Chinas, KI-Regulierung

Chinas KI-Regulierung ab 15. Juli: Personalisierte Agenten verboten

Veröffentlicht am: 05.07.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chinesische Tech-Riesen schalten virtuelle KI-Begleiter ab. Neue Cybersicherheitsgesetze treten Mitte Juli in Kraft und schränken KI-Agenten ein.

ByteDance und Alibaba stoppen personalisierte KI-Funktionen
Nahaufnahme einer leuchtenden Leiterplatte mit schwacher Silhouette der Chinesischen Mauer, Symbol für KI-Regulierung in China. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

ByteDance und Alibaba schalten personalisierte KI-Funktionen ab. Grund sind schärfere Cybersicherheitsgesetze, die ab Mitte Juli gelten.

Bis zum 15. Juli 2026 müssen alle großen KI-Plattformen in China ihre Angebote anpassen. Die neuen „Interimsmaßnahmen für anthropomorphe KI-Interaktionsdienste“ treten dann in Kraft. Betroffen sind vor allem personalisierte KI-Agenten, die wie virtuelle Freunde oder Partner wirken. ByteDances Doubao und Alibabas Tongyi Qianwen haben bereits angekündigt, diese Funktionen einzustellen.

Verbot virtueller Beziehungen für Minderjährige

Die neuen Regeln zielen besonders auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen ab. KI-Dienste dürfen für Minderjährige keine virtuellen Verwandten oder Partner mehr erschaffen. Für Nutzer unter 14 Jahren ist zudem die Zustimmung der Eltern Pflicht. Wer mehr als eine Million registrierte Nutzer oder 100.000 aktive Nutzer pro Monat hat, muss künftig verpflichtende Sicherheitsprüfungen durchlaufen.

Bereits Ende Juni hatten die Behörden in Shanghai über 14.000 nicht konforme KI-Agenten entfernt. Die Plattformen selbst dürfen Nutzerdaten noch bis zum 15. Oktober 2026 speichern, damit die Kunden ihre Daten sichern können. Branchenexperten schätzen den chinesischen Markt für Unternehmens-KI-Agenten auf umgerechnet über 48 Milliarden Yuan – rund 6,2 Milliarden Euro.

Erster Cybersicherheits-Leitfaden für KI-Agenten

Am 4. Juli veröffentlichte das nationale Gremium für Informationssicherheitsstandards (TC260) den ersten Praxisleitfaden zur Cybersicherheit speziell für KI-Agenten. Das Dokument deckt vier Lebensphasen ab: Vorbereitung, Einsatz, Betrieb und Außerbetriebnahme.

Sechs wiederkehrende Sicherheitsanforderungen sind darin festgelegt:

  • Verpflichtende Sicherheitsbewertungen
  • Minimale Berechtigungen nach dem „Least-Privilege“-Prinzip
  • Detaillierte Prüfprotokolle
  • Spezielle Kontrollen für risikoreiche Operationen
  • Sichere Datenlöschung bei Außerbetriebnahme
Anzeige

Während China eigene Standards setzt, müssen hiesige Unternehmen bereits jetzt die Anforderungen des EU AI Acts erfüllen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Dieser technische Standard ergänzt die Maßnahmen zur personifizierten Interaktion, die Mitte Juli in Kraft treten.

Strengere Regeln für Finanzen und E-Commerce

Die Aufsicht verschärft sich auch in spezialisierten Bereichen. Wu Qing, Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsicht (CSRC), kündigte am 5. Juli ein härteres Vorgehen gegen KI-gestützte Aktienempfehlungen und Marktmanipulation an. Gleichzeitig öffnet die CSRC den STAR-Markt – Chinas Antwort auf die NASDAQ – für KI-Großmodell-Unternehmen, die noch keine Gewinne erzielen, aber hohe Forschungsausgaben haben.

Die chinesische Zentralbank und andere Aufsichtsbehörden legten am 4. Juli einen Entwurf für Cybersicherheitsmaßnahmen im Finanzsektor vor. Das 33 Paragrafen umfassende Dokument regelt Risikomanagement und Datenschutz in kritischer Finanzinfrastruktur. Bürger können bis zum 3. August Stellungnahmen einreichen.

Parallel dazu veröffentlichte China am 4. Juli Änderungsentwürfe zum E-Commerce-Gesetz. Die Neufassung erweitert den Regulierungsrahmen ausdrücklich auf KI-Agenten in der Plattformwirtschaft. Zudem sollen chinesische Unternehmen im Ausland besser geschützt werden – eine Reaktion auf die EU-Strafe von 200 Millionen Euro gegen Temu und die Abschaffung von Zollfreigrenzen in den USA und Europa.

Anzeige

Die globale Regulierung von KI stellt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen bei der rechtssicheren Umsetzung. Dieser kostenlose Praxisleitfaden klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um Sicherheitslücken proaktiv zu schließen. Gratis-Report zu neuen KI-Gesetzen anfordern

Internationale Sicherheitsrahmen für autonome Finanz-KI

Auch außerhalb Chinas arbeiten Regulierungsbehörden an Schutzmechanismen für autonome KI-Systeme. Die Währungsbehörde von Singapur (MAS) veröffentlichte am 5. Juli ein Weißbuch mit dem Namen SAFR (Safeguards for Agentic Finance at Runtime).

Der Rahmen soll KI-Agenten im Finanzdienstleistungssektor in Echtzeit überwachen und validieren. Vorgesehen sind regelgebundene Ausführungen und Interoperabilitätsstandards. Das ist besonders relevant, da KI-Agenten zunehmend in der Vermögensverwaltung und Zahlungsabwicklung eingesetzt werden.

Marktforscher prognostizieren, dass bis 2026 bis zu 40 Prozent aller Unternehmensanwendungen KI-Agenten-Funktionen enthalten könnten. Großbritannien, die USA und Singapur haben bereits einen globalen Dialog über die Sicherheitslücken in fortgeschrittenen KI-Systemen gestartet.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69694921 |