Chikungunya-Impfung: STIKO empfiehlt Schutz für Über-60-Jährige
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute aus der Reisemedizin heben hervor, dass eine individuelle reisemedizinische Beratung bestehende chronische Vorerkrankungen zwingend berücksichtigen muss, um gesundheitliche Gefahren auf Reisen effektiv abzuwenden.
Angesichts einer hohen Reisebereitschaft gewinnt die gezielte Vorbereitung zunehmend an Bedeutung: Laut dem Ruefa Reisekompass planen 90 Prozent der Menschen in Österreich für das Jahr 2026 eine Reise, wobei 20 Prozent Aktivurlaube und 18 Prozent Erlebnis- oder Rundreisen anstreben.
Wie wichtig eine präzise Anpassung an persönliche Umstände ist, belegt eine kanadische Erhebung. Von 119 befragten Reisenden berichteten 109 Personen (92 Prozent) von Abweichungen von ihren ursprünglichen Plänen. Zudem gaben 68 Befragte (62 Prozent) an, dass sie eine andere Form der Beratung benötigt hätten.
Der Reisemediziner Dr. Sebastian Baumgartner von der Klinik Favoriten weist darauf hin, dass eine qualifizierte Beratung im Regelfall wenige Wochen, in komplexen oder speziellen Fällen jedoch bereits mehrere Monate vor Reiseantritt erfolgen sollte.
Impfvorgaben und Empfehlungen für Risikogruppen
Chronisch Kranke und ältere Reisende stehen bei Schutzimpfungen vor besonderen Anforderungen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt erstmals eine Reiseimpfung gegen das Chikungunya-Virus.
Diese Empfehlung richtet sich an Personen, die in Ausbruchsgebiete reisen, Menschen mit häufigen Aufenthalten in Endemieregionen, über 60-Jährige sowie Personen mit schweren Grunderkrankungen und spezifische Berufsgruppen wie Laborpersonal. Das Virus wird durch Stechmücken wie die Asiatische Tigermücke übertragen und verursacht hohes Fieber sowie teilweise monatelang anhaltende Gelenkschmerzen.
Mittlerweile wurden in Europa lokale Infektionen ohne Reisebezug registriert; nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind geeignete Übertragungsbedingungen auch in deutschen Regionen wie Baden-Württemberg, dem Rhein-Main-Gebiet, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern gegeben.
Impfrichtlinien differenzieren zudem stark nach Alter und Vorbelastung. Beim Impfsymposium Reiseimpfungen 2026 wurde hervorgehoben, dass bei Gelbfieber ab einem Alter von 60 Jahren eine Erstimpfung nur nach sorgfältiger individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.
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Während das WHO-Zertifikat lebenslang gültig ist, empfiehlt die STIKO eine zweite Dosis, wenn die Erstimpfung zehn oder mehr Jahre zurückliegt. Bei Influenza gilt eine Nachimpfung im Frühjahr für über 60-Jährige als sinnvoll, während der Impfschutz nach einer COVID-19-Infektion etwa zwölf Monate anhält.
Bezüglich COVID-19 sieht ein STIKO-Vorschlag, der am 3. September in die Schutzimpfungs-Richtlinie übernommen wurde, vor, Auffrischimpfungen für gesunde Erwachsene künftig erst ab 75 Jahren statt ab 60 Jahren anzusetzen.
Für Personen mit Vorerkrankungen sowie Beschäftigte in Medizin und Pflege mit erhöhtem Infektionsrisiko bleibt die Empfehlung einer jährlichen Auffrischung – vorzugsweise im Spätsommer oder Herbst – jedoch auch vor dem 75. Lebensjahr bestehen.
Verbindlich werden diese Anpassungen erst nach Abschluss der Prüfung und Veröffentlichung durch das Bundesgesundheitsministerium; bis dahin behalten die bisherigen Richtlinien ihre Gültigkeit. Bei bestimmten Reisezielen bestehen zudem feste Vorschriften: So ist die Meningokokken-Impfung (ACWY) für Teilnehmende an den Pilgerfahrten Haddsch und Umrah verpflichtend.
Vorbereitung der Reiseapotheke und versicherungsrechtliche Aspekte
Besonders für Reisende ab 60 Jahren ist die Sicherheit der täglichen Medikation ein zentrales Thema, um Komplikationen wie Schwindel oder Wechselwirkungen zu vermeiden. Dieser unabhängige Ratgeber klärt über potenziell riskante Wirkstoffe auf und zeigt sichere Alternativen für den Alltag und die Reise. Gratis-Report zur Medikamenten-Sicherheit herunterladen
Neben Immunisierungen erfordert das Mitführen notwendiger Medikamente eine strukturierte Vorbereitung. Der Verband Pharma Deutschland stellt seit dem 10. September 2026 einen kostenlosen digitalen Reiseapotheken-Konfigurator bereit.
Das Tool deckt 94 Länder in fünf Regionen ab (37 in Europa, 19 in Asien/Pazifik, 15 in Amerika, elf im Nahen Osten und Nordafrika sowie zwölf in Afrika) und erstellt strukturierte PDF-Packlisten. Dabei werden ausschließlich Wirkstoffgruppen und keine Markennamen aufgeführt.
Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann betonte hierzu, dass der Konfigurator eine fundierte ärztliche oder apothekerliche Beratung keinesfalls ersetzen könne.
Auch versicherungsrechtlich müssen Vorerkrankungen beachtet werden. Reiserücktrittsversicherungen sichern finanzielle Verluste bei unvorhersehbaren Ereignissen ab – etwa bei unerwarteten schweren Erkrankungen, Unfällen oder Impfunverträglichkeiten.
Bestehende chronische Krankheiten sind in den Policen jedoch häufig von den Leistungen ausgeschlossen. Um Stornokosten, die kurz vor der Abreise bis zu 95 Prozent des Reisepreises betragen können, zu vermeiden, ist eine frühzeitige medizinische Abklärung unerlässlich.
