Chemotherapie-Nebenwirkungen: Psilocybin schĂŒtzt Nerven bis 8 Monate
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Krebserkrankungen mittels Chemotherapie ist hĂ€ufig mit schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden, die die LebensqualitĂ€t der Betroffenen massiv einschrĂ€nken können. Eines der gröĂten Probleme stellt dabei die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) dar.
Aktuelle Forschungsergebnisse des MD Anderson Cancer Center, die Anfang September 2026 in der Fachzeitschrift âScienceâ veröffentlicht wurden, deuten nun auf einen völlig neuen Therapieansatz hin: Der Wirkstoff Psilocybin könnte kĂŒnftig dazu eingesetzt werden, das Nervensystem vor den toxischen Auswirkungen gĂ€ngiger Chemotherapeutika zu schĂŒtzen.
Neuroprotektive Wirkung in der prÀklinischen Forschung
In einer am 2. September 2026 publizierten Studie untersuchten Wissenschaftler des MD Anderson Cancer Center den Einsatz von Psilocybin bei MĂ€usen, die mit den Chemotherapeutika Cisplatin, Paclitaxel oder Docetaxel behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass die Gabe von Psilocybin die Tiere vor der Entwicklung einer peripheren Neuropathie schĂŒtzte.
Besonders bemerkenswert war laut den Forschern die Dauerhaftigkeit dieses Effekts: Bereits zwei Dosen des Wirkstoffs vor Beginn der Chemotherapie reichten aus, um die MÀuse bis zu acht Monate lang vor NervenschÀden zu bewahren.
Der schĂŒtzende Effekt blieb dabei ĂŒber mehrere Behandlungszyklen hinweg bestehen. Ein entscheidender Faktor fĂŒr die potenzielle klinische Anwendung ist zudem die Beobachtung, dass Psilocybin die eigentliche Antitumorwirkung der Chemotherapie nicht beeintrĂ€chtigte.
Die in der Untersuchung verwendete Dosis von 1 mg/kg Körpergewicht bei MÀusen entspricht nach Angaben der Studienautoren einer Menge von etwa 25 mg beim Menschen. Da bis zu 60 Prozent aller Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, von CIPN betroffen sind, messen Fachleute diesen Ergebnissen eine hohe Bedeutung bei.
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Mechanismen der mitochondrialen Stabilisierung
Die Untersuchung liefert auch erste ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr die biologische Wirkweise. Es handelt sich um den ersten Nachweis von Psilocybin als neuroprotektives Mittel, wobei Forscher die EffektivitĂ€t als beispiellos bezeichneten. Der zugrunde liegende Mechanismus scheint mit dem Erhalt des mitochondrialen Transports in den Nervenzellen zusammenzuhĂ€ngen.
Dieser Prozess wird offenbar ĂŒber die 5-HT2A-Rezeptoren vermittelt. Durch die Stabilisierung der Mitochondrien, die fĂŒr die Energieversorgung der Zellen zustĂ€ndig sind, können die Nervenzellen den toxischen Stress der Chemotherapie besser ĂŒberstehen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Psilocybin nicht nur symptomatisch wirkt, sondern direkt an den Ursachen der NervenschĂ€digung ansetzt.
Ăbergang in die klinische Erprobung: Die NeuroGuard-Studie
Auf Basis der vielversprechenden Labordaten bereitet das MD Anderson Cancer Center nun den Ăbergang in die klinische Phase vor. FĂŒr November 2026 ist der Start einer Phase-2-Studie unter dem Namen âNeuroGuardâ (NCT07227909) geplant. An dieser Untersuchung sollen insgesamt 80 Patienten teilnehmen, die an Darmkrebs, Brustkrebs oder Kopf-Hals-Tumoren leiden.
Ziel der Studie ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit der Psilocybin-Gabe zur PrĂ€vention von NervenschĂ€den am Menschen zu verifizieren. Branchenexperten bewerten das Potenzial dieses Forschungsansatzes als erheblichen Gewinn fĂŒr die Onkologie, da es bislang kaum wirksame prĂ€ventive MaĂnahmen gegen die periphere Neuropathie gibt.
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Mit ersten Ergebnissen dieser klinischen PrĂŒfung wird laut aktuellen Planungen Anfang 2029 gerechnet. Sollten sich die Ergebnisse aus den Tierversuchen bestĂ€tigen, könnte dies die supportive Therapie in der Onkologie nachhaltig verĂ€ndern und die Belastung fĂŒr Millionen von Patienten reduzieren.
