ChatGPT-Funktion Computer History: 200 Tab-Wechsel pro Beitrag erkannt
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach der Installation der neuen Funktion „Computer History“ sah sich der Leiter des Codex-Teams, Thibault Sottiaux, mit ungewohnt direktem Feedback durch die künstliche Intelligenz ChatGPT konfrontiert. Das System analysierte das Nutzungsverhalten des Entwicklers und sparte dabei nicht mit sarkastischen Kommentaren zu dessen Arbeitsweise.
Wie Sottiaux Mitte August berichtete, kritisierte ChatGPT unter anderem seinen Umgang mit dem Kommunikationswerkzeug Slack. Die KI merkte an, dass nicht Sottiaux den Dienst nutze, sondern Slack vielmehr ihn verwende.
Auch das generelle Produktivitätssystem des Teamleiters wurde von der Software bewertet. ChatGPT bezeichnete dieses als einen Prozess, bei dem so lange auf die Schaltfläche zum Löschen geklickt werde, bis eine göttliche Intervention erfolge.
Ein konkretes Beispiel für die Beobachtungsgabe der neuen Funktion zeigte sich laut Sottiaux, als er einen Beitrag auf der Plattform X las, in dem es um die Abneigung gegenüber häufigen Tab-Wechseln ging. ChatGPT stellte fest, dass der Nutzer während des Lesens dieses einen Beitrags über 200 Mal zwischen verschiedenen Anwendungen gewechselt hatte.
Technologische Basis: Computer History ersetzt Chronicle
Hintergrund dieser detaillierten Verhaltensanalysen ist die Einführung von „Computer History“, einer neuen Opt-in-Funktion für die ChatGPT-Desktop-Anwendung auf macOS. Diese Funktion wurde von OpenAI als Nachfolger für das bisherige System „Chronicle“ konzipiert.
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Im Gegensatz zum Vorgänger nutzt „Computer History“ keine Screenshots, um die Aktivitäten der Nutzer nachzuvollziehen. Stattdessen werden gezielt Interaktionsereignisse aufgezeichnet. Dazu gehören Klicks, Tippvorgänge, App-Wechsel sowie die Nutzung von Tastaturkürzeln.
Ziel dieser Datenerfassung ist es, eine Zeitleiste der Nutzeraktivitäten zu erstellen und personalisierte Interaktionen zu ermöglichen. Nutzer sollen dadurch in der Lage sein, spezifische Informationen oder Dokumente – wie etwa ein Videoskript zur Computergeschichte – schneller abzurufen. Laut OpenAI reduziert die Funktion die Notwendigkeit, der KI frühere Aufgaben oder Kontexte wiederholt erklären zu müssen.
Verfügbarkeit und Datenschutzvorgaben
Die neue Funktion wird derzeit weltweit für Nutzer der Abonnements ChatGPT Pro, Business und Enterprise ausgerollt. Für Firmenkunden liegt die Entscheidungsgewalt über die Aktivierung bei den jeweiligen Administratoren. Ausgenommen von der aktuellen Einführung sind der Europäische Wirtschaftsraum (EWR), die Schweiz sowie Großbritannien. In diesen Regionen steht das System vorerst nicht zur Verfügung.
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Hinsichtlich des Datenschutzes betonte OpenAI, dass keine Bildschirm- oder Audioaufnahmen erfasst werden. Die erzeugten rohen Ereignisdaten werden zunächst lokal auf dem Endgerät gespeichert und nach 48 Stunden gelöscht. Innerhalb dieses Zeitraums werden die Daten zur Erstellung des Speichers an die Server von OpenAI übertragen.
IT-Experten gaben jedoch zu bedenken, dass die lokale Speicherung der Daten unverschlüsselt erfolgt. Zudem bestehe durch die umfassende Erfassung von Interaktionsdaten ein erhöhtes Risiko für sogenannte Prompt-Injection-Angriffe.
