Chainalysis-KI: Bitget-Spur über vier Blockchains in unter zehn Minuten rekonstruiert
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Kampf gegen professionell organisierte Kriminalität im Krypto-Sektor setzen Sicherheitsfirmen zunehmend auf hauseigene Systeme mit künstlicher Intelligenz.
Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis nutzte eigene KI-Werkzeuge, um die komplexen, über mehrere Blockchains verteilten Geldbewegungen nach dem Angriff auf die Handelsplattform Bitget vom 24. September 2026 nachzuverfolgen. Der Fall verdeutlicht den wachsenden Stellenwert automatisierter Analysewerkzeuge bei der Aufklärung groß angelegter Cyberangriffe im Finanzbereich.
Komplexe Verschleierung über mehrere Netzwerke
Der Diebstahl vom 24. September 2026, der Nordkorea-nahen Akteuren zugeschrieben wird, verursachte einen Schaden von 387 Millionen US-Dollar; eine Quelle bezifferte die Verlustschätzung auf 387,5 Millionen US-Dollar. Durch diesen Vorfall überstieg das durch nordkoreanische Gruppierungen im Jahr 2026 entwendete Krypto-Volumen laut Angaben von Chainalysis die Marke von einer Milliarde US-Dollar.
Die Täter versuchten, die Spur der Beute unmittelbar nach dem Angriff zu verwischen. Allein in den ersten drei Stunden flossen die Gelder über 23 separate Transfers ab. Die Verteilung erstreckte sich dabei über vier unterschiedliche Netzwerke: Auf Ethereum entfielen 49,7 Prozent des Volumens, auf XRP 40,8 Prozent, auf Zcash 7,6 Prozent und auf Tron 1,8 Prozent.
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Zudem wurden Zehnmillionenbeträge in XRP über ein Cross-Chain-Protokoll in Bitcoin umgewandelt. Die Verschiebung der Gelder erstreckte sich insgesamt über einen Zeitraum von rund 36 Stunden.
Zeitersparnis durch automatisierte Bridge-Abstimmung
Bei der Rekonstruktion solcher Transaktionen über Schnittstellen und Brücken zwischen verschiedenen Protokollen stößt die traditionelle, manuelle Datenprüfung an zeitliche Grenzen. Nach Angaben von Chainalysis verkürzte das firmeneigene KI-Werkzeug die ansonsten notwendige manuelle Bridge-Abstimmung von mehr als 20 Stunden auf unter zehn Minuten.
Trotz des hohen Automatisierungsgrads blieb die Kontrolle bei den menschlichen Forensikern: Ermittler steuerten die Untersuchung, definierten die zugrunde liegende Logik und überprüften die von der Software ermittelten Ergebnisse im Detail.
Schutzmaßnahmen und schrittweise Wiederaufnahme bei Bitget
Auf Seiten der betroffenen Handelsplattform liefen parallel Maßnahmen zur Schadensbegrenzung an. Bis zum 26. September 2026 konnten rund 318.000 US-Dollar in den Stablecoins USDC und USDT eingefroren werden. Um die Wiederbeschaffung voranzutreiben, setzte Bitget jeweils eine Prämie in Höhe von fünf Prozent für Unterstützer aus, die gestohlene Mittel einfrieren oder erfolgreich zurückholen.
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In den Folgetagen stellte die Börse den regulären Betrieb schrittweise wieder her. Das Unternehmen meldete die Wiederaufnahme von Auszahlungen für Bitcoin am 28. September 2026, gefolgt von Ethereum am 29. September 2026 und Tether (USDT) am 30. September 2026. Zur Absicherung der Kunden verwies Bitget auf einen eingerichteten Schutzfonds im Umfang von 300 Millionen US-Dollar sowie eine Reservequote von 131 Prozent für 19 erfasste Vermögenswerte.
