Chatbot-Datenschutz: Einstellungen verhindern menschliche Prüfungen nicht immer
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Berichte vom 4. November 2026 zeigen, dass die Datenschutzeinstellungen führender Anbieter wie OpenAI, Google, Microsoft und Anthropic die Nutzung von Konversationen zwar einschränken können, manuelle Kontrollen durch Mitarbeiter jedoch nicht durchgehend verhindern. Zudem garantieren die verfügbaren Optionen keine unmittelbare Löschung einmal übermittelter Inhalte.
Sicherheitsprüfungen und Speicherdauern bei OpenAI und Google
Bei ChatGPT von OpenAI können Unterhaltungen zu Zwecken der IT-Sicherheit, der Fehlersuche sowie für das Modelltraining durch Menschen eingesehen werden. Zwar geschieht dies nicht routinemäßig, automatisierte Systeme leiten jedoch verdächtige Verläufe an Prüfer weiter.
Nutzer können das Training in den Einstellungen unter der Datenkontrolle über die Option zur Modellverbesserung deaktivieren. Sogenannte temporäre Unterhaltungen sind vom Training grundsätzlich ausgenommen, bleiben zur Missbrauchsprüfung aber meist für 30 Tage gespeichert, sofern keine rechtlichen Vorgaben oder Sicherheitsausnahmen greifen.
Zudem führte OpenAI am 20. Oktober 2026 eine Funktion für gesperrte Chats ein, die über eine vierstellige PIN geschützt werden. Diese Neuerung ändert allerdings weder die Speicherfristen noch die Trainingsvorgaben und bietet keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
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Bei Google stoppt das Deaktivieren der Aktivitätsspeicherung das Training künftiger Modelle anhand von Gemini-Dialogen, ausgenommen bei explizitem Nutzerfeedback. Für Systemzwecke und Sicherheitsanforderungen verbleiben die Daten dennoch bis zu 72 Stunden im System.
Eine Teilmenge der Gemini-Eingaben wird zudem von geschulten Dienstleistern begutachtet, nachdem die Verknüpfung zum Benutzerkonto gelöst wurde. Diese menschlich geprüften Dialoge speichert Google zusammen mit Sprach-, Geräte-, Standort- und Feedbackdaten für bis zu 3 Jahre, unabhängig von einer späteren Kontolöschung.
In der Europäischen Union stützt sich das Unternehmen dabei auf berechtigte Interessen nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe f der Datenschutz-Grundverordnung. Bei Unternehmenskonten innerhalb von Google Workspace erfolgen dagegen ohne ausdrückliche Erlaubnis weder manuelle Kontrollen noch ein externes Modelltraining.
Richtlinien bei Microsoft und Anthropic
Auch bei Copilot von Microsoft lässt sich das Training anhand von Gesprächsaktivitäten im Bereich Datenschutz des Profils ausschalten. Dennoch behält sich das Unternehmen menschliche Prüfungen vor, etwa bei Verdacht auf Verstöße gegen die Verhaltensregeln.
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Bei Claude von Anthropic kann die Modelloptimierung ebenfalls in den Datenschutzeinstellungen verwaltet werden. Sogenannte Inkognito-Chats fließen nicht in das KI-Training ein, werden jedoch für rund 30 Tage aufbewahrt.
Reale Risiken durch Dateneingaben
Welche Folgen der Transfer sensibler Daten in öffentliche Systeme haben kann, verdeutlicht ein Vorfall am Johns Hopkins Bayview Medical Center in Baltimore.
Das Krankenhaus verschickte ab dem 22. Oktober 2026 Benachrichtigungen an rund 3.182 Patienten, nachdem eine interne Überprüfung am 21. September 2026 ergeben hatte, dass ein Mitarbeiter eine Datentabelle in ein nicht freigegebenes öffentliches KI-Werkzeug hochgeladen hatte.
Die betroffenen Daten bezogen sich auf Behandlungen zwischen Mai und September 2026 und umfassten Namen, Krankenaktennummern sowie Angaben zu Medikamenten. Ein Löschnachweis des Betreibers liegt der Klinik bislang nicht vor.
