ChainDrop-Wurm, Kriminelle

ChainDrop-Wurm: 400 npm-Pakete kompromittiert – 4. August

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kriminelle nutzen täuschend echte Web-Elemente für Datenklau. Betroffen sind Nutzer weltweit, von Hotel-WLANs bis zu Online-Shops.

Cyberangriffe 2026: Neue Betrugswellen mit falschen CAPTCHAs und manipulierten Cloud-Diensten
Ein Laptop-Bildschirm zeigt eine fehlerhafte digitale Oberfläche und Warnsymbole, die Cyber-Sicherheitsbedrohungen darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Kriminelle nutzen zunehmend täuschend echte Web-Elemente, um Systeme zu kompromittieren. Gleich mehrere groß angelegte Kampagnen wurden in dieser Woche aufgedeckt.

„ClickFix“: Die Masche mit dem falschen CAPTCHA

Eine besonders perfide Betrugsmethode namens ClickFix verbreitet sich rasant. Die Idee dahinter: Opfer sollen glauben, sie müssten ein technisches Problem lösen oder einen CAPTCHA-Check absolvieren. Doch statt eines simplen Klicks auf ein Kästchen werden sie aufgefordert, Tastenkombinationen wie Windows+R, dann Strg+V und Enter auszuführen. Was folgt, ist ein bösartiges PowerShell-Skript, das eine Spionagesoftware installiert – mit Zugriff auf Bankdaten, Browser-Zugangsdaten und Sitzungscookies.

Die Betrugswelle richtet sich nach Erkenntnissen von Ermittlungsbehörden und Experten für Identitätsdiebstahl derzeit gezielt gegen Nutzer in den USA, Kenia, Nigeria und der Ukraine. In der Ukraine nutzt die als UAC-0145 bekannte Hackergruppe die falschen CAPTCHAs demnach, um spezialisierte Werkzeuge zur Systemausbeutung zu verteilen.

Missbrauch seriöser Infrastruktur: Wenn Cloud-Dienste zu Waffen werden

Ein besorgniserregender Trend: Cyberkriminelle kapern zunehmend legitime Cloud-Dienste für ihre Zwecke. Forscher entdeckten mehr als 12.700 betrügerische PDF-Dateien mit CAPTCHA-Bezug auf dem Content-Delivery-Netzwerk von Webflow. Die Kampagne nutzt manipulierte Suchmaschinen-Ergebnisse und Weiterleitungssysteme, um Nutzer auf die Schadsoftware LegionLoader zu locken. Wichtig dabei: Webflow selbst wurde offenbar nicht kompromittiert – die Angreifer missbrauchen lediglich die Infrastruktur, um ihren Ködern einen seriösen Anstrich zu verleihen.

Parallel dazu läuft eine ausgeklügelte Phishing-Kampagne, die sich als Bank of America ausgibt. Seit Ende Juli erhalten Kunden täuschend echte E-Mails mit der Aufforderung, ein angebliches Sicherheitstool namens „Account Guard“ zu installieren. Bei Windows-Nutzern spielt der Installer das Fernwartungstool ScreenConnect mit Administratorrechten aus – die Sicherheitsabfrage des Systems wird dabei elegant umgangen. Anschließend wird die Installation durch geschickte Berechtigungsänderungen vor dem Nutzer versteckt. Mac-Anwender werden hingegen mit klassischen Passwort-Phishing-Methoden attackiert.

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Angriffe auf Hotel-WLAN und Lieferketten

Microsoft Threat Intelligence berichtet von einer neuen Kampagne namens CaptiveCrunch: Die mit Russland in Verbindung gebrachte Gruppe Midnight Blizzard, auch als Storm-2945 bekannt, hat es seit Mai auf Hotel-WLAN-Netze abgesehen. Die Angreifer manipulieren die Anmeldeseiten für Gäste und schleusen darüber Datendiebe und Fernzugriffs-Trojaner ein – häufig ebenfalls über die ClickFix-Methode.

Noch gravierender ist der Fund eines selbstverbreitenden Wurms namens ChainDrop, der am 4. August öffentlich wurde. Mehr als 400 npm-Pakete – darunter weit verbreitete Komponenten wie keyv und flat-cache – sind betroffen. Der Wurm stiehlt Zugangsdaten für Plattformen wie GitHub, AWS und Kubernetes und verbreitet sich über gestohlene npm-Tokens automatisch weiter. Für Unternehmen, die diese Pakete in ihren Software-Lieferketten verwenden, könnte das erhebliche Konsequenzen haben.

Neue Tricks im Online-Handel und bei Cloud-Diensten

Auch der E-Commerce rückt ins Visier der Angreifer. Sicherheitsforscher von Sansec entdeckten eine Technik, bei der Kreditkarten-Diebstahl direkt in SVG-Bilddateien versteckt wird. Ein unscheinbares 1x1-Pixel-Bild enthält einen eingebetteten Code, der eine gefälschte Checkout-Oberfläche über die echte legt – und so Zahlungsdaten abgreift. Betroffen sind vor allem Magento-basierte Shops.

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Zudem hat die Phishing-as-a-Service-Plattform „Greatness“ ihre Fähigkeiten erweitert. Neu im Repertoire: sogenanntes Device-Code-Phishing, das die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgeht und Sitzungstokens von Microsoft-365-Konten stiehlt. Die Methode folgt auf eine separate Kampagne im Juni und Juli, die legitime Microsoft-Anmeldeseiten missbrauchte, um sich unbefugten Zugang zu Unternehmens-E-Mails und Teams-Daten zu verschaffen.

Die aktuelle Welle zeigt: Cyberkriminelle werden immer erfinderischer, wenn es darum geht, menschliche Vertrauensmechanismen auszunutzen. Für Unternehmen und Privatnutzer gilt mehr denn je: Vorsicht bei unerwarteten Aufforderungen zur Installation von Software – auch wenn die Absender seriös wirken.

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