrug 74,7 Prozent gegenüber 29,6 Prozent.
- Die Rate des Therapieversagens belief sich auf 15,0 Prozent im Vergleich zu 35,7 Prozent unter der Standardbehandlung (p<0,001).
Bemerkenswert für die Indikationsstellung bei älteren Patienten sind die Resultate bei bestehender leichter bis mittlerer Kniearthrose: Auch hier wiesen die Implantat-Empfänger eine Responder-Quote von 74,6 Prozent im Vergleich zu 36,2 Prozent in der Kontrollgruppe auf, während die Therapieversagensrate bei 13,2 Prozent gegenüber 40,7 Prozent lag.
Patienten verzeichneten nach 24, 48 und 60 Monaten signifikante Verbesserungen bei Schmerz, Mobilität, Freizeitaktivitäten und Alltagsfunktionen, ohne dass sich signifikante Unterschiede im Ansprechen zwischen isolierten Knorpeldefekten und leichten Arthroseformen zeigten.
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Präsentation auf Fachkongress und Unternehmenshintergrund
Smith & Nephew präsentiert das Verfahren vom 8. bis 10. Oktober 2026 auf dem Summit der International Cartilage Regeneration & Joint Preservation Society (ICRS) in Porto, Portugal.
Der britische Konzern beschäftigt rund 17.000 Mitarbeiter in rund 100 Ländern und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Gesamtumsatz von 6,2 Milliarden US-Dollar. Mit der Einführung des Knorpelimplantats in Europa verstärkt das Unternehmen seine Präsenz im Bereich der regenerativen Gelenkerhaltung, insbesondere für Patienten, bei denen gelenkerhaltende Eingriffe den Einsatz einer Endoprothese hinauszögern sollen.
