Chrome lädt 4-GB-KI-Modell heimlich auf Macs
16.05.2026 - 15:30:20 | boerse-global.deGoogle installiert ohne Zustimmung ein KI-Modell auf Millionen Rechnern – Datenschützer schlagen Alarm.
Sicherheitsforscher haben entdeckt, dass der Google Chrome-browser auf Macs und Windows-PCs ein mehrere Gigabyte großes KI-Modell im Hintergrund herunterlädt – ohne die Nutzer zu fragen. Die Rede ist vom Gemini Nano, einem lokalen KI-Modell, das auf dem Gerät läuft. Der Fall sorgt für hitzige Debatten über Transparenz und Datenschutz.
Heimlicher Datenhunger entdeckt
Der Computerwissenschaftler Alexander Hanff dokumentierte Anfang Mai, dass Chrome auf kompatiblen Geräten automatisch einen Ordner namens „OptGuideOnDeviceModel" anlegt. Darin versteckt sich die Datei „weights.bin" – das Herzstück von Googles Gemini Nano. Auf dem Mac belegt das Paket rund 4 Gigabyte Speicherplatz.
Besonders brisant: Der Download erfolgt selbst auf frisch installierten Browser-Profilen, die nie eine Interaktion mit dem Nutzer hatten. Chrome prüft lediglich die Hardware-Voraussetzungen – RAM, Prozessorleistung und freien Speicher – und startet dann den Transfer. Eine Nachfrage oder Speicherwarnung? Fehlanzeige.
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Datenschutzrechtliche Bedenken
Hanff und andere Experten sehen darin einen Verstoß gegen die EU-ePrivacy-Richtlinie. Deren Artikel 5(3) verbietet Unternehmen, Daten auf Geräten zu speichern, ohne vorherige informierte Einwilligung. „Das ist ein klarer Fall von intransparenter Datenverarbeitung", kritisieren Datenschützer.
Google hatte die Unterstützung für Gemini Nano im Herbst 2025 mit Chrome 140 ausgeweitet. Seitdem läuft das Modell nicht mehr nur auf High-End-GPUs, sondern auch auf normalen Prozessoren. Das vervielfachte die Zahl der betroffenen Geräte schlagartig.
Was das KI-Modell leistet
Der 4-GB-Klotz ist kein optionales Extra – er treibt gleich mehrere Chrome-Funktionen an:
- Phishing-Erkennung: Das Modell analysiert Webseiten auf betrügerische Absichten
- Schreibhilfe: Automatische Textvorschläge in Browser-Feldern
- Tab-Organisation: Intelligente Vorschläge zum Gruppieren offener Tabs
- Prompt API: Entwickler können das lokale KI-Modell für Berechnungen nutzen
Das Problem: Selbst wer den Ordner manuell löscht, bekommt ihn nach dem nächsten Browser-Neustart zurück. Chrome behandelt die fehlende Datei schlicht als Fehler und lädt sie erneut herunter.
Das „AI Mode"-Dilemma
Besonders verwirrend für Nutzer: Chrome hat kürzlich eine „AI Mode"-Schaltfläche in der Adressleiste eingeführt. Wer dort eine Frage eingibt, erwartet lokale Verarbeitung – doch die Anfragen landen in Wirklichkeit auf Googles Servern. „Das ist irreführend", kritisieren Sicherheitsexperten. Die lokale KI arbeitet nur im Hintergrund für Sicherheitsaufgaben und Text-Tools, nicht für die Chat-Funktion.
Umweltbilanz und Speicherplatz
Die Umweltbilanz dieser Praxis ist ebenfalls fragwürdig. Schätzungen zufolge verursacht die weltweite Verteilung der 4-GB-Dateien auf Hunderte Millionen Geräte zwischen 6.000 und 60.000 Tonnen CO?.
Für Nutzer mit günstigen MacBooks (256 GB SSD) ist der Speicherplatzverlust besonders schmerzhaft. Vier Gigabyte sind kein Pappenstiel – vor allem, wenn man nicht danach gefragt wurde.
So schalten Sie das KI-Modell ab
Google verweist auf einen Schalter: Seit Februar 2026 gibt es in den Chrome-Einstellungen unter „System" den Punkt „On-device AI". Wer ihn deaktiviert, soll künftige Downloads verhindern. Allerdings berichten Nutzer, dass der Schalter nicht immer sichtbar oder wirksam ist.
Für eine dauerhafte Lösung gibt es härtere Methoden:
- Enterprise Policy: Systemadministratoren können die Einstellung „OnDeviceModelEnabled" per Konfigurationsprofil auf „false" setzen
- Terminal-Befehl: Erfahrene Nutzer blockieren das Modell per Chrome-Flag in der macOS-Konsole
- Chrome Flags: In der Adressleiste
chrome://flagseingeben und „optimization guide on device model" sowie „Prompt API for Gemini Nano" deaktivieren
Die stillen Installationen von KI-Modellen wie Gemini Nano werfen komplexe Fragen zur neuen Gesetzgebung auf. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act verschafft Ihnen den nötigen Überblick über Risikoklassen, Dokumentationspflichten und wichtige Übergangsfristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen – zum kostenlosen Download
Ausblick
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem: Browserhersteller bauen zunehmend KI-Modelle in ihre Produkte ein. Das bringt Datenschutzvorteile, weil Daten lokal bleiben – aber der Speicherplatzhunger ist enorm. Branchenbeobachter erwarten, dass die EU und US-Behörden prüfen werden, ob solche stillen Installationen gegen Verbraucherrechte verstoßen.
Google selbst hat angekündigt, die Modellgröße weiter zu optimieren. Bis dahin bleibt die 4-GB-Datei ein ungebetener Gast auf Millionen Festplatten.
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