China, KI-Begleiter

China verbietet emotionale KI-Begleiter: Radikale Regeln ab sofort

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue chinesische Vorschriften zwingen Tech-Konzerne zu drastischen Anpassungen bei KI-Begleitern und emotionalen Interaktionsdiensten.

China verschärft Regeln für emotionale KI-Begleiter
Digitale Silhouette interagiert mit KI-Netzwerk, symbolisiert Chinas neue KI-Begleitregulierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit dem 15. Juli 2026 gelten in China die ersten landesweiten Regeln für KI-Systeme, die menschliche Persönlichkeiten simulieren. Die neuen Vorschriften zwingen Technologiekonzerne zum radikalen Umbau ihrer Angebote.

Die Cyberspace Administration of China (CAC) und vier weitere Ministerien haben die Übergangsmaßnahmen erlassen. Sie richten sich gezielt gegen KI-Begleiter, die für dauerhafte emotionale Interaktionen konzipiert sind. Mehrere große Unternehmen haben bereits reagiert und ihre personalisierten Avatar-Funktionen abgeschaltet.

Was die neuen Regeln fordern

Die Vorschriften legen strenge Auflagen für KI-Agenten fest, die große Sprachmodelle mit fiktiven Persönlichkeiten umhüllen. Plattformen müssen künftig Identitätserinnerungen einbauen, die Nutzer stets daran erinnern, dass sie mit einem Bot kommunizieren. Zeigt ein Nutzer erhöhte emotionale Erregung, sind die Betreiber zu Risikointerventionen und zur Verhinderung extremistischer Verhaltensweisen verpflichtet.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Jugendschutz. Virtuelle intime Beziehungsdienste sind für Minderjährige unter 18 Jahren verboten. Kinder unter 14 Jahren dürfen solche Dienste gar nicht erst nutzen. Gegen Suchtverhalten setzen die Regeln auf harte Maßnahmen: Nach zwei Stunden ununterbrochener Nutzung müssen Plattformen eine obligatorische Warnmeldung ausgeben und einen Sofort-Ausstieg ermöglichen.

Reine Nutzungsdienste wie Kundenservice-Assistenten, Lernhilfen oder Arbeitsplatz-Tools sind von diesen spezifischen emotionalen Interaktionsbeschränkungen ausgenommen.

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Branchenriesen schalten ab

Die Reaktion der Industrie ließ nicht lange auf sich warten. ByteDances Doubao – mit 345 Millionen monatlich aktiven Nutzern im März 2026 eine der größten Plattformen – hat seine personalisierten KI-Agenten deaktiviert. Allein bis Mai 2024 hatten Nutzer dort mehr als acht Millionen individuelle Avatare erschaffen. Zumindest den Datenverlust will Doubao abfedern: Bis zum 15. Oktober 2026 erhalten Nutzer schreibgeschützten Zugriff auf ihre bisherigen Chatverläufe.

Auch Alibabas Qwen und Tencents Yuanbao haben vergleichbare Funktionen eingestellt. Während einige Unternehmen die Dienste ganz aufgeben, anstatt sie nachzurüsten, gehen andere einen anderen Weg: Sie trennen ihr Geschäft auf, behalten reine Nutzungs-Tools für den Heimatmarkt bei und bieten emotionale Begleiter nur noch im Ausland an.

Die Nutzer reagieren emotional. Auf Plattformen wie Xingye – das im September 2025 noch knapp 150 Millionen Nutzer zählte – und Talkie verabschieden sich Menschen von ihren virtuellen Partnern. Die Dimension des Marktes wird an den Zahlen deutlich: Chinas digitale Menschenindustrie war 2024 umgerechnet rund 4,1 Milliarden Yuan schwer – ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Überraschende Öffnung: KI auf dem Smartphone

Parallel zum härteren Kurs bei emotionaler KI vollzog die CAC eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch am 15. Juli 2026 genehmigte die Behörde gleich sieben neue On-Device-KI-Dienste für Smartphones. Die Liste der zugelassenen Dienste liest sich wie ein Who-is-Who der Branche: Apple Intelligence, Samsung Galaxy AI und Huawei Xiaoyi sind dabei. Hinzu kommen Vivo BlueOnDevice, Oppo AndesGPT, Xiaomi PengPai AI und eine spezielle Doubao-Version für Nubia-Smartphones.

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Die Zulassungen erfolgten im Rahmen der allgemeinen Übergangsregeln für generative KI, die eine Registrierung vor dem öffentlichen Start vorschreiben.

Die Sorge vor der digitalen Abhängigkeit

Hinter den neuen Regeln steckt wachsende Besorgnis über die psychologischen Folgen synthetischer Bindungen. Wang Jiang, Leiter des China Cyberspace Research Institute, warnt seit Langem: Der dauerhafte Kontakt mit vermenschlichter KI könne süchtig machen, Nutzer aus realen sozialen Kreisen zurückziehen und letztlich das Einfühlungsvermögen abstumpfen.

Die Forschung untermauert diese Bedenken. Umfragen unter jungen chinesischen Internetnutzern zeigen: Mehr als 70 Prozent haben bereits eine Form von KI-Abhängigkeit erlebt. Rund 23 Prozent sind regelmäßig auf virtuelle Persönlichkeiten als emotionale Stütze angewiesen. Das neue Regelwerk soll diesen Abhängigkeiten entgegenwirken – durch Echtzeit-Erkennung ungesunder emotionaler Bindungen und die klare Vorgabe, dass KI-Dienste reale soziale Interaktionen weder ersetzen noch manipulieren dürfen.

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