China, Spitzenforscher

China: Spitzenforscher müssen Reisepässe abgeben – Talentabwanderung gestoppt

27.05.2026 - 09:50:53 | boerse-global.de

Peking weitet Passabgaben auf Spitzenforscher von Alibaba, ByteDance und DeepSeek aus, um Technologieabwanderung zu stoppen.

China: Spitzenforscher müssen Reisepässe abgeben – Talentabwanderung gestoppt - Foto: über boerse-global.de
China: Spitzenforscher müssen Reisepässe abgeben – Talentabwanderung gestoppt - Foto: über boerse-global.de

Die chinesischen Behörden haben ihre informellen Reisebeschränkungen massiv verschärft. Seit Ende Mai 2026 müssen führende KI-Forscher und Führungskräfte privater Unternehmen ihre Pässe abgeben oder vor jeder Auslandsreise eine offizielle Genehmigung einholen. Betroffen sind Konzerne wie Alibaba, DeepSeek, ByteDance sowie die aufstrebenden Start-ups Moonshot AI und StepFun. Bislang galten solche Auflagen vor allem für staatliche Einrichtungen und militärisch relevante Forschungsinstitute.

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Schutz vor Abwanderung und Technologiediebstahl

Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Abwanderung von Spitzenkräften ins Ausland zu verhindern – insbesondere in die USA. Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich bereits in Zahlen: Seit 2017 ist die Migration von KI-Talenten aus China in die USA um 89 Prozent eingebrochen. Mit den neuen Beschränkungen schließen die Behörden die letzten Lücken für Abwerbungen durch Silicon-Valley-Firmen.

Besonders deutlich wurde die neue Härte im Fall des Start-ups Manus. Im März 2026 verhängte Peking Ausreisesperren gegen Mitgründer Xiao Hong und Chefwissenschaftler Ji Yichao. Hintergrund war eine geplante Übernahme von Manus durch den US-Konzern Meta im Wert von zwei Milliarden Euro. Der Deal wurde blockiert – ein klares Signal an die gesamte Branche.

Doppelte Kontrolle: Geld und Menschen

Seit April 2026 müssen Firmen wie Moonshot AI und StepFun zudem eine Sondergenehmigung der staatlichen Planungskommission einholen, bevor sie Investitionen aus den USA annehmen dürfen. Diese Investitionskontrollen ergänzen die Reisebeschränkungen: Wer weder Kapital noch Personal ins Ausland lassen darf, bleibt im heimischen Ökosystem verankert.

Hintergrund ist auch der anhaltende US-Chip-Exportstopp, der seit 2022 den Zugang zu Hochleistungs-Halbleitern erschwert. Je knapper die Hardware, desto wertvoller wird das Know-how der Forscher, die mit begrenzten Ressourcen optimale Ergebnisse erzielen.

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Aufholjagd mit Erfolg

Die Beschränkungen fallen in eine Phase, in der chinesische KI-Modelle den Rückstand auf die US-Konkurrenz rasant verkürzen. Laut dem Stanford AI Index 2026 beträgt der Leistungsunterschied zwischen führenden Modellen nur noch 2,7 Prozent. Mitte 2023 lag die Lücke noch zwischen 17,5 und 31,6 Prozentpunkten.

Auch bei Patenten dominiert China: 69,7 Prozent aller weltweiten KI-Patente stammen inzwischen aus dem Reich der Mitte. Indem die Regierung die Urheber dieser Patente im Land hält, sichert sie sich die Kontrolle über die praktische Anwendung und Weiterentwicklung.

Drohende Fragmentierung der KI-Welt

Die Folgen für den globalen Technologiemarkt könnten gravierend sein. Die internationale KI-Forschung lebt vom offenen Austausch und der Mobilität der Experten. Können chinesische Spitzenforscher nicht mehr an Konferenzen teilnehmen oder grenzüberschreitend kooperieren, droht die Entstehung zweier getrennter KI-Ökosysteme mit unterschiedlichen Standards und ethischen Rahmenbedingungen.

Für die betroffenen Unternehmen bedeutet dies einen fundamentalen Wandel. Die Möglichkeit, internationale Talente anzuziehen oder den eigenen Mitarbeitern globale Karriereperspektiven zu bieten, ist massiv eingeschränkt. Die „menschliche Mauer" um Chinas Talentpool wird zum zentralen Pfeiler der nationalen Technologiestrategie.

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