CED-Versorgung: Ein Psychologe betreut in Portugal rund 700 Patienten
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deChronische Darmentzündungen wie Kolitis weisen keine isolierte Einzelursache auf. Fachbeiträge verdeutlichen, dass das Zusammenspiel aus Infektionen, Reaktionen des Immunsystems, Ernährungsgewohnheiten, psychischem Stress und der Zusammensetzung der Darmflora die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung maßgeblich bestimmt. Entsprechend rücken Lebensstilfaktoren und ganzheitliche Behandlungsansätze verstärkt in den Fokus medizinischer Diskussionen.
Ernährungsmuster und Risikofaktoren im Fokus
In Fachbeiträgen wird Betroffenen geraten, auf regelmäßige Mahlzeiten zu achten und den Anteil an Ballaststoffen über Gemüse und Vollkornprodukte zu erhöhen. Im Gegenzug empfiehlt sich ein reduzierter Konsum von frittierten, gegrillten und hoch verarbeiteten Lebensmitteln.
Zudem wird davon abgeraten, Antidiarrhoika oder Antibiotika über längere Zeit eigenmächtig einzunehmen. Bei anhaltendem Blut- oder Schleimstuhl, Bauchschmerzen oder auffälligen Veränderungen des Stuhlgangs sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Ergänzende Hinweise liefert eine Studie aus Riad in Saudi-Arabien, in der 219 erwachsene Personen mit Morbus Crohn mit 395 Personen ohne die Erkrankung verglichen wurden. Die Gruppe der Erkrankten berichtete häufiger über den Verzehr von Fast Food, kohlensäurehaltigen Softdrinks und scharfem Essen. Auffällig war zugleich ein höherer Obstkonsum in dieser Gruppe, was als widersprüchlich eingestuft wird.
Teilnehmende, die seltener Fast Food, Softdrinks und scharfe Speisen konsumierten, wiesen geringere Crohn-Wahrscheinlichkeiten auf, und zwar unabhängig vom jeweiligen Obstkonsum.
Die Studienautoren betonen jedoch methodische Einschränkungen: Ein Kausalnachweis lässt sich daraus nicht ableiten, da Ernährungsumstellungen möglicherweise bereits vor der formalen Diagnose stattfanden. Zudem können Erinnerungsverzerrungen eine Rolle spielen, und die Untersuchung beschränkte sich auf eine einzelne Stadt.
Die Rolle der Darm-Hirn-Achse und psychologischer Faktoren
Neben der Ernährung beeinflussen auch Schlaf, Bewegung und Stressbewältigung den Krankheitsverlauf als modifizierbare Faktoren. Auf dem 10. Kongress der Associação Portuguesa da Doença Inflamatória do Intestino (APDI), der sich am 24. Oktober 2026 in Lissabon mit der Darm-Hirn-Achse befasste, betonten Fachleute, dass eine reine Entzündungskontrolle nicht ausreiche. Nötig seien psychologische Unterstützung, Ernährungsberatung und multidisziplinäre Teams.
Wer sich mit dem Einfluss von Entzündungen auf das allgemeine Wohlbefinden befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wertvolle Tipps zur Linderung von Beschwerden durch gezielte Ernährung. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt entdecken
Der Psychologe Jorge Ascenção hob auf dem Kongress hervor, dass die Bewältigung der Erkrankung bereits mit dem ersten Auftreten von Symptomen beginne. Die Gastroenterologin Sandra Lopes warnte, eine reine Symptomkontrolle verhindere für sich allein noch keine dauerhaften Darmschäden.
Wie die Pflegekraft Tatiana Morais darlegte, betreut im Hospital Beatriz Ângelo ein einzelner Psychologe rund 700 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in der Tagesklinik. Nach Angaben der Ordem dos Psicólogos verfügt Portugal lediglich über etwa ein Fünftel der tatsächlich benötigten Psychologen.
Bedeutung des Mikrobioms und therapeutische Ansätze
Der menschliche Dickdarm misst rund 1,5 Meter, beherbergt das Mikrobiom und ist an der Bildung kurzkettiger Fettsäuren sowie von Vitamin K beteiligt. Schätzungen zufolge betrifft das Reizdarmsyndrom etwa 12 % der Bevölkerung.
Chronische Entzündungen können sich durch vielfältige Symptome wie Gelenkschmerzen oder ständige Müdigkeit äußern. Ein kostenloser Selbsttest hilft Ihnen dabei, die Signale Ihres Körpers besser einzuordnen und gegenzusteuern. Kostenlosen Ratgeber inklusive Selbsttest anfordern
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beschränken sich zudem oft nicht auf den Verdauungstrakt: Sie können Gelenke, Haut und Augen betreffen sowie Blutarmut und Mangelernährung nach sich ziehen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Darm- und Rektumkrebs weltweit die dritthäufigste Krebsart und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Fachleute empfehlen für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von etwa 30 Gramm Ballaststoffen sowie Vorsorgeuntersuchungen ab einem Alter von 45 bis 50 Jahren.
In der Debatte um das Mikrobiom gewinnen auch Postbiotika an Bedeutung, deren Begriff im Jahr 2021 definiert wurde. Wie der Mikrobiologe Colin Hill vom University College Cork erläuterte, handelt es sich dabei um inaktive Mikroorganismen oder deren Bestandteile mit nachgewiesenen Gesundheitsvorteilen. Diese können mit dem Immunsystem interagieren, die Darmbarriere unterstützen und Entzündungen beeinflussen, wobei die Wirkmechanismen stammabhängig sind.
Zwei kleinere Studien aus dem Jahr 2026 deuten zudem darauf hin, dass Postbiotika bei Frauen mittleren Alters Magen-Darm-Beschwerden lindern und das Hautbild verbessern können.
Emily Leeming vom King's College London verwies auf die britische Empfehlung von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag für Erwachsene sowie auf eine Stanford-Studie, nach der ein hoher Anteil fermentierter Lebensmittel die Vielfalt des Mikrobioms erhöhte und Entzündungsmarker senkte. Sollten sich bei entsprechenden Interventionen nach etwa zwölf Wochen keine Veränderungen zeigen, empfiehlt Leeming, die Maßnahme zu beenden.
