ChatGPT-Plugin, OpenAI

ChatGPT-Plugin: OpenAI liest iMessages und SMS auf dem Mac

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neues ChatGPT-Plugin für macOS verlangt weitreichende Apple-Zugriffe. Datenschützer warnen vor Umgehung der iMessage-Verschlüsselung und unklarer Datenverarbeitung.

OpenAI-ChatGPT-Plugin für Mac: Zugriff auf iMessage und SMS sorgt für Kritik
Ein minimalistischer Arbeitsplatz mit einem modernen Laptop auf einem Schreibtisch in hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI hat am 20. August 2026 ein neues Plugin für ChatGPT auf dem Mac veröffentlicht, das tiefgreifende Zugriffsrechte auf die Kommunikationsdienste von Apple fordert.

Die Erweiterung ermöglicht es der Künstlichen Intelligenz, iMessage-, SMS- und RCS-Konversationen zu lesen, zu durchsuchen und Nachrichten im Namen des Nutzers zu versenden. Während OpenAI die Produktivitätsvorteile betont, warnen Sicherheitsexperten vor massiven Risiken für die Privatsphäre und die Integrität verschlüsselter Kommunikation.

Umfangreiche Berechtigungen und technischer Hintergrund

Das neue Plugin wurde von den Entwicklern Ari Weinstein und Conrad Kramer entworfen, die zuvor für das Apple-Shortcuts-Team tätig waren. Es steht derzeit für die Versionen ChatGPT Work und Codex auf Macs mit Apple-Silicon-Prozessoren zur Verfügung. Eine Version für das iPhone existiert bislang nicht.

Um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können, verlangt die Software weitreichende Systemrechte, darunter den sogenannten „Full Disk Access“ (Vollzugriff auf die Festplatte) sowie Berechtigungen für den Zugriff auf Kontakte und Automatisierungsfunktionen des Betriebssystems.

Funktional bietet die Erweiterung die Möglichkeit, Antworten vorzuschlagen, Spam zu identifizieren oder Kalendereinträge direkt aus Chatverläufen heraus zu suchen. In ersten Anwendungstests wurde das Plugin als nützlich beschrieben, um gezielt Informationen aus vergangenen Unterhaltungen abzurufen, etwa Details zu Rechnungserhöhungen inklusive exakter Beträge.

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Der Versand von Nachrichten erfordert grundsätzlich eine Freigabe durch den Anwender, wobei auch eine Option für eine dauerhafte automatische Zustimmung (Auto-Approval) integriert wurde.

Massive Kritik von Datenschützern und Experten

Unmittelbar nach der Veröffentlichung am 20. August 2026 äußerten Experten scharfe Kritik an der Architektur des Plugins. Fachleute bezeichneten die Erweiterung als eine potenzielle Hintertür, welche die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von iMessage faktisch umgehe.

Der Entwickler Steve Moraco sprach in diesem Zusammenhang von einem völligen Verzicht auf eine sichere Architektur und einem Verrat am Vertrauen der Nutzer. Kritiker warnen zudem davor, dass durch das Plugin auch Nachrichten von unbeteiligten Dritten verarbeitet werden könnten, ohne dass diese über den Zugriff durch die KI informiert werden oder ihre Zustimmung gegeben haben.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die Datenverarbeitung gemäß der Datenschutzrichtlinie von OpenAI. Bei den Modellen Free, Go, Plus und Pro ist die Nutzung der Daten zur Modellverbesserung standardmäßig aktiviert.

Nachrichten können auf den Servern des Unternehmens gespeichert werden und unterliegen damit potenziell US-amerikanischen Rechtsanfragen, etwa auf Basis von FISA 702 oder National Security Letters. Einmal verarbeitete Inhalte können Teil des Chatverlaufs werden, wobei eine endgültige Löschung laut Systemvorgaben bis zu 30 Tage in Anspruch nehmen kann.

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Die Position von OpenAI und der Marktekontext

OpenAI tritt den Sicherheitsbedenken entgegen und betont, dass das Plugin lokal auf dem Gerät laufe. Es finde keine automatische Indexierung der Nachrichten statt, und sofern die Cloud-Speicherung nicht explizit aktiviert sei, würden keine Nachrichten auf den Servern des Unternehmens gesichert. Die Verarbeitung erfolge erst nach einer entsprechenden Nutzerberechtigung.

Die Veröffentlichung erfolgt in einer Phase angespannter Beziehungen zwischen OpenAI und Apple. Erst am 10. Juli 2026 hatte Apple Klage gegen OpenAI wegen des Vorwurfs des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen eingereicht, setzt jedoch die Integration von ChatGPT in den eigenen Sprachassistenten Siri parallel dazu fort. Zu dem neuen Nachrichten-Plugin hat sich Apple bislang nicht offiziell geäußert.

Bereits am 13. August 2026 hatte OpenAI seine macOS-App um die Funktion „Computer History“ erweitert. Diese zeichnet für Nutzer der Business- und Enterprise-Tarife Interaktionsereignisse auf, verzichtet jedoch auf Screenshots und ist standardmäßig deaktiviert. Das neue Nachrichten-Plugin markiert nun einen weiteren Schritt des Unternehmens, ChatGPT tiefer in die Betriebssystemumgebung von Apple zu integrieren.

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