ChatGPT verweist Support-Suchende an 404 Media und verfasst E-Mails
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer KI-Chatbot ChatGPT des Entwicklers OpenAI verweist Nutzer mit gewöhnlichen technischen Support-Problemen vermehrt an das US-Technikmagazin 404 Media. In etlichen Fällen verfasst das System sogar eigenständig die entsprechenden E-Mails im Namen der betroffenen Anwender, wie 404 Media in einem Bericht vom 26. Oktober 2026 öffentlich machte.
Die Redaktion sieht sich dadurch mit einer Flut an Anfragen konfrontiert, die eigentlich an die Kundendienste großer Technologiekonzerne gerichtet sein müssten.
Das Medienunternehmen stellte klar, dass es sich bei dem Outlet um keinen offiziellen Kundendienstkanal für Konzerne wie Meta, Verizon oder OpenAI handele. Die Journalisten könnten weder gesperrte Konten freischalten noch ausgefallene Verizon-Dienste wiederherstellen.
Rund zwei Wochen vor der Veröffentlichung des Berichts begann das Team damit, Absender eingehender Hinweise gezielt nach dem Ursprung ihrer Kontaktaufnahme zu befragen.
Die Rückmeldungen hätten ausnahmslos auf Empfehlungen durch den Chatbot verwiesen. Insgesamt verzeichnete das Medium in den vergangenen Monaten bereits Dutzende mutmaßlich durch Künstliche Intelligenz generierte Zuschriften dieses Musters.
Sperrungen und Netzausfälle landen im Postfach von Journalisten
Unter den Fällen befindet sich unter anderem ein Instagram-Nutzer aus Russland, der den Zugriff auf sein Konto mit Fotos und Videos aus 13 Jahren verloren hatte. ChatGPT riet ihm im Rahmen einer russischsprachigen Unterhaltung dazu, eine Nachricht an eine konkrete Redaktionsadresse bei 404 Media zu senden, und nannte ergänzend weitere Medienhäuser.
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Ein anderes Beispiel betrifft einen italienischen Maler, dessen Meta-Konten trotz einer widersprüchlichen Wiederherstellungsnachricht blockiert blieben. Am 16. Oktober 2026 erstellte der Chatbot für ihn ein vollständiges Dossier, das aus 9 Bildschirmfotos bestand.
Ein Nutzer des Mobilfunkanbieters Verizon wiederum klagte über eine Netzwerkstörung, bei der auf seinem iPhone lediglich eine Notruf-Anzeige erschien; auch diesen Fall leitete ChatGPT an diverse US-Medien weiter.
Ein weiterer Anwender des spezifischen ChatGPT-Assistenten namens Captain NORBERTA ließ das Werkzeug einen Hinweisbrief samt 3 PDF-Dokumenten verfassen, bestehend aus einer Pressemitteilung, einer Stellungnahme sowie angeblich verifizierten Beweisen.
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Ursachen und Parallelen in der US-Medienbranche
Ein möglicher Grund für die Fehlleitung liegt in früheren Berichterstattungen des Magazins: Im Jahr 2019 führte die zu Meta gehörende Plattform Instagram nach einem Bericht von 404 Media über Kontoübernahmen eine neue Methode zur Wiederherstellung kompromittierter Profile ein.
Da Sprachmodelle auf Trainingsdaten aus dem Web zurückgreifen, verknüpft das System redaktionelle Recherchen offenbar fälschlicherweise mit praktischer technischer Hilfeleistung.
404 Media steht mit dieser Entwicklung nicht allein da. Auch bei anderen Medienhäusern führt das Verhalten von Sprachassistenten zu ungewollten Zuständigkeiten. Wie das Portal mezha.net am 26. Oktober 2026 berichtete, schilderte Kashmir Hill von der New York Times bereits ähnlich gelagerte Vorfälle, bei denen Chatbots ratsuchende Nutzer direkt an Medienschaffende verwiesen hatten.
